Lewis Hamilton erwägt nach der Lügen-Affäre einen Abschied von den Silberpfeilen. Verdenken kann man es dem Weltmeister nicht.

Auf "Spygate" folgt "Liegate": Die Lügen-Affäre um Weltmeister Lewis Hamilton und sein Team McLaren-Mercedes stellt die ohnehin vom Chaos geprägte Formel 1 vor die nächste Belastungsprobe.

Wie schon beim Spionage-Skandal um gestohlene Ferrari-Daten leistet sich das britisch-deutsche Team dabei eine fatale Außendarstellung.

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Nicht genug, dass der Weltmeister-Rennstall zum Saisonauftakt der Konkurrenz meilenweit hinterherfährt - das Image des Teams und seines einstigen Vorzeigepiloten ist spätestens nach der Schwindel-Anweisung von Melbourne am Boden.

Wie ernst die ganze Geschichte ist, zeigt die tiefe Frustration Hamiltons, der nach langen Jahren bei den Silberpfeilen nun tatsächlich mit dem Abschied liebäugelt. Sogar ein vorzeitiges Karriereende soll der 24-Jährige erwogen haben.

Martin Whitmarsh, der gerade erst das McLaren-Urgestein Ron Dennis als Teamchef ablöste, hat seinen Rücktritt schon indirekt angeboten.

Doch der eigentliche Leidtragende ist Hamilton.

Ein junger, hochtalentierter und fokussierter Sportler hat einen Fehler gemacht, indem er sich nicht der Anstiftung zur Falschaussage durch Sportdirektor Dave Ryan widersetzte.

Ryan wurde als Bauernopfer gefeuert, Hamilton ist nun der Prügelknabe. Sein Team hat ihm mit der irrsinnigen Anweisung, die FIA-Kommissare zu belügen, einen echten Bärendienst erwiesen. Der Ruf des jüngsten Champions aller Zeiten, der im Fahrerlager ohnehin nie beliebt war, ist damit schwer beschädigt.

Dass Hamilton nun den einst so sicheren silbernen Hort verlassen möchte, ist nur verständlich. Denn wer mag schon mit Leuten zusammen arbeiten, die einen ins offene Messer laufen lassen?

Andererseits dürfte Hamiltons blinder Gehorsam für potenzielle Interessenten eher abschreckend wirken.

Entscheidend wird sein, ob Ryan auf eigene Faust handelte. Dies zu klären wird einige Zeit in Anspruch nehmen. Die Dimension der Affäre erinnert schon jetzt an den größten Skandal der Formel-1-Geschichte.

Zumal der Weltverband weitere Konsequenzen gegen Fahrer und Team erwägt.

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