Die Liaison zwischen Vettel und Red Bull ist Gold wert. Dass er in Schumis Fußstapfen tritt, steht aber noch lange nicht fest.

Als im Juli 2008 der Wechsel Sebastian Vettels von Toro Rosso zu Red Bull bekannt gegeben wurde, waren die Reaktionen gemischt.

Die einen lobten ihn für seine Stalltreue, Bodenständigkeit und Bescheidenheit. Die anderen bezeichneten den kleinen Schritt auf der Karriereleiter als zu vorsichtig, und hätten den schon damals als Supertalent gefeierten Vettel lieber direkt bei einem der renommierten Top-Teams gesehen.

Nach drei Rennen für seinen neuen Arbeitgeber muss man feststellen: Vettel hat alles richtig gemacht. Und Red Bull hat alles richtig gemacht.

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Was der Heppenheimer mit Hilfe seiner Crew in China ablieferte, war außergewöhnlich. Erst verwies er die Diffusor-getunte Konkurrenz im Qualifying spektakulär in die Schranken, holte sich mit minimalem Aufwand und maximaler Nervenstärke die Pole Position.

Im Rennen bestätigte er seine Klasse und ließ sich weder vom Wetter, der Konkurrenz noch dem deutlich routinierteren Teamkollegen die Tour vermasseln.

Ob das Paket aus Pilot, Fahrzeug und Team schon 2009 tatsächlich so WM-reif ist, wie es die Wertung nach drei Rennen ausweist, muss man abwarten.

Fest steht aber, dass Vettel das Zeug hat, eines Tages den Titel zu holen und der nächste deutsche Weltmeister nach Michael Schumacher zu werden.

Vorsicht ist mit solch hohen Erwartungen dennoch geboten.

Ein Beispiel für die schleppende Entwicklung eines ähnlichen Talents ist Nico Rosberg: Der 23-Jährige ist ebenfalls schnell, nervenstark, sympathisch und wortgewandt.

Auch er steht loyal zu seinem Arbeitgeber, Williams, wo seine Entwicklung aber leider zu stagnieren droht. Der Sohn des ehemaligen Weltmeisters Keke scheint aufs falsche Team gesetzt zu haben.

Dass die Red-Bull-Familie ein Händchen für junge, aufstrebende Fahrer hat, beweist auch die Performance Sebastien Buemis in Schanghai.

Der Schweizer, der seit Saisonbeginn für Toro Rosso fährt, kam auf Platz acht und sicherte sich so bereits seinen dritten WM-Punkt - und das in einem eigentlich völlig unterlegenen Boliden.

Dabei ließ er schon zum zweiten Mal seinen weit erfahreneren Teamkollegen Sebastien Bourdais hinter sich.

Und sollte er sich auf der Karriereleiter so konstant nach oben bewegen wie dies Sebastian Vettel tut, ist er bald ein Kandidat für ein Cockpit bei Red Bull.

Dort könnte bald Bedarf entstehen. Ferrari leckt sich schon länger die Finger nach Vettel, und auch Norbert Haug, Mercedes' mächtiger Motorsportchef, ist ein erklärter Fan des Hessen.

Auch Vettel selbst lässt keinen Zweifel daran, dass er früher oder später in einem absoluten Top-Auto sitzen will.

Momentan hat er jedoch keinen Anlass, irgendetwas an seinem strikten Karriereplan zu ändern.

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