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Weltmeister Lewis Hamilton belegt derzeit mit einem Punkt Rang zehn in der Fahrer-WM © getty

Zwei ehemalige Piloten zeigen Verständnis für Hamiltons Falschaussage. Die FIA lädt McLaren-Mercedes zu einer Anhörung vor.

Von Manuel Krons

München - Der Schaden, den die sogenannte "Lügenaffäre" am Image von Lewis Hamilton hinterlassen hat, ist groß.

Das Nachspiel könnte nun auch seinem Team weiteres sportliches und finanzielles Unheil bringen.

Der Automobil-Weltverband bestellte McLaren-Mercedes zu einer außerordentlichen Sitzung des World Motor Sport Council der FIA am 29. April nach Paris. Die FIA wirft den "Silberpfeilen" unsportliches Handeln vor.

Der ehemalige McLaren-Sportdirektor Dave Ryan, der am Sonntag suspendiert und dann am Dienstag unmittelbar nach der FIA-Anklage entlassen wurde, hatte Weltmeister Lewis Hamilton zu einer Falschaussage gegenüber den Renn-Kommissaren angestiftet.

Ex-Piloten nehmen Weltmeister in Schutz

In Hamiltons Heimat Großbritannien befürchtet man inzwischen, dass die Falschaussage des 24-Jährigen bald zu den wenigen Dingen zählt, an die man sich in einigen Jahren beim Namen Hamilton noch erinnern wird (KOMMENTAR: Weltmeister als Prügelknabe).

Da überrascht es, dass zwei Ex-Piloten nun öffentlich erklären, sie hätten ebenso gehandelt wie der Weltmeister aus dem McLaren-Mercedes-Team.

Ralf Schumacher und David Coulthard - Letzterer einst selbst bei den Silberpfeilen am Steuer - verteidigen Hamilton.

"Ich bin in dieser Situation gewesen"

"Ich weiß nicht, ob ich in meiner aktiven Zeit in einer ähnlichen Situation nicht genau so gehandelt hätte", wird Schumacher vom "Guardian" zitiert.

"Du bist mit deinem Team zusammen und zusammen besprichst du, was du sagen sollst", so der 33-Jährige, der für Mercedes in der DTM fährt.

Der 13-malige Grand-Prix-Sieger Coulthard formuliert es noch direkter: "Ich bin in dieser Situation gewesen - und du vertraust deinem Team", schreibt der Schotte in seinem "BBC"-Blog.

Coulthard hat Verständnis für Hamilton

Allerdings mutmaßt der Ex-McLaren-Pilot auch, dass die Berichte über Hamiltons Niedergeschlagenheit sowie Gerüchte über dessen möglichen Rücktritt dazu dienten, Sympathien und Verständnis für Hamilton zu wecken (Hamilton vor Rücktritt).

"Auf der anderen Seite: Kann ein Fahrer in solch konfusen Momenten wohldurchdacht ein schwierige Entscheidung treffen, sich über die Teamorder hinwegsetzen und seine Karriere gefährden?", fragt Coulthard.

Paradoxerweise hat Hamilton seine Karriere aufs Spiel gesetzt, indem er nicht so gehandelt hat. Nicht nur ihn selbst hat das vertuschte Überholmanöver gegen Jarno Trulli während der Safety-Car-Phase in Bedrängnis gebracht (Lewis, der Lügenbaron).

Keine Positiv-Schlagzeilen

Der Image-Schaden für die Silberpfeile ist ebenso groß.

Nach der 100 Millionen-Dollar-Strafe augrund der Spionage-Affäre in der vergangenen Saison, bekommt McLaren-Mercedes nun wieder große Aufmerksamkeit für Dinge, die abseits der Strecke passieren.

Positive Schlagzeilen für sportlichen Erfolg bleiben hingegen aus.

"Eine schwierige Zeit"

Mercedes, das deutsche Autobauer-Anhängsel aus Stuttgart, muss die Misere einmal mehr mit ausbaden.

Die Zweifel, ob der Konzern auch in Zukunft Millionen Euro in die Königsklasse pumpt, wachsen offenbar. Insbesondere in den Zeiten der allgemeinen Wirtschaftskrise.

"Das ist für uns alle eine schwierige Zeit, für die ganze Industrie, soviel ist sicher", sagt Mercedes-Motorsportchef Norbert Haug gegenüber "GPWeek". "Wir sind mit der Situation, so wie sie sich im Augenblick darstellt, natürlich keineswegs glücklich."

Aktionäre fordern Ausstieg aus der Formel 1

Die Zukunft von Mercedes in der Formel 1 beschreibt er als ungewiss: "Wenn sie mich fragen, ob wir in den kommenden zehn Jahren dabei bleiben werden, dann kann kein ehrlicher Mensch eine Antwort darauf geben, wie sich die Welt, die Automobilindustrie und die Wirtschaft in dieser Zeit entwickeln werden."

Am Mittwoch treffen sich die Daimler-Aktionäre in Berlin zu ihrer Hauptversammlung. Dort wollen die Aktionäre ihre Forderungen zur Kostensenkung öffentlich machen.

Angeblich lautet eine zentrale Forderung: Ausstieg aus der Formel 1.

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