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Im kommenden Jahr wieder ein Team? Michael Schumacher (l.) und Felipe Massa © getty

Der FIA-Boss rechnet mit Michael Schumachers Siegfähigkeit und schließt ein längerfristiges Comeback des Rekordchampions nicht aus.

Von Julian Meißner

München - Max Mosley war es vorbehalten, Bernie Ecclestone die Nachricht vom Comeback Michael Schumachers zu überbringen.

Zufällig telefonierten die beiden mächtigsten Männer im Formel-1-Zirkus gerade miteinander, als FIA-Präsident Mosley in Monte Carlo die sensationelle Botschaft über den Fernsehbildschirm flimmern sah.

Natürlich setzte er den Chefpromoter sofort in Kenntnis. "Wie bitte? No way. Niemals", antwortete Ecclestone damals perplex, wie Mosley nun im Interview mit der "Bild"-Zeitung schilderte.

"Bernie war platt", erinnerte sich der Brite, der zusammen mit seinem Landsmann Ecclestone nicht zum ersten Mal bewegte Zeiten durchlebt.

"Schumacher kann gar nicht langsam"

Wie eigentlich alle Funktionäre ist Mosley begeistert von der Sensations-Wiederkehr des siebenmaligen Weltmeisters - das gigantische Medieninteresse kann schließlich nur im Sinne der Macher sein.

Doch Mosley verspricht sich auch sportliche Erfolge von Schumacher. "Er wird großartige Leistungen zeigen, so wie wir es von ihm gewohnt sind. Ein Michael Schumacher kann gar nicht langsam fahren", meinte er.

Kein Sondertest für Schumi

In der Diskussion um eine Sonder-Testerlaubnis für "Oldie" Schumacher sieht Mosley keinen Ausweg. Es läuft wohl alles auf Freitag, den 21. August, als einzigen Trainingstag Schumachers im F60 hinaus. Jüngst bereitete sich Schumi im Kart auf die körperlichen Belastungen vor.

"Ich halte diese Testverbot-Regel für unsinnig, aber es gibt sie nun mal", sagte Mosley: "Und wenn ein 19-jähriger Fahrer wie Jaime Alguersuari von Toro Rosso vor seinem ersten Rennen nicht testen darf, dann kann man bei Michael Schumacher auch keine Ausnahme machen."

Ferrari auch 2010 mit Schumacher?

Leise Hoffnungen macht sich Mosley, dass Schumacher der Königsklasse sogar über die Saison 2009 hinaus erhalten bleibt.

"Ich würde bei Michael nichts ausschließen. Das hängt natürlich auch stark davon ab, ob sein Auto siegfähig ist. Aber wenn ein Schumacher wieder vom Rennvirus infiziert ist - wer weiß? Vielleicht will er es tatsächlich noch einmal wissen", so der 69-Jährige. Ex-Weltmeister Niki Lauda sagte zuletzt, er glaube, Schumacher habe seinen Rücktritt schnell bereut .

Ein weiterführendes Engagement Schumachers hängt jedoch zum einen von der Genesung Felipe Massas und zum anderen von der Vertragslage unter den Fahrern ab.

Renaults Doppelweltmeister Fernando Alonso wird immer wieder ein Vorvertrag für ein Cockpit bei der Scuderia Ferrari ab 2010 nachgesagt, Kimi Räikkönens Rallye-Ambitionen lassen ebenfalls Platz für Spekulationen.

"Nie an die Piratenserie geglaubt"

Fest steht immerhin, dass die Formel 1 auch im kommenden Jahr in ihrer gegenwärtigen Form existieren wird. Nach dem Streit über die Zukunft der Königssklasse zwischen der FIA und der Teamvereinigung FOTA hatte es danach lange nicht ausgesehen.

Mosley zufolge waren die Drohungen der Teams, eine eigene Serie schaffen zu wollen, jedoch nur ein Druckmittel.

"Ich habe nie an diese Piratenserie geglaubt", erklärte Mosley: "Das hätten diese Teams niemals von März bis nächstes Jahr geschafft. Das war alles nur ein Spiel."

Trotzreaktion von Mosley

Schließlich sorgte Mosleys Ankündigung, im Herbst nicht mehr für den FIA-Vorsitz zu kandidieren, für die Entspannung im Formel-1-Krieg.

Mosley: "Ich habe immer gesagt: Ich höre im Oktober 2009 auf. Ich werde nächstes Jahr 70! Ich kann es kaum glauben, aber da ist man ein alter Mann. Ich hätte also sowieso aufgehört. Mich hat nur geärgert, dass die Teams Druck ausgeübt haben. Das machte mich gereizt und trotzig. Weitermachen kam aber nie in Frage. Ich hab meiner Familie längst versprochen, dass ich aufhöre. 16 Jahre sind sehr lang."

Todt "der beste Mann" für FIA-Thron

Als Nachfolgekandidaten hat sich Mosley seit langem auf den Franzosen Jean Todt, ehemals Teamchef bei Ferrari, festgelegt.

Diese Haltung unterstrich er noch einmal: "Er hat die Erfahrung in der Formel 1 und große Erfolge im Motorsport. Er hat Führungsqualitäten. Er ist einfach der beste Mann für den Job."

Aussichtsreichster Gegenkandidat dürfte der ehemalige finnische Rallye-Weltmeister und Europaparlamentsabgeordnete Ari Vatanen sein.

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