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Ein Mann und sein Schatten: Jenson Button (v.) fürchtet Sebastian Vettel © imago

WM-Leader Jenson Button eröffnet vor dem Ungarn-Grand-Prix das Psycho-Duell mit WM-Konkurrent Sebastian Vettel. Der schweigt.

Von Marc Ellerich

München - Wen Jenson Button im spannenden Rennen um die Formel-1-WM-Krone am meisten fürchtet, darüber lässt der Brite keine zwei Meinungen gelten: Erstens: Sebastian Vettel, zweitens: Vettel, drittens: Vettel.

So erkannte der WM-Leader selbst im tiefschwarzen Rennergebnis vom Nürburgring 128245(Deutschland-GP: Bilder des Rennens), wo er nur Sechster wurde, einen Lichtblick: Hauptsache der Deutsche hatte sein Heimrennen nicht auf dem Spitzenplatz beendet.

"Es wäre ein Desaster gewesen, wenn Vettel gewonnen hätte", gab Button nach dem neunten Grand Prix des Jahres offen zu.

Vettel rückt auf Platz zwei

Seine komfortable WM-Führung sei durch den ersten Formel-1-Sieg von Vettels australischem Red-Bull-Kollegen Mark Webber mehr oder weniger unberührt geblieben. "Jetzt ist halt ein anderer (als Teamkollege Rubens Barrichello, d. Red.) hinter mir." (NACHBERICHT: Deutschland-Grand-Prix)

Allerdings ist eben genau der von ihm als bedrohlich eingeschätzte Vettel. 21 Zähler beträgt der Rückstand des deutschen Shootingstars (DATENCENTER: Ergebnisse und WM-Stand).

Die Spannung steigt vor dem zehnten Rennen des Jahres auf dem für gewöhnlich glühend heißen Hungaroring- auch bei Button (Powerranking: Red Bull sollte sich auf Vettel festlegen).

Psychogramm des Widersachers

Wie sonst ist es zu interpretieren, dass sich der Engländer in einem Interview mit "Motorsport aktuell" ausführlich mit der Psyche seines deutschen Widersachers auseinandergesetzt hat.

Ungewöhnlich ist es allemal, öffentlich ein Psychogramm des ärgsten Gegenübers anzufertigen. Normalerweise wird bei den Protagonisten des Vollgas-Zirkus meist eisern geschwiegen, wenn die Sprache auf einen Widersacher kommt, ein paar Allgemeinplätze sind fast das höchste der Gefühle.

Für Button liegt der Grund, vom Schema F abzuweichen, allerdings auf der Hand.

"Ein guter Herausforder"

"Es ist wichtig, genau zu wissen, gegen wen man fährt", erklärt er: "Und da habe ich Vettel ziemlich genau durchschaut."

Er wisse längst nicht alles über Vettel, antwortete der Vorzeigefahrer des ersten Saisondrittels auf die Frage, ob er den Deutschen "gezielt ausspioniert" habe, "aber ich kenne ihn schon recht gut".

So kenne er Vettels Verhaltensmuster in unterschiedlichen Rennsituationen. "Ich kann einschätzen, wann er sich in einer Lage befindet, in der er sich wohl fühlt - und wann es für ihn schwierig wird."

Kurz und gut: "Er ist ein Fahrer, den ich gut verstehe" - und "ein guter Herausforderer".

Brawns Sorgen

Aus diesem Grund dürfen die Ausführung des Briten wohl als Eröffnung des Psycho-Geplänkels aufgefasst werden, das mit dem weiteren Saisonverlauf an Intensität zunehmen dürfte.

Zumal das giftgrüne Lager längst nicht mehr versucht, die Lage im WM-Duell schönzureden.

Buttons Teamchef Ross Brawn verpasste Vettel via "Auto Bild" den vorzeitigen Ritterschlag: "Er ist ein sehr starker, sehr talentierter Fahrer und bereitet mir deshalb einige Sorgen", teilte das Formel-1-"Superhirn" mit.

Appell ans Team

Die Nummer eins des Brawn-Teams weiß ebenfalls, was das Stündchen geschlagen hat.

"Wir können uns nicht mehr darauf verlassen und einfach nur hinter denen einzureihen, denn dann rammen sie uns ungespitzt in den Boden", sagte Button: "Wir müssen selbst wieder Rennen gewinnen, sonst haben wir keine Chance auf den Titel - egal, wie groß der Vorsprung mal war."

Mateschitz: Vettel wird Weltmeister

Vettel schweigt zum Thema, dafür spricht sein Chef, Brause-Milliardär Dietrich Mateschitz.

Er hält naturgemäß ganz große Stücke von Vettel, dem teamintern bisher allerdings kein Sonderstatus eingeräumt wird.

"Nächstes oder übernächstes Jahr", werde der junge Deutsche Weltmeister werden, "ganz bestimmt", sagte Mateschitz in der "Sport Bild".

Und, wer weiß - Träumen ist erlaubt - klettere Vettel "vielleicht heuer" schon auf den Thron der Königsklasse.

Button befürchtet womöglich Ahnliches.

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