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Michael Schumacher fuhr 1991 in Belgien seinen ersten Grand Prix © getty

Nicht nur Mercedes-Chef Haug bringt Verständnis für Schumis Entscheidung auf. Von Eddie Jordan kommt ein spannender Vorschlag.

München - Die Schumacher-Fahnen wehten auf halbmast, die Karts auf der Rennbahn des berühmtesten Sohnes der Stadt trugen Trauer.

Nach dem geplatzten Comeback von Formel-1-Rekordweltmeister Michael Schumacher kehrte in seiner Heimatstadt Kerpen schnell Ernüchterung ein.

Bei einem Public Viewing sollte die Rückkehr des 40-Jährigen beim Großen Preis von Europa im spanischen Valencia am 23. August gefeiert werden.

In der rund 1000 Fans fassenden Jahnhalle hätte Schumi wie in alten Zeiten über die Leinwand brettern sollen.

Auch für das Rahmenprogramm war bereits gesorgt. Daraus wird nun aber nichts.

Haug: "Eine große Enttäuschung"

"Der Anlass für das Public Viewing war das Comeback von Michael Schumacher. Wir wollten den Kerpenern etwas bieten", sagte Detlev Geratz, der Pressesprecher der Stadt.

"Die Kerpener sind traurig, zeigen aber Verständnis für die Entscheidung Schumachers", so Geratz weiter.

Mit großem Bedauern haben auch die Beteiligten der Formel 1 die Nachricht vom gescheiterten Formel-1-Comeback von Michael Schumacher aufgenommen.

"Das ist eine große Enttäuschung für alle, die sich auf Michaels Comeback gefreut haben", sagte Norbert Haug.

Der Mercedes-Sportchef hat allerdings Verständnis für die Absage:

"Die Gesundheit geht vor - das ist klar. Es war von Anfang an klar, dass die medizinische Untersuchung entscheidend sein wird."

Jordan versteht Schumis Entscheidung

Schumachers früherer Teamchef Eddie Jordan sagte gegenüber "Talk Sport": "Lance Armstrong würde nicht bei der Tour de France mitmachen, wenn er nicht zu einhundert Prozent fit wäre. Bei Schumacher verhält es sich genau gleich".

Der Ex-Weltmeister könne nach "seinem Unfall aber nicht zwei Rennstunden bewältigen".

Fernando Alonso: Kandidat für Ferrari?

Und Jordan plädiert nun dafür, dass Ferrari sich um Renault-Pilot Fernando Alonso bemühen solle.

"Es gibt eine ganze Reihe von Fahrern, die im kommenden Jahr kein Cockpit erhalten werden. Und wer sagt eigentlich, dass Ferrari keinen Deal mit Flavio Briatore schließt?"

Im nachhinein bedauert Jordan, dass Schumacher nach seiner Formel1-Karriere kurzzeitig aufs Motorrad umgestiegen ist: "Was hat er sich nur dabei gedacht?"

Bekanntlich zog sich Schumacher die Verletzung, die ihn jetzt am Formel1-Fahren hindert, bei einem Motorrad-Unfall zu.

Ralf Schumacher: "Entscheidung ist zu akzeptieren"

Ralf Schumacher sagte zur Entscheidung seines Bruders: "Es ist absolut klar, dass ein belastender Formel-1-Einsatz nicht möglich ist, wenn der gesundheitliche Zustand dies nicht zulässt. Sehr schade für alle, die sich auf Michaels Comeback gefreut hatten, aber die Entscheidung ist rundrum zu akzeptieren."

Auch Formel1-Pilot Adrian Sutil drückte sein Bedauern aus: "Das ist sehr schade für alle Fans und auch für die Formel 1. Die Euphorie und Vorfreude war groß und wir alle haben uns auf Michael gefreut. Wenn er nicht hundert Prozent fit ist, lässt er es lieber."

Von den anderen Formel-1-Kollegen kam ebenfalls Zustimmung.

Sebastian Vettel meinte: "Michael wird wissen, was er macht."

Hamilton: "Die ganze Welt hätte seine Rückkehr verfolgt"

Und Weltmeister Lewis Hamilton ärgerte sich über das entgangene Duell:

"ich war erfreut über die Möglichkeit von Michaels Rückkehr in die Formel 1. Er ist einer der größten Wettkämpfer, eine Legende. Es wäre eine Ehre und ein Privileg gewesen, gegen ihn zu fahren. Die ganze Welt hätte seine Rückkehr ins Cockpit verfolgt."

Schumachers Manager Willy Weber sagte: "Es ist sehr schade. Ich habe mich sehr auf das Comeback gefreut. Aber die Gesundheit geht vor. Michael war total fit, das wäre kein Problem gewesen."

Weber: "Der schwerste Unfall seiner Karriere"

Allerdings habe es nach den ersten Testrunden "keine Verbesserung im Bereich der Nackenmuskulatur" gegeben.

"Er konnte allenfalls ein Drittel des normalen Trainingspensums in diesem Bereich absolvieren. Der Motorradunfall im Februar war schließlich der schwerste Unfall, den Michael in seiner Motorsportkarriere hatte."

Der dreimalige Formel-1-Weltmeiter Niki Lauda ging ebenfalls auf den Unfall ein und räumte ein, dass niemand gewusst habe, wie schwer sich Schumi dabei verletzt habe.

"Ich bin sicher, dass er alles versucht hat, um medizinisch fit an den Start zu gehen. Ich bin sicher, dass er sich jetzt nicht wohlfühlt, weil er alles machen wollte, um zu fahren."

Hoeneß: "Ich hätte mir große Sorgen gemacht"

Ex-Formel-1-Pilot Jochen Mass erkannte dagegen auch einen positiven Aspekt: "Ich bin nicht unglücklich darüber. Das Risiko, dass er als Verlierer aus dieser Geschichte hervorgeht, war relativ groß. Ich bin erleichtert, dass es nicht soweit gekommen ist."

Bayern-Manager Uli Hoeneß kommentierte die Entscheidung des Champions so: "Ich persönlich freue mich für ihn, dass er nicht fährt, weil ich jetzt ganz sicher bin, dass er gesund bleibt."

Und ergänzte: "Ich hätte mir große Sorgen gemacht, wenn er wieder gefahren wäre. Beim Motorradfahren hat sich schon gezeigt, dass er offensichtlich dabei ist, sich zu übernehmen. Deswegen freue ich mich für ihn und seine Familie, dass er eine kluge Entscheidung getroffen hat."

Angesichts des geplatzten Formel-1-Comebacks von Schumacher hat Bundeskanzlerin Angela Merkel für einen kurzen Augenblick die Politik vergessen und Mitgefühl mit dem Rennfahrer gezeigt.

"Das ist ihm ganz sicher nicht leichtgefallen, aber die Mediziner haben ihm sicher den richtigen Tipp gegeben", kommentierte die Kanzlerin in einem Live-Chat.

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