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Nick Heidfeld hat 156 Formel-1-Rennen absolviert © getty

Angesichts des Regelstreits und der BMW-Krise scheint der Routinier die Lust zu verlieren: "Man macht man sich Sorgen und Gedanken."

Istanbul - Nick Heidfeld hat als zweiter Fahrer nach dem zweimaligen Weltmeister Fernando Alonso für den Fall einer unbefriedigenden Lösung im Regelstreit einen Ausstieg aus der Formel 1 angedeutet (Alonso droht offen mit Abschied).

"Wenn es zu einer Formel 3 mutieren würde, wäre es nicht unbedingt etwas, wo man dabei bleiben wollte", sagte der BMW-Sauber-Pilot am Donnerstag in Istanbul vor dem Großen Preis der Türkei (Training, Fr., 9 Uhr LIVE).

"Die letzten Monate waren extrem. Und in der jetzigen Situation ist es unvorhersehbar, was passiert. Niemand weiß genau, wie es weitergeht. Deshalb macht man sich schon Sorgen und Gedanken", so Heidfeld.

Diese sind nach Angaben von BMW-Motorsportdirektor Mario Theissen nicht unbegründet.

"Die Situation ist weiterhin sehr kritisch", sagte Theissen: "Nach den letzten Treffen in Monaco war ich der Vorsichtigste. Es gab fast nur sehr positive Äußerungen. Meine Sicht war das nicht, und auf diesem Standpunkt stehe ich weiter."

Machtkampf tobt

Dass es nicht mehr allein um die Sache geht, sondern inzwischen auch um den bloßen Machtkampf, wollte Theissen nicht verneinen (So steht's in der WM).

"Das spielt sicher eine Rolle. So ganz kann man sich davon nicht lösen", sagte er: "Aber wir sollten es schaffen, eine Lösung zu finden, bei der niemand sein Gesicht verliert."

Heidfeld nicht alleine

Heidfeld erklärte, er wolle "eigentlich hier bleiben". Doch mit seinen Gedanken an Alternativen sei er nicht der einzige.

"Wir sind alle hier, weil die Formel 1 die beste Serie der Welt ist, und nicht nur, weil sie Formel 1 heißt", sagt er: "Wenn die Formel 1 nicht mehr das darstellen würde, was sie jetzt darstellt - also, wenn es nicht mehr die Serie der besten Teams und der besten Fahrer der Welt und damit die Spitze des Motorsports wäre - würde sich der eine oder andere sicher überlegen, ob er nicht woanders hingeht."

Etablierte vor dem Aus?

Die Teamvereinigung FOTA will sich jedenfalls nicht auf den 12. Juni festlegen lassen, an dem der Weltverband FIA die 13 Teams für die WM 2010 benennen will.

"Dieser Termin kam nicht von uns", sagte Theissen.

Dass bei inzwischen angeblich 22 Teams auch Neulinge den Zuschlag bekommen und dafür einige FOTA-Teams rausfallen, hält der BMW-Motorsportchef für "durchaus möglich".

FIA am Zug?

Es sei der Vorschlag von FIA-Chef Max Mosley gewesen, dass sich die Teams unter Bedingungen innerhalb der Frist einschreiben: "Der Begriff conditional entry kam von Mosley."

Die genauen Bedingungen mit den Forderungen der Anwendung des Reglements von 2009 und der Einführung der Budgetobergrenze im Rahmen eines Stufenplans lägen auf dem Tisch.

Nun sei es an der FIA, sich zu bewegen (Mosley: "Werden sehen, wer sich durchsetzt").

Konkurrenzserie "schwierig"

Den Aufbau einer alternativen Serie hält Heidfeld momentan für nicht wahrscheinlich.

"Im Moment wäre es sicher schwierig, so etwas aufzubauen. Aber auf lange Sicht könnte sich etwas entwickeln und etablieren", sagte er: "Ich habe mich aber noch nicht konkret damit beschäftigt, weil ich weiterhin auf eine gute und für alle sinnvolle Lösung hoffe."

Wie groß die Chancen auf eine Einigung sind, vermag der 32-Jährige nicht einschätzen. "Man verfolgt die Neuigkeiten natürlich noch aufmerksamer als sonst", sagte er: "Aber es ist auch klar, dass nicht alles nach außen dringt, was hinter verschlossenen Türen besprochen wird."

Ferrari und Toyota nur Sprachrohr

Derweil bestritt auch, dass Ferrari und Toyota stets die radikalsten Vertreter der Opposition gewesen seien.

"Ich kann nicht sagen, dass dies durchgängig die Teams mit den extremsten Positionen waren", sagte er. Dass sich in der Öffentlichkeit aber stets die Scuderia oder Toyota-Teampräsident John Howett geäußert hätten, liege eben daran, "dass wir im vergangenen Jahr einen Präsident und einen Vize gewählt haben".

Ferrari-Präsident Luca di Montezemolo steht der FOTA vor, Howett ist sein Co.

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