Luca Badoers Renndebüt hätte viel schrecklicher nicht verlaufen können. Ferrari muss reagieren, will man die Ziele nicht gefährden.

Es war zu befürchten, nun ist es traurige Gewissheit: Luca Badoer konnte bei seinem Engagement als Ferrari-Ersatzpilot nur verlieren.

Zehn Jahre ohne Rennen, ein unbekannter Stadtkurs mit wenig Grip und so gut wie keine Erfahrung mit dem aktuellen Auto sind mindestens eine Hypothek zu viel.

Auch wenn dem treuen Badoer ein Kindheitstraum erfüllt wurde, und ihm dies ohne Einschränkung zu gönnen ist - Experten wie Niki Lauda behielten Recht.

Sie hatten Badoer im Vorfeld des Großen Preises von Europa die Renntauglichkeit abgesprochen.

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Heraus kam für Felipe Massas Ersatzmann der vorletzte Platz vor Williams-Pilot Kazuki Nakajima, der nach einem Reifenschaden minutenlang auf der Felge durch Valencia eierte.

Weitere Details einer Mitleid erregenden Performance: Letzter Startplatz, überrundet, eine Durchfahrtsstrafe, diverse Dreher, viermal wegen Rasens in der Boxengasse bestraft. Letzteres ist Rekord.

Angesichts der Fakten muss man sich fragen, ob es nicht eine bessere Lösung als den Italiener im F60 gegeben hätte.

Michael Schumacher stand bekanntlich nicht zur Verfügung. Marc Gene, der zweite Testpilot der Scuderia, fand als Spanier trotz der Aussicht auf ein Heimspiel keine Beachtung. Und über Fahrer mit Erfahrung in den aktuellen Boliden wie Sebastien Bourdais wurde offenbar nicht nachgedacht - zumindest nicht laut.

Wenn Schumachers Manager Willi Weber nun Nico Hülkenberg, Testpilot bei Williams, installieren will, ist das vielleicht gar keine so schlechte Idee. Denn angesichts des Alters von Badoer (38) und Gene (35) täte ein wenig frisches Blut Ferrari ganz gut.

Badoer wird aber wohl in Spa eine zweite Chance bekommen. Dort kennt er immerhin die Strecke.

Doch bis Felipe Massa respektive Schumacher wieder einsatzbereit sind, dürfte es noch eine Weile dauern.

Einen Vorwurf müssen sich die Roten nun gefallen lassen: Sie haben es versäumt, einen jungen, talentierten Fahrer als Reserve unter Vertrag zu nehmen, wie es beim Gros der Teams der Fall ist.

Als Badoer am 14. März 1993 sein erstes Formel-1-Rennen bestritt, stand Jaime Alguersuari, der jüngste Fahrer im Feld, kurz vor seinem dritten Geburtstag. Auch deshalb täte man bei Ferrari gut daran, sich weiter nach Alternativen umzusehen.

Platz drei in der Team-WM wird sonst nicht mehr lange zu halten sein.

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