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Chaos-Truppe ohne Punkte: Die Ferrari-Crew beim Regen-GP in Sepang © getty

Nach dem schlechtesten Saisonstart seit 1992 regieren bei der Scuderia Enttäuschung und Ohnmacht. Berater Schumi steht in der Kritik.

Kuala Lumpur - Als Rennfahrer war Michael Schumacher der Regenkönig, am Kommandostand ist er nur noch der Bademeister.

Der erfolgreichste Formel-1-Fahrer aller Zeiten zerstört mit offenbar krassen Fehlentscheidungen sein eigenes Denkmal.

Nach dem Pannenrennen in Malaysia 89211(Bilder) scheinen Schumachers Tage als Ferrari-Barater gezählt.

Ferrari-Präsident Luca di Montezemolo hat für diese Woche eine Krisensitzung einberufen. Einer der Tagesordnungspunkte dürfte Schumachers Zukunft in Maranello sein.

Vorzeitige Trennung nicht auszuschließen

Der "Frührentner" ist mit einer Gage von angeblich fünf Millionen Euro immer noch einer der bestbezahlten Ferrari-Mitarbeiter.

Schumachers Vertrag läuft zum Jahresende aus, eine Verlängerung gilt als unwahrscheinlich. Sogar eine vorzeitige Trennung ist angesichts der Talfahrt und der globalen Finanzkrise derzeit nicht auszuschließen.

Weber verteidigt Schumacher

Davon geht Schumachers Manager Willi Weber nicht aus, eine Trennung nach Ablauf des Vertrages sei aber möglich, sagte er: "Aber wir haben erst Mitte des Jahres Gespräche. Mal abwarten."

Allerdings nahm Weber seinen Schützling gegen die Kritik ausdrücklich in Schutz. "Die Kritik ist völlig idiotisch, aber wen sollen sie denn auch nehmen? Ihn kennt ja jeder. Und er war halt zufällig da."

Und die Fehler in Malaysia seien schließlich "Teamentscheidungen" gewesen.

Schlechteste Bilanz seit 17 Jahren

Die Ferrari-Strategen hatten Schumacher als "Geheimwaffe" extra nach Australien und Malaysia geschickt. Doch der Schuss ging nach hinten los.

Nach zwei Rennen sind die Roten neben Force India das einzige Team, das noch keinen Punkt gewonnen hat. So schlecht war Ferrari letztmals 1992 in eine Saison gestartet (DATENCENTER: Ergebnisse und WM-Stand)..

Spott und Kritik für Schumacher

Schumacher wird in Italien bereits verspottet und die "Gazzetta dello Sport" fragt: "Hat Schumacher die Strategie bestimmt?"

Experten und auch ehemalige Fahrerkollegen lassen kein gutes Haar an dem siebenmaligen Weltmeister. "Ich wundere mich, dass man mit so einer Beratung so einen Scheiß machen kann", sagte der frühere Formel-1-Pilot Marc Surer recht drastisch am "Premiere"-Mikrofon.

"Das war nur peinlich"

Der Schweizer meinte die Situation im Qualifying, als Felipe Massa zurück in die Garage beordert wurde, weil man dachte, seine Zeit reiche, um eine Runde weiterzukommen.

Stattdessen musste der Brasilianer tatenlos zusehen, wie er bis auf Rang 16 durchgereicht wurde. Sogar Schumi-Freund Niki Lauda polterte bei RTL: "Er hätte die Situation erkennen müssen, das war nur peinlich."

Fehlentscheidung stoppt Räikkönen

Aber es kam noch schlimmer: Kimi Räikkönen, der bei Ferrari 2007 Schumachers Platz übernommen hatte, musste den nächsten Fauxpax ausbaden.

Der Finne wurde in Runde 19 in die Box geholt, anstatt mit Slicks wurde er mit Regenreifen auf die zu diesem Zeitpunkt trockene Piste zurückgeschickt. Aber der Monsun von Malaysia kam erst viel später, und deshalb funkte Räikkönen SOS: "Meine Reifen sind total kaputt."

Ferrari-Teamchef Stefano Domenicali war fassungslos.

Domenicali weicht aus

Wer aber hat die Fehlentscheidung der Roten zu verantworten? "Das möchte ich nicht in der Öffentlichkeit diskutieren", sagte der Italiener nach dem Rennen.

Und was für eine Rolle spielte Schumacher? Domenicali: "Ich habe mit dieser Frage gerechnet, aber ich möchte sie nicht beantworten."

Er meinte lediglich: "Wir müssen uns aus dieser Situation herausarbeiten, ohne Panik. Es ist an der Zeit, dass jeder seine Verantwortung übernimmt. Ich übernehme meine, und so sollten es alle tun, die mit mir zusammenarbeiten."

"Ein Lotteriespiel"

Schumacher selbst sagte: "Es war ein Lotteriespiel, das wir leider nicht gewonnen haben." Italienische Journalisten fragen sich nun, wie Schumachers Aufgabenbereich genau definiert ist.

Der reagierte darauf genervt: "Ich möchte das nicht beantworten. Eine interne Angelegenheit."

Sogar Schumis Hausblatt legt plötzlich den Rückwärtsgang ein. "Vom Regen-König zum Regen-Depp?" titelte die "Bild"-Zeitung am Montag.

Eis für dem "Iceman"

Räikkönen wurde als 14. gewertet, doch während seine Kollegen noch in den Autos saßen und vergeblich auf einen Neustart warteten, war der Finne längst verschwunden und umgezogen.

Er lutschte in der Garage lieber ein Eis und grinste vor sich hin. Massa landete auf einem enttäuschenden neunten Rang.

Der Brasilianer nahm Schumacher in Schutz. "Mit Michael hatte das nichts zu tun, das war eine Entscheidung des Teams", meinte er zum Qualifying-Debakel.

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