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Der Malaysia-GP startete 2009 drei Stunden später: zur besten Sende- und Regenzeit © getty

Was als TV-Coup geplant war, geht den Bach runter: An der Verlegung des Rennstarts lässt im Fahrerlager niemand ein gutes Haar.

Kuala Lumpur - Bernie Ecclestone schaute sorgenvoll zum immer dunkler werdenden Himmel, doch alle Stoßgebete halfen nicht mehr.

Der neue Zeitplan des Formel-1-Bosses für Kuala Lumpur ging den Bach runter.

Nach dem Abbruchrennen waren alle nur froh, den Monsun von Malaysia unbeschadet überstanden zu haben.

2010 sollen die Uhren wieder zurückgedreht werden, das jedenfalls kündigte Malaysias Premierminister Datuk Seri Najib Razak an.

"Die Piste war kein Fluss, da war ein See", sagte Sieger Jenson Button, der im Brawn-Mercedes eine Woche zuvor schon den Auftakt in Melbourne gewonnen hatte (DATENCENTER: Ergebnisse und WM-Stand).

"Keine Ahnung, wo die Piste war"

Für den zweitplatzierten Nick Heidfeld war die Situation völlig chaotisch. "Mich hat es sogar im Schritt-Tempo gedreht", sagte der BMW-Pilot aus Mönchengladbach (Große Flut trennt Sieger und Verlierer).

Timo Glock, der im Toyota als Dritter den Sprung aufs Podest schaffte, meinte nur: "Ich hatte keine Ahnung mehr, wo die Piste war."

Norbert Haug wollte den Fahrern sogar schon Orden verleihen. "Jeder, der bei diesen Bedingungen sein Auto auf der Straße hielt, ist ein Held", sagte der Mercedes-Sportchef.

Start um drei Stunden verlegt

Schuld an dem Desaster war Ecclestones Alleingang. Um in Europa bessere TV-Quoten zu erzielen, hatte der Brite die Startzeit für den Malaysia-Grand-Prix trotz aller Warnungen um drei Stunden auf 17.00 Uhr nach hinten verlegt.

"Es ist ja kein Geheimnis, dass der Regen hier immer am späten Nachmittag kommt", sagte Button.

Auch Nico Rosbergs Einwände fanden kein Gehör: "Am Ende entscheidet immer Bernie", meinte der Williams-Pilot.

"War doch eine gute Show, oder?"

Und so nahm das Unheil am Sonntag seinen Lauf. Wegen eines Tropengewitters und sintflutartiger Regenfälle musste das Rennen aus Sicherheitsgründen unterbrochen werden.

Doch das Zeitfenster für einen erhofften Neustart war einfach zu klein. Es wurde immer dunkler, der Abbruch war die einzig vernünftige Entscheidung.

Ecclestone machte gute Miene zum verkürzten Schauspiel. "Es war doch eine gute Show, oder?", sagte der 78-Jährige der "Bild"-Zeitung. Etwas bedröppelt schaute er aber doch drein. Übrigens: Am Montag setzte der Wolkenbruch bereits um 15 Uhr ein.

Kritik von Theissen

Selbst unter normalen Bedingungen wäre 17 Uhr in Malaysia für ein Formel-1-Rennen grenzwertig gewesen, sagte Mario Theissen.

Es sei aber geplant, das für 2010 zu korrigieren. "Ich habe schon während des Rennens gehört, dass man die Startzeit nächstes Jahr wieder vorziehen will", sagte der BMW-Motorsportdirektor.

Alonso hat Mitleid mit den Fans

Für den zweimaligen Weltmeister Fernando Alonso sind Rennen in den Tropen immer unberechenbar. "Wenn hier ein Gewitter aufzieht, dann ist es auch um 14 Uhr stockdunkel", sagte der Spanier.

Es sei zwar schade für die Fans, die gekommen sind, um ein Rennen zu sehen: "Aber besser so eine Entscheidung als ein schwerer Unfall", meinte der Renault-Pilot.

"Absolut unbefahrbar"

"Die Strecke war völlig überflutet, absolut unbefahrbar", sagte Weltmeister Lewis Hamilton.

Der McLaren-Mercedes-Pilot, der wegen der Lügen-Affäre und Disqualifikation in Melbourne ohnehin schon turbulente Tage hinter sich hatte, sprach von den "gefährlichsten Bedingungen, unter denen ich je ein Rennen gefahren bin".

Dafür wurde er mit Platz sieben und seinem ersten WM-Punkt in dieser Saison belohnt.

Weil das Rennen vor Erreichen von 75 Prozent der Distanz abgebrochen wurde, gab es zum fünften Mal in der Formel-1-Geschichte nur halbierte Punkte.

Im Schritttempo

Felipe Massa meinte, dass man sich entscheiden müsse: "Entweder wir fahren hier am Tag oder es gibt ein Nachtrennen, nur bitte nicht nochmal irgendwo dazwischen", sagte der Ferrari-Pilot aus Brasilien.

Button konnte mit etwas Abstand sogar schon wieder Witze über die Extrem-Bedingungen machen. "Ich war so langsam, man hätte neben dem Auto hergehen können", meinte der Formel-1-Fahrer der Stunde.

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