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Der Schein trügt: In der WM hat Jenson Button die Nase vorn © imago

Monza-Sieger Rubens Barrichello hat im WM-Kampf an Boden gegenüber Brawn-Kollege Button gutgemacht. Nun will er die WM-Krone.

München - Eigentlich könnte sich "Superhirn" Ross Brawn entspannt zurücklehnen.

Nach dem Doppelsieg in Italien durch Rubens Barrichello und Jenson Button ist das Titelrennen in der Formel 1 aller Voraussicht nach nur noch ein Fall für Zwei.

Button hat 80 Punkte auf dem Konto und damit 14 mehr als Barrichello.

Doch der alte Fuchs Ross Brawn, dessen Ein-Stopp-Strategie Gold wert war, warnt: "Wir sind trotzdem noch nicht über den Berg."

Noch seien 40 Punkte zu vergeben, sagt Brawn und rechnet vor: "Red Bull hat noch Chancen, aber sie sind ein ganzes Stück kleiner geworden."

Team-WM so gut wie sicher

Eine Vorentscheidung sei Monza noch nicht gewesen. Noch größer ist der Vorsprung in der Teamwertung, da liegt Brawn 40,5 Punkte vor dem Rest der Formel-1-Welt.

"Wenn wir diesen Titel in der Tasche haben, wird vieles leichter", sagt Geschäftsführer Nick Fry: "Dann können wir uns in Ruhe das Duell Rubens gegen Jenson anschauen."

Attacke gegen Schumi

Und da holt Urgestein Barrichello mächtig auf. Der Mann mit der Erfahrung von 281 Formel-1-Rennen erlebt derzeit seinen dritten oder vierten Frühling.

Zu Ferrari-Zeiten musste "Rubinho" stets den "Wasserträger" für Michael Schumacher spielen, was offenbar bis heute in ihm arbeitet.

Nach seinem Sieg in Monza schoss er - wie schon häufiger - gegen den früheren Kollegen: "Michael hat vielleicht mehr Talent als ich. Aber wenn man mich und Michael in einen Löwenkäfig gesperrt hätte, wäre ich bestimmt lebend rausgekommen. Bei Michael wäre ich mir da nicht so sicher."

"Keine Stallregie"

Was immer der Brasilianer damit genau gemeint haben mag - offensichtlich ist, dass sein Selbstbewusstsein deutlich gewachsen ist.

Und bei Brawn hat der 37-Jährige jetzt freie Fahrt.

"Es gibt keine Stallregie", sagt Brawn: "Solange die WM mathematisch offen ist, greifen wir nicht ein. Beide Fahrer dürfen Weltmeister werden."

Brawn: Barrichello im Vorteil

Barrichello blüht auf seine alten Tage richtig auf.

"Ich glaube an meine Chance. Ich kann Weltmeister werden. Jetzt kriege ich die Belohnung für 16 Jahre in der Formel 1", sagt der Brasilianer, den sein Teamchef trotz des Rückstandes im Vorteil sieht: "Rubens hat es von der Psychologie her leichter. Er hat nichts mehr zu verlieren."

Button lässt sich von derartigen Aussagen nicht nervös machen. "Ich muss eigentlich nur immer nah an Rubens dranbleiben", sagt der Brite.

Button will weitere Siege

Sechs Rennen hat Button in dieser Saison gewonnen, mehr als jeder andere Fahrer. Dennoch will er sich nicht auf seinem Polster ausruhen: "Es wäre falsch, immer nur mit Platz zwei zufrieden zu sein."

Auch wenn viel auf dem Spiel steht, schätzt Barrichello seinen Teamkollegen als Freund. Intrigen oder Psycho-Tricks werde es bei Brawn nicht geben.

Mit einem erfrischenden Lächeln sagt "Rubinho": "Wenn einer von uns beiden Weltmeister wird, dann gilt endlich der alte Spruch nicht mehr, dass nette Jungs in der Formel 1 nicht gewinnen können. Jenson und ich sind nette Jungs."

Hamilton sieht harten Kampf

Weltmeister Lewis Hamilton, der seinen Titel seit seinem Crash am Sonntag auch rechnerisch nicht mehr verteidigen kann, rechnet nicht damit, dass sich die beiden mit Samthandschuhen anfassen werden.

"Dass Teamkollegen um den Titel kämpfen können, haben wir 2007 gesehen", sagte der Brite, der sich damals beinhart mit Fernando Alonso duellierte: "Ich sage Euch: Das wird ein harter Kampf."

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