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Timo Glock erreichte in seiner ersten Saison bei Toyota den 10. Platz in der Formel 1 © getty

Nach zuletzt schwachen Rennen setzt Timo Glock viel Hoffnung auf den Türkei-GP. Ein Toyota-Ausstieg beschäftigt ihn nicht.

Istanbul - Eine beispielloser Absturz nach hoffnungsvollem Saisonstart und nicht abreißende Gerüchte um den möglichen Ausstieg seines Arbeitgebers Toyota: Timo Glock macht in der Formel-1-WM derzeit keine leichte Phase durch.

Nach dem Debakel von Monaco (Ende eines Höhenflugs), als er als Letzter des Qualifyings aus der Boxengasse startete und bereits im zweiten Rennen in Folge überrundet wurde, gibt sich der 26-Jährige vor dem siebten WM-Lauf am Sonntag in Istanbul allerdings kämpferisch.

"Ich komme sehr entschlossen in die Türkei", sagte der gebürtige Odenwälder: "Das Monaco-Wochenende hat wehgetan, aber es motiviert uns auch. Wir wollen zurück in die Punkte, aber in Wahrheit sind unsere Ziele ja ganz andere. Unterm Strich wollen wir um Podestplätze fahren, und ich hoffe, in der Türkei wieder vorne mitzukämpfen." ad

Die Saison begann gut

Zu Saisonbeginn war für Glock und Toyota noch alles in bester Ordnung.

Das Jahr begann mit zwei Podestplatzierungen (jeweils Rang drei) in Australien und Malaysia, und im vierten Rennen in Bahrain belegten Glock als Zweiter und sein italienischer Teamkollege Jarno Trulli auf der Pole Position die erste Startreihe.

Leistungseinbruch eklatant

Nur vier Wochen später in Monaco hatte sich das Bild komplett gedreht: Trulli und Glock belegten im Qualifying die letzten beiden Plätze.

Ein dramatischer und eigentlich unerklärlicher Leistungseinbruch, die Plätze 10 (Glock) und 13 (Trulli) im Rennen waren keine echte Schadensbegrenzung.

Auch wenn Glock sich damit tröstete, "dass wir noch das bestmögliche Resultat erzielt haben, das realistisch drin war". Trulli sprach von "Updates am Auto, die anscheinend nicht gut funktioniert haben".

"Die Türkei ist anders"

Toyotas Motorsportpräsident John Howett stufte das Wochenende im Fürstentum als "inakzeptabel" ein.

Man habe seither "rastlos gearbeitet, um die Gründe dafür zu verstehen". Probleme mit der Traktion vermute man, und man habe gesehen, dass man in langsamen Kurven nicht gut genug sei.

Ansonsten bleibt nur der Trost: "Die Türkei ist anders als Monaco. Ich bin optimistisch."

Ausstieg schon beschlossen?

In den letzten Wochen schien der Kampf auf der Strecke bei Toyota ohnehin in den Hintergrund gerückt zu sein.

Gemeinsam mit Ferrari war Toyota Vorreiter der Rebellen-Fraktion, die im Budget- und Regelstreit mit Ausstieg drohte (Toyota dementiert Ausstieg). Manche Quellen berichteten gar, der Ausstieg sei längst beschlossen, und das japanische Werk, das Jahr für Jahr den höchsten Etat der Formel 1 bewilligt, suche nur nach einem Vorwand.

Howett bezeichnete dies als "absichtlich in die Welt gesetztes Störgeräusch".

Keine Zukunftsangst bei Glock

Am Team ist die Diskussion offenbar nicht spurlos vorbeigegangen, wie die jüngsten Ergebnisse zeigen.

Glock macht sich nach eigenen Angaben aber keine Sorgen um seine Zukunft. Sein Manager Hans-Bernd Kamps teilte mit, man sei "absolut sicher, dass Toyota gemeinsam mit Timo 2010 ganz normal am Start stehen wird. Daran gibt es keinen Zweifel."

Glock will nicht jammern

Und über die Weltwirtschaftskrise will Glock ohnehin nicht jammern.

"Es ist nicht meine Art, zu leiden und zu sagen: Das ist ja alles so schlecht", sagte er: "Wenn ich mich damit befasse, dass es mit der Formel 1 bald vorbei ist, dann bin ich nicht frei genug im Kopf, nicht wach genug für den Job, den ich zu machen habe."

Neues Betätigungsfeld für Glock?

Und bräche das gesamte System zusammen, wüsste Glock auch schon, was er macht.

"Wenn es im nächsten Jahr keine Formel 1 mehr geben würde, dann würde ich wieder in der Firma meines Vaters als Gerüstbauer anfangen", meinte er: "Ich habe damit kein Problem, was soll ich denn machen? Mich hinsetzen und Däumchen drehen? Davon wird's auch nicht besser."

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