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Im April kommt der FIA-Weltrat in dieser Sache zusammen. Das Team erhält wegen seiner Kooperation eine Bewährungsstrafe
Hamilton sicherte sich in der vergangenen Saison den WM-Titel im letzten Rennen © getty

Rennleiter Whiting legt gegen Hamilton nach: Der Brite sei Nachfragen zur Melbourne-Affäre ausgewichen und habe erneut gelogen.

Von Benjamin Bauer

München ? Der Australien-GP lässt die Formel 1 nicht los. Stattdessen dringen auch zwölf Tage nach Lewis Hamiltons Lügengeschichte von Melbourne noch neue Details an die Öffentlichkeit.

FIA-Rennleiter Charlie Whiting hat die Affäre nun angeheizt, indem er gegenüber "Autosport" zugab, dass das Rennen einen ganz normalen Ausgang genommen hätte, wenn McLaren-Mercedes Hamilton nicht den verhängnisvollen Befehl gegeben hätte, Jarno Trulli überholen zu lassen.

Whiting berichtete von den Geschehnissen der zweiten Anhörung in Malaysia, wo Hamilton ihn um Verzeihung gebeten hatte.

Whiting erinnert an sein Nachfragen

Dem Weltmeister und McLaren-Sportdirektor Dave Ryan war vor Ort der Boxenfunk vorgespielt worden. Zunächst hätten sie auf ihrer Version beharrt, so Whiting, aber sie hätten zunehmend unsicher gewirkt.

Whiting habe das Zepter in die Hand genommen und Hamilton zur Rede gestellt: "Ich habe Lewis daran erinnert, dass ich ihn in Melbourne zwei Mal gefragt habe, ob er Trulli bewusst überholen ließ."

Der Weltmeister sei der Frage ausgewichen. Whiting: "Er hatte keine Antwort für mich. Sie versuchten mit aller Kraft, vom eigentlichen Thema abzulenken und die Kommissare auf etwas anderes zu bringen. Das ist zumindest der Eindruck, den ich hatte." Spätestens jetzt sei ihm klar gewesen, dass Hamilton und Ryan absichtlich gelogen hätten.

Entschuldigung unter vier Augen

Hamilton gab später sein Fehlverhalten zu und schob die Verantwortung in Richtung Ryan. Er habe nach dessen Anweisung gehandelt und sich in die Irre führen lassen. ("Ein wenig surreal")

Außerdem ging er auch zu Whiting, um sich persönlich zu entschuldigen, verrät der Rennleiter: "Er kam auf mich zu, um unter vier Augen mit mir zu sprechen. Er sagte, er wolle sich für alles, was er getan hat, entschuldigen, und dass er es nie mehr wieder tun würde - so etwas in der Art." (DATENCENTER: Ergebnisse und WM-Stand)

"Lewis hat zugegeben nicht auf der Ideallinie gewesen zu sein", äußerte Whiting gegenüber "Autosport". "Er meinte, er sei wegen Wrackteilen auf der Strecke in Sorge gewesen."

"Er beharrte darauf, dass er nicht verlangsamt hat"

McLaren versuchte mit dem Aushändigen von Telemetriedaten zu belegen, dass Hamilton den Fuß nicht vom Gas nahm. Außerdem soll ihn sein Display mit der Anzeige der Geschwindigkeit des Safety-Cars irritiert haben.

Whiting weiter: "Als wir Lewis ganz klar gefragt haben, ob er zur Seite gefahren ist, um Jarno durchzulassen, antwortete er mit einem Nein. Die Frage wurde ihm mehr als einmal gestellt. Er beharrte darauf, dass er nicht verlangsamt und Trulli nicht vorbeigelassen hat." (Lewis, der Lügenbaron)

Widersprüche aufgedeckt

Damit schob er den schwarzen Peter in Richtung Trulli, der in den Augen der Rennkommissare einfach schneller als Hamilton war und aus eigener Kraft den Weltmeister überholte - während der Safety-Car-Phase. Dieses Vergehen hatte zunächst eine 25 Sekunden Strafe zur Folge gehabt.

Hinter den Kulissen kamen erste Zweifel auf. Allen voran der Journalist Adam Cooper war verwundert. Hamilton habe ihm vor der Anhörung noch erzählt, dass das Team Hamilton angewiesen habe, Trulli vorbeizulassen.

Cooper suchte daraufhin Whiting auf, der den Boxenfunk gemeinsam mit FIA-Kollege Alan Donnelly kontrollierte und Widersprüche entdeckte.

Weiter ins Dunkel

Die neuerlichen Ausführungen von Whitling rücken McLaren-Mercedes weiter ins dunkle Licht.

Hamilton und Ryan haben gegen Artikel 151c des Internationalen Sportkodexes verstoßen haben. In diesem ist festgehalten, dass im Wesentlichen jedes Verhalten verboten ist, das im Widerspruch zu den Interessen des Sports steht. (Droht McLaren der WM-Ausschluss?)

Der Weltrat entscheidet über weitere Maßnahmen. Doch mit Milde darf McLaren-Mercedes angesichts der Vorbelastung durch die Spionageaffäre nicht rechnen.

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