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Gesprächsbedarf: Sebastian Vettel und Teamchef Christian Horner (l.) © getty

Sebastian Vettel kritisiert die Red-Bull-Strategie und will deren Urheber zur Rede stellen. Nun soll er sich erklären.

Von Marc Ellerich

München/Istanbul - Vielleicht waren es nur hitzige Worte im Eifer des verlorenen Grand Prix in der Türkei 115382(DIASHOW: Bilder des Rennens). Vielleicht sind es aber auch erste Anzeichen für einen drohenden Zwist im Red-Bull-Rennstall.

Sebastian Vettel jedenfalls war sauer, nachdem er das siebte Rennen des Jahres auf dem ersten Platz begonnen und auf dem dritten beendet hatte (DATENCENTER: Das Rennergebnis).

Er habe die Taktik seines Teams nicht verstanden, moserte der deutsche Shootingstar nach Beendigung des Rennens (Kein Platz mehr frei auf Planet Button).

Ärger über Strategiewechsel

"Man legt vor dem Rennen die Strategie für verschiedene Szenerien fest", führte Vettel nach dem aus Red-Bull-Sicht nicht einmal verkorksten Rennen aus: "Es war klar, dass wir auf drei Stopp gehen, wenn wir führen und Vorsprung haben. Als ich Platz eins verloren habe, war ich sicher, dass wir bei zwei Stopps bleiben, um Platz zwei zu sichern. Ich verstehe nicht, wieso wir das nicht gemacht haben. Das macht meiner Meinung nach nicht so viel Sinn."

Was den Deutschen wirklich nervte, wurde am Sonntag nicht völlig deutlich.

WM-Chance wird theoretisch

Dass er Buttons Siegfahrt nur wenig entgegen zu setzen hatte, wusste der Red-Bull-Pilot: "Er war zu schnell." (BERICHT: Button fährt Vettel auf und davon)

Vielleicht war Vettel bewusst geworden, dass er als Dritter mittlerweile 32 Punkte Rückstand auf den WM-Führende Jenson Button (61 Zähler) und mithin nur noch theoretische Chancen auf den Titel hat.

Vielleicht ärgerte er sich über seinen Fehler in Kurve zehn auf der ersten Runde, der ihn früh die Führung kostete.

Oder regte Vettel sich auf, weil er auch im internen Duell gegen den Kollegen Mark Webber eine Niederlage kassiert hatte? Der Australier; Zweiter in der Türkei, ist mittlerweile bis auf 1,5 Punkte an den Deutschen herangerückt. Was passiert, wenn er im nächsten Rennen an Vettel vorbeizieht?

"Kriegt einen auf den Deckel"

Über all das verlor der nach dem Rennen kein Wort.

Stattdessen hackte Vettel weiter auf dem Richtungswechsel der Red-Bull-Crew herum.

"Dem Team ist es wurscht, wer Zweiter oder Dritter wird", soll er laut "Bild" gesagt haben: "Aber ich ärgere mich. Ich muss mal checken, wer diese Entscheidung getroffen hat. Vielleicht kriegt derjenige von mir einen auf den Deckel."

Seine deutlichen Worte werden offenbar nicht folgenlos bleiben: Sein Teamchef Christian Horner soll laut "Bild" eine Erklärung von Vettel gefordert haben.

Teamanweisung ignoriert

Unmittelbar nach Rennende hatte der 21-Jährige behauptet, er sei vom Team über die Planänderung nicht informiert worden und habe erst auf der Piste bemerkt, dass sein Bolide ziemlich leicht war.

Dass er selbst die Ansage aus dem Kommandostand, seinen Boliden gegen Ende des Rennen zu schonen und die Verfolgung des Kollegen Webber zu beenden, ignoriert hatte und den Australier bis zur letzten Runde jagte, tat Vettel hingegen später ab.

"Sie haben nicht gesagt, ich soll ihn nicht angreifen", behauptete er: "Sie haben gesagt, ich soll nichts riskieren, weil er schneller ist. Langsamer bin ich nicht gefahren, dafür habe ich zu viel Spaß am Rennfahren."

Vorsichtige Kritik

Es ist eine gefährliche Situation für den Deutschen. Nutzt er die Nackenschläge, kann er gereift aus der kleinen Krise hervorgehen.

Reibt er sich daran auf, schadet er sich womöglich selbst. Vettel braucht die Unterstützung seines Rennstalls, um seine winzige Chance gegen Button möglicherweise doch noch zu nutzen.

Bisher muss er sich nur vorsichtige Kritik seines Teamchefs Christian Horner gefallen lassen.

"Leider hat Sebastian in der ersten Runde einen kleinen Fehler gemacht", analysierte der Brite: "Er hat zu viel gewollt, und das war heute rennentscheidend."

Hamilton hat Verständnis

Deutlicher wurde TV-Experte Marc Surer, als er während des Rennens in der Türkei nach einer Stallorder zugunsten Vettels gefragt wurde: "Warum sollte das Team auf einen Fahrer setzen, der in sieben Rennen drei Fehler gemacht hat?"

Weltmeister Lewis Hamilton hingegen zeigte Verständnis für den Deutschen. Der "Bild" sagte er: "Die Last muss riesig sein. Er spürt den Druck, dass die Deutschen auf einen neuen Michael Schumacher warten."

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