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Nelson Piquet jr. (mit Flavio Briatore) belegte 2008 beim Deutschland-GP Platz zwei © imago

Nach dem FIA-Urteil in der Crashaffäre legt Nelson Piquet gegen seinen Ex-Teamchef Briatore nach. Er hofft auf ein Comeback.

Von Marc Ellerich

München - Auf dem Papier endete Crashgate für Nelson Piquet jr. glimpflich.

In seinem Urteil zur Renault -Affäre um den fingierten Unfall vor einem Jahr in Singapur ließ der Automobil-Weltrat den Brasilianer ungeschoren davonkommen - wie im Übrigen auch Piquets früheren Arbeitgeber.

"Von Briatore abhängig"

Dennoch hat die ganze Angelegenheit offenbar tiefe Spuren beim Sohn des dreimaligen Formel-1-Weltmeisters Nelson Piquet sr. hinterlassen.

Piquet rechnete in einer Stellungnahme hart mit dem Italiener ab.

"Ich habe immer davon geträumt, ein Formel-1-Fahrer zu werden und habe hart dafür gearbeitet, um dort hinzukommen", stellte Piquet jr. in seiner Erklärung zum Urteil des World Council fest: "Dann fand ich mich in einer Lage, in der ich von Herrn Briatore abhängig war. Sein wahrer Charakter, der zuvor nur denjenigen bekannt war, die er genauso behandelte, ist nun allseits bekannt."

Piquets Reue

Der frühere Teamgefährte des spanischen Doppel-Weltmeisters Fernando Alonso hatte beim ersten Nachtrennen der Königsklasse seinen Boliden auf Anweisung des mittlerweile entlassenen und von der FIA lebenslang gesperrten Teamchefs 152665Flavio Briatore an die Wand gesetzt.

Profiteur des fingierten Unfalls war der spätere Sieger Alonso, der von der Absprache nichts gewusst haben will.

"Ich wünsche mir jeden Tag, es nicht getan zu haben", teilte Piquet mit und schilderte, in welcher Drucksituation er sich zum illegalen Handeln gezwungen sah.

Entlassung wegen Unfähigkeit

"Herr Briatore war mein Manager und Teamchef. Er hatte meine Zukunft in seinen Händen, aber das hat ihn nicht interessiert", schrieb er: "Zum Zeitpunkt des Singapur-Grand-Prix hatte er mich isoliert und mich auf den Tiefpunkt meines Lebens geführt."

Er könne sein eigenes Handeln mittlerweile nicht mehr nachvollziehen. Aber seinerzeit habe er sich nicht in einer Situation befunden, "in der ich nein sagen konnte".

Piquet war von Briatore 152665(DIASHOW: Briatores Karriere) während der laufenden Saison "wegen erwiesener Unfähigkeit" entlassen und durch den Franzosen Romain Grosjean ersetzt worden. Danach hatte er die Affäre durch eine Anzeige beim Automobil-Weltverband ins Rollen gebracht.

Hoffnung auf ein Comeback

"Wenn ich mir nun Herrn Briatores Reaktion auf meinen Crash und seine Kommentare betrachte, dann ist mir klar, dass ich von ihm einfach missbraucht, ausrangiert und danach der Lächerlichkeit ausgesetzt wurde."

Trotz seiner Beteiligung an einem der größten Skandale der Formel-1-Geschichte hofft der Brasilianer offenbar auf eine Rückkehr in die oberste Rennserie.

Ihm sei bewusst, dass er nach Crashgate wieder bei Null beginne. Dennoch: "Ich kann nur hoffen, dass ein Team erkennen wird, wie schlecht ich bei Renault behandelt wurde und dass mir die Chance gegeben wird, das zu zeigen, was ich in der Formel 3 und GP 2 versprochen habe."

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