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Jenson Button führt die WM mit 15 Punkten vor Rubens Barrichello (10) an © getty

Brawn GP profitiert von der Ressourcen-Zwickmühle der Top-Teams und lacht sich ins Fäustchen. Mit der WM will man aber nichts zu tun haben.

Von Julian Meißner

München - Nach den ersten zwei Saisonrennen steht die Hackordnung in der Formel 1 auf dem Kopf (NACHBERICHT: Die große Flut teilt Sieger und Verlierer).

Auch wenn die Senkrechtstarter von Brawn GP versuchen, den Rummel um ihr sensationelles Auftreten in Grenzen zu halten: Der Honda-Nachfolger mischt die etablierten Teams um Branchenführer Ferrari und McLaren-Mercedes ordentlich auf.

Hinsichtlich der technischen Schwächen der Silberpfeile, die wie die Scuderia bislang weit hinter den Erwartungen zurückblieben, sagt Teamchef Ross Brawn: "Ich denke, sie bezahlen jetzt den Preis dafür, dass sie letztes Jahr Weltmeister wurden."

Es ist die altbekannte Ressourcen-Zwickmühle in der Königsklasse: McLaren-Mercedes investierte 2008 bis zur letzten Rennrunde der Saison alles in den extrem engen WM-Kampf zwischen Lewis Hamilton und Ferraris Felipe Massa.

"Warum Zeit verschwenden?"

Das Honda-Team, aus dem Brawn GP hervorging, schrieb dagegen die aus Sicht der Japaner katastrophal verlaufende Saison früh ab und konzentrierte sich früh auf 2009.

"Wir hatten kein gutes Auto, warum sollten wir Zeit damit verschwenden?", erklärt Brawn, der nun von der Presse einmal mehr als "Superhirn" gefeiert wird (Branson: "Wie die Sex Pistols").

McLaren-Teamchef Martin Whitmarsh mutmaßt über Brawn GP: "Sie haben ihr Auto 16 Monate lang und in vier Windkanälen getestet. Sie hatten riesige Ressourcen von Honda: Bis zu ihrem Ausstieg steckten die Japaner hunderte von Millionen in das Team."

Brawn sieht Verhandlung gelassen entgegen

Ein Kniff, den sich Brawn bei der Entwicklung des BGP 001 zunutze machte, ist der umstrittene Doppel-Diffusor, über dessen Legalität der Automobil-Weltverband FIA am 14. April urteilen wird. Auch Williams und Toyota nutzen das Element, das den Boliden besseren Abtrieb verschafft.

Von Seiten der Teams Ferrari, Red Bull, Renault und mittlerweile auch BMW-Sauber läuft ein Protest gegen das Bauteil 89211(DIASHOW: Malaysia-GP).

"Ich halte die ganze Diskussion für normal und bin, was den Ausgang betrifft, mehr als gelassen", sagte Brawn nun gegenüber "Welt online". "Unsere Aerodynamik ist regelkonform. Wir haben nur das ganze Problem des neuen Reglements anscheinend besser gelöst als andere", so der Brite.

Ferraris Aufregung als Kompliment

Mit dem Trick mache man sich in der Formel 1 natürlich keine Freunde, meint Brawn, dessen revolutionäres Wirken besonders bei seinem ehemaligen Team nicht sonderlich gut ankommt.

"Ich betrachte vor allem die Aufregung bei Ferrari als Kompliment", reibt sich Brawn die Hände: "Wenn mich mein alter Arbeitgeber nicht als wirklichen Gegner akzeptieren würde, würden sie nicht gegen uns protestieren. Die würden sich gar nicht für uns interessieren."

Brawn führt weiter aus: "Aber die Tatsache, dass unser Auto vor ihnen fährt und wir eine Herausforderung für Ferrari sind, wertet uns auf. Das ist erfreulich und sogar gut für uns."

Keine WM-Ambitionen?

Doch Brawn rechnet damit, dass sowohl die Scuderia als auch McLaren-Mercedes den Vorsprung der Neon-Boliden bald aufholen wird (DATENCENTER: Ergebnisse und WM-Stand).

Schließlich hätten die beiden ewigen Rivalen zu Ende der vergangenen Saison aufgrund des in 2009 stark veränderten Regelwerks viel entwickelt, was man nun "wegwerfen" könne.

Ambitionen in Richtung des WM-Titels wischt Brawn nach dem zweiten von 17 Saisonrennen dennoch kategorisch beiseite: "Ich denke noch nicht einmal darüber nach. Es wäre ebenso unglaublich wie unrealistisch."

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