Formel-1-Experte Jacques Schulz setzt beim Großen Preis von China auf Brawn GP und sieht einen deutschen Piloten auf dem Podium.

Hallo Formel-1-Fans,

die Diffusor-Entscheidung wundert mich nicht: In der Formel 1 scheint momentan die "David-gegen-Goliath-Karte" Trumpf zu sein. Es gibt die Tendenz, die kleinen Teams zu stärken (FIA-Urteil: Doppel-Diffusor legal).

Aber Brawn hat einfach seine Hausaufgaben besser gemacht als andere. Und die Formel 1 war immer eine Ingenieurs-Wissenschaft, die das Hauptziel hat, das Reglement auszureizen und die Grauzonen im Regelwerk aufzuspüren - und da hat Brawn einfach am besten gearbeitet.

Die versammelte Konkurrenz mit ihren Hundertschaften von Ingenieuren und Atomphysikern war einfach nicht so gut wie die kleine Brawn-Truppe. Das zeigt, dass Hirnschmalz und Kreativität nach wie vor nicht durch Computer zu ersetzen sind.

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Daher sehe ich Brawn auch in Schanghai vorne. Bestätigt auch durch die Entscheidung pro Doppel-Diffusor und mit dem Rückenwind der ersten beiden Rennen, wird es für Brawn in China wieder reichen. Die Streckencharakteristik mit schnellen engen Kurven kommen dem Brawn-Auto mit seinem guten - von Jenson Button immer wieder gelobten - mechanischen Grip entgegen.

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Rang zwei wird eine knappe Entscheidung zwischen dem Williams-Toyota und dem Werks-Toyota werden, den beiden anderen Teams aus der sogenannten "Diffusor-Gang" (DATENCENTER: Ergebnisse und WM-Stand).

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Nico Rosberg, Jarno Trulli und Timo Glock - das wird eine sehr enge Geschichte. Wenn es, wie vorhergesagt, nicht ganz so heiß werden sollte, könnte das den Ausschlag in Richtung Williams geben. Da der Toyota besonders bei Hitze schnell unterwegs war. Und ich könnte mir vorstellen, dass der Nico, der sich hier wohlfühlt, wieder eine Leistung zeigt wie in Malaysia. Da hat es ihn dann in Folge des Regens weggespült. Mein Bauchgefühl sieht den Williams vor dem Toyota.

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Dass in Schanghai ein Deutscher auf dem Podium steht, ist allemal drin. Denn neben Rosberg und Glock ist auch Sebastian Vettel im Red Bull ein Kandidat für die Top-Plätze. Ich habe mit ihm gesprochen, er ist extrem motiviert. Ich sehe Vettel knapp vor den Ferrari. Wenn die Roten sich nicht unter Wert verkaufen wie in Malaysia (Roter Komödienstadl - Ferrari Boss erzürnt), dann gibt es zwischen Red Bull und Ferrari einen packenden Kampf.

Ein wesentlicher Schlüsselfaktor werden die Reifen von Bridgestone sein. Super-soft und Medium kommen zum Einsatz und damit die weichste und die zweithärteste Gummi-Mischung. Bei den derzeitigen Temperatur-Bedingungen von rund 13 Grad scheint der harte Reifen zu hart zu sein und der weiche zu weich. Super-weich war schon in Australien, wo es nur Geraden und enge Schikanen gibt, nach drei Runden fertig.

Es geht besonders um den linken Vorderreifen, davor haben die Piloten alle Angst, dass der nach zwei Runden durch ist. Sie haben noch keine Idee, wie sie die weichen Reifen sicher durch den Schluss-Stint manövrieren können. Die Reifenregelung bringt uns unter den jetzigen Bedingungen zum Finale des Grand Prix noch mal ein echtes Spektakel - ähnlich wie in Australien. Das könnte das ganze Ranking ordentlich durchschütteln.

Ansonsten erwarte ich die drei Doppel-Diffusor-Teams vor Red Bull und Ferrari - und bin natürlich gespannt!

Keep Racing,

Ihr Jacques Schulz

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