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Michael Schumacher gewann mit Ferrari von 2000 bis 2004 fünf WM-Titel © getty

Neue Sorgen um Felipe Massa nach seinem Unfall in Ungarn. Ferrari-Teamchef Domenicali schließt ein Schumi-Comeback nicht aus.

Von Julian Meißner

München - Felipe Massa befindet sich auf dem Weg der Besserung, Entwarnung gibt es aber noch nicht.

Wie der behandelnde ungarische Militärarzt Dr. Lajos Zsiros am Montagabend während einer Pressekonferenz mitteilte, ist der 28-Jährige aus dem künstlichen Koma erwacht. Er wird nicht mehr künstlich beatmet und ist ansprechbar.

In den letzten 24 Stunden habe sich der Zustand Massas deutlich verbessert, erklärte Zsiros. Der Patient sei ansprechbar und eine weitere Verbesserung des Zustandes sei zu erwarten.

Doch aller erfreulichen Nachrichten zum Trotz, scheinen bleibende Schäden nicht ausgeschlossen. Am Nachmittag hatte noch Dr. Robert Veres, der Massa am Samstag operiert hatte, vermutet, dass das linke Auge des Brasilianers Schaden genommen habe.

Laut "Autosport" sagte er: "Wir wissen nicht, ob er wieder fähig sein wird, Rennen zu fahren."

Das Ausmaß der Verletzung und eine eventuelle Beeinträchtigung der Sehkraft konnte Veres noch nicht abschätzen. Die Saison sei für Massa aber wohl beendet.

Dr. Zsiros gab sich am Montagabend ebenfalls vorsichtig, was mögliche bleibende Schäden bei Massa angehe und nannte einen Zeitraum "von einer Woche bis zu zehn Tagen", um eine genauere Diagnose stellen zu können.

Weitere Untersuchungen nötig

Insbesondere das verletzte Auge könne noch nicht abschließend untersucht werden, da Massa nicht in der Lage sei, es zu öffnen. "Ich kann keine positive oder negative Bewertung abgeben, da wir die Sehkraft im Moment nicht untersuchen können", erklärte der Mediziner.

Der Brasilianer, der im Qualifying zum Großen Preis von Ungarn am Samstag einen schweren Unfall hatte 132835(Bilder), wird sich also weiteren Untersuchungen unterziehen müssen, bevor die abschließende Diagnose gestellt werden kann.

Massa erhält in diesen schweren Tagen viel Unterstützung. Neben den zahlreichen Genesungswünschen seiner Fahrerkollegen ist dem Vize-Weltmeister aus Sao Paolo auch privater Rückhalt gewiss. Seine schwangere Ehefrau Raffaela und seine Eltern sind in Budapest angekommen.

Am Montag erhielt Massa zudem Besuch von Ferrari-Präsident Luca di Montezemolo.

"Wochen oder sogar Monate"

Es scheint sehr unwahrscheinlich, dass Massa bald wieder an den Start gehen kann. Am 23. August steht der Europa-Grand-Prix in Valencia im Rennkalender (SERVICE: Rennkalender und Kurse).

Formel-1-Arzt Gary Hartstein sagte der italienischen "Gazzetta dello Sport": "Es wird Wochen oder sogar Monate dauern, bis man wirklich einschätzen kann, inwieweit er sich davon erholen wird".

Badoer und Gene bereit

Die Spekulationen über einen möglichen Ersatzfahrer bei der Scuderia Ferrari schießen nun ins Kraut. Als etatmäßige Ersatzpiloten stehen die Ferrari-Testpiloten Marc Gene und Luca Badoer bereit.

Der Spanier Gene (35) bestritt zwischen 1999 und 2004 für Minardi und BMW-Williams 36 Formel-1-Rennen. Der 38-jährige Italiener Badoer (38) fuhr zwischen 1993 und 1999 für Lola, Minardi und Forti 49 Grands Prix.

Gerüchte um Schumi-Comeback

Doch es kursieren auch Gerüchte über ein Comeback von Rekordweltmeister und Ferrari-Berater Michael Schumacher.

"Mich würde es freuen", sagte Ex-Rennfahrer und TV-Experte Marc Surer am Sonntag bei "Sky". Und der ehemalige Weltmeister Niki Lauda meinte am Rande des Rennens am Hungaroring: "Es gibt niemanden, der Michaels Leistung nahe kommen kann. Ich habe darüber nachgedacht, und es gibt niemanden."

Die Testfahrer der Scuderia seien "nutzlos". Laudas Fazit: "Wenn ich Di Montezemolo wäre, dann würde ich ihn anrufen."

Statement bleibt aus

Zum letzten Mal saß Schumacher im April 2008 bei Tests für Ferrari im Auto. Die nötige Superlizenz besitzt er zwar nicht mehr, doch daran sollte sollte ein Comeback wohl nicht scheitern (PRESSESTIMMEN: Ferrari braucht Schumi) .

Eher am mangelnden Willen des 40-Jährigen. Sein Manager Willi Weber wiegelte bereits am Samstag ab: "Das sind nur Spekulationen. Ich sehe das nicht so."

Schumachers Sprecherin Sabine Kehm sagte am Montag der "dpa": "Dazu wird es von Michael in den nächsten Tagen kein Statement geben."

Kein Dementi von Domenicali

Doch Ferrari-Teamchef Stefano Domenicali vermied ein klares Dementi: "Es wäre falsch, jetzt schon ja oder nein zu sagen", sagte er dem "Tagesspiegel".

Stattdessen kündigte der Italiener an: "Wir werden in dieser Woche darüber nachdenken."

Alonso oder gar Bourdais?

Die wohl verwegenste Variante: Fernando Alonso, dessen Renault-Team wegen grober Fahrlässigkeit gerade für den Europa-GP gesperrt wurde, wechselt vorzeitig ins Ferrari-Cockpit. Der Transfer des spanischen Doppelweltmeisters zur Scuderia 2010 gilt allgemein als fix.

Ein Ferrari-Sprecher bezeichnete dieses Gedankenspiel laut "Süddeutscher Zeitung" jedoch als "absoluten Quatsch".

Ebenso mutig ist ein Bericht des "Kicker", der dem soeben bei Toro Rosso geschassten Franzosen Sebastien Bourdais "Außenseiterchancen" auf Massas Cockpit einräumt. Bourdais, der mit Jaime Alguersuari durch den jüngsten Fahrer der Geschichte ersetzt wurde, wird von Jean Todts Sohn Nicolas gemanagt.

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