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Massa überstand den Einschlag in die Reifenstapel vergleichsweise glimpflich © getty

Felipe Massas furchtbarer Unfall ließ das Schlimmste befürchten. Nach erster Entwarnung wurde er nun wieder ins Koma versetzt.

Budapest - Als Felipe Massa am Sonntagmorgen die Augen aufschlug, atmete die gesamte Formel 1 erleichtert auf.

Später wurde er jedoch zur besseren Genesung wieder ins künstliche Koma versetzt.

Sein unglaublicher Unfall am Samstag hatte die Königsklasse in einen Schockzustand versetzt und 15 Jahre nach der Todesfahrt von Ayrton Senna sogar das Schlimmste befürchten lassen.

Mit einer Gehirnerschütterung, einer Schnittwunde und einer Knochenabsplitterung an der linken Augenhöhle war der Vize-Weltmeister allerdings noch vergleichsweise glimpflich davongekommen.

"Das war Glück im Unglück", meinte Red-Bull-Sebastian Vettel und hatte wohl den gleichen Gedanken wie viele andere auch 132835(DIASHOW: Die Bilder des Qualifyings).

Wäre die rund 800 Gramm schwere Stahlfeder aus einem Dämpfungselement an Rubens Barrichellos Auto bei Tempo 240 nur ein paar Zentimeter weiter innen direkt auf Massas Helmvisier getroffen, hätte der 28-Jährige vermutlich keine Chance gehabt.

Vatanen: "Wir hatten viel Glück"

"Das hat wieder einmal bewiesen, dass auch eigentlich undenkbare Dinge passieren. Wir sind alle immer vewundbar und dürfen uns niemals zu sicher fühlen", sagte Ari Vatanen, der im Oktober neuer Präsident des Automobil-Weltverbandes FIA werden will.

"Wir hatten viel Glück, dass im Verhältnis so wenig passiert ist. Die Frage ist jetzt, was können wir verbessern, dass so etwas nicht noch einmal passiert", so Vatanen.

Erinnerungen an Surtees

Erst am vorigen Sonntag war der erst 18 Jahre alte Henry Surtees, Sohn des früheren Motorrad- und Formel-1-Weltmeisters John Surtees, bei einem Formel-2-Rennen von einem umherfliegenden Rad tödlich am Kopf getroffen worden.

Die Unfälle von Senna am 1. Mai 1994 und des Österreichers Roland Ratzenberger einen Tag zuvor in Imola waren die bislang letzten Todesfahrten von Formel-1-Piloten.

Dass Massa überlebt hat, verdankt er auch einem 12.000 Euro teuren High-Tech-Helm der Magdeburger Firma Schuberth, der aus hochfester Kohlefaser besteht und von Rekordweltmeister Michael Schumacher mitentwickelt wurde.

Genesungswünsche von Schumi

Der Kerpener schickte über seine Homepage umgehend Genesungswünsche an seinen Freund und früheren Teamkollegen.

Nach ersten Untersuchung im Medical Center der Strecke war Massa am Samstag per Hubschrauber in ein Budapester Krankenhaus geflogen worden, wo man in einer Operation den Knochenspiltter entfernte und ihn danach auf der Intensivstation in ein künstliches Koma versetzte (HINTERGRUND: Schwebt Massa in Lebensgefahr?).

CT ohne Befunde

Nach einer Nacht ohne Komplikationen war der 28-Jährige am Morgen erstmals kurz aufgewacht und hatte auch schon mit seiner schwangeren Frau Raffaela gesprochen, die über Nacht zusammen mit Massas Eltern und dessen persönlichen Arzt Dino Altmann von Sao Paulo nach Budapest geflogen war.

Nach einer weiteren Computer-Tomographie ohne Befunde wurde Massa dann zur besseren Genesung wieder ins künstliche Koma versetzt, wie ein Vertreter des Krankenhauses erklärte.

"Alle Anzeichen sind positiv", hatte zuvor Altmann gesagt, der schon vor dem Abflug aus Brasilien Kontakt zu seinen Kollegen in Budapest hatte (Massas Arzt optimistisch).

Gene oder Badoer?

Das nächste Rennen findet am 23. August in Valencia statt, eine Woche später wird in Spa gefahren. Als mögliche Ersatzpiloten stünden die Ferrari-Testfahrer Marc Gene (Spanien) und Luca Badoer (Italien) zur Verfügung.

Ein Comeback Schumachers schloss dessen Manager Willi Weber dagegen aus. Im Rennen in Budapest am Sonntag blieb Massas Platz leer.

Visite von Ecclestone

Am Samstag war neben Formel-1-Boss Bernie Ecclestone auch Barrichello bei Massa im Krankenhaus.

Der 37-Jährige, der als einziger aktueller Fahrer das tragische Imola-Wochenende miterlebt und dabei selbst sogar einen schweren Unfall unverletzt überstanden hatte, mahnte wieder mehr Sensibilität für die Sicherheit an.

Barrichello: "Die zweite Warnung"

"Ganz ehrlich, ich glaube nicht an Zufälle im Leben. Solche Dinge passieren aus einem bestimmten Grund, und ich denke, dies ist die zweite Warnung", sagte der Brasilianer: "Imola war eine Warnung, danach wurden die Autos verbessert."

Leider habe man zuletzt einen jungen Fahrer verloren, was sehr traurig sei, meinte Rubinho: "Es ist kein Zufall, dass solche Dinge gerade jetzt passieren."

Die Umstände des Unfalls waren dennoch höchst ungewöhnlich. "Wenn man dieses Szenario nachstellen wollte, würde man es wahrscheinlich in fünf Millionen Versuchen nicht schaffen, so etwas hinzukriegen", sagte FIA-Rennleiter Charlie Whiting.

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