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Michael Schumacher fuhr letztmals am 22.Oktober 2006 ein WM-Rennen im Ferrari © getty

Sieben Teams stimmen der Sondererlaubnis für Michael Schumacher zu. Aber Williams verweigert dem Vorschlag die Zustimmung.

Von Andreas Kloo

München - Nach drei Jahren Rennpause von null auf Hundert - Michael Schumachers Formel-1-Comeback ist schon jetzt eine unglaubliche sportliche Herausforderung. Aber das erste Rennen in einem Auto bestreiten zu müssen, in dem er vorher noch keine einzige Runde drehte, ist eine echte Herkulesaufgabe.

Deshalb hatte Ferrari in einem Brief die Teams und die FIA darum gebeten, das offizielle Testverbot zumindest für einen Tag außer Kraft zu setzen. (Sondererlaubnis für Schumacher?)

Sieben Teams haben bislang zugestimmt, Force India zögert noch, das Williams-Team stellt sich quer.

Fairness-Gedanke als Begründung

"Wir begrüßen das Comeback von Michael Schumacher in der Formel 1, aber Tatsache ist auch, dass Testfahrten während der Saison in jeglicher Form untersagt sind. Die Regel ist von der FIA eindeutig formuliert und muss von allen Teams genauestens eingehalten werden", teilte Williams in einem offiziellen Statement mit.

Im Sinne der Kontinuität und Fairness lehne man den Ferrari-Vorschlag für Testfahrten vor dem Grand Prix von Europa ab, sagte Williams.

Beispiel Alguersuari

Auch der neue Toro-Rosso-Pilot Jamie Alguersuari habe vor seinem Debüt in Ungarn, keinerlei Möglichkeit gehabt, sich an das Auto zu gewöhnen.

Williams: "Wir sehen keinen Unterschied zwischen Alguersuari und Schumacher. Wir wollten keinen Präzedenzfall schaffen, indem wir zwischenzeitlich von den Regeln abrücken."

Das heißt, der siebenmalige Formel-1-Champion dürfte sich nur im alten F2007 auf das Rennen in Valencia am 23. August vorbereiten. Nicht einmal ein Test im Simulator ist in den nächsten Wochen nach FIA-Reglement erlaubt.

Die Ferrari-Fans können nur hoffen, dass Frank Williams sich doch noch der Meinung der anderen Teamchefs anschließt.

Haug für Sondererlaubnis

Mercedes-Sportchef Norbert Haug beispielsweise will Schumacher keine Steine in den Weg legen: " Würde es nach mir gehen, könnte Michael zwei Wochen und nicht nur einen Tag testen."

Laut Haug profitiert die gesamte Formel 1 vom Comeback des 40-Jährigen. Deshalb dürfe es ein Test-Verbot für Schumacher nicht geben:

"Alle seine Rivalen haben mehr Erfahrung und Kilometer in den neuen Autos. Hätte er gesagt, ich fahre, aber nur unter der Bedingung, dass ich eine Woche Privattest im aktuellen Auto bekomme, hätten alle Teams begeistert zugestimmt."

Williams und Force India nicht mehr in der FOTA

Williams und Force India waren schon beim Streit mit der FIA ausgeschert und hatten sich für die neue Saison verfrüht eingeschrieben. Im Gegenzug schloss die FOTA die beiden aus der Teamvereinigung aus.

Auch in der Diskussion um eine Sondererlaubnis für Schumacher scheint die Linie von Williams und Force India nicht mit der der übrigen Teams übereinzustimmen.

F2007 mit völlig anderen Eigenschaften

Sollte Williams bei seinem Veto bleiben, muss sich Schumacher weiter im alten Boliden auf sein Comeback vorbereiten.

Am Freitag absolvierte der Kerpener im F2007 in Mugello die ersten Fahrten. (Schumi dreht erste Testrunden)

Aber der zwei Jahre alte Wagen ist noch auf die alten Regeln abgestimmt, mit teilweise völlig anderen aerodynamischen Eigenschaften und ohne KERS. So sind diese Tests für Schumacher allenfalls als sportliches Training zu sehen.

Die Gewöhnung an das Auto würde dem Rekordweltmeister völlig fehlen. So müsste er sich in Valencia allein auf sein fahrerisches Talent verlassen.

Massa zurück in Brasilien

Felipe Massa ist unterdessen neun Tage nach seinem schweren Unfall in Budapest aus dem Krankenhaus entlassen worden.

Der 28-Jährige bestieg am Montag einen Privatjet, der ihn in sein Heimatland Brasilien brachte.

Massa war auf dem Hungaroring bei Tempo 240 von einer 800 Gramm schweren Stahlfeder am Helm getroffen worden, hatte kurzzeitig das Bewusstsein verloren und war geradeaus in einen Reifenstapel gerast.

Nach Aussage von Massas Privatarzt Dino Altmann wird sich der Formel-1-Rennfahrer von dem Unfall vollständig erholen. Für seine Rückkehr ins Ferrari-Cockpit bestünde aber kein Zeitplan, sagte Altmann weiter.

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