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Timo Glock belegte 2009 mit 24 Punkten Platz zehn in der Fahrer-WM © imago

Sensationelle Kehrtwende: Der Deutsche, der bereits bei Renault gehandelt wurde, unterschreibt beim britischen Newcomer-Team.

München - Timo Glock bleibt nach dem Toyota-Ausstieg in der Formel-1 und wird 2010 für Neueinsteiger Manor fahren.

Das gaben das Team und der 27-Jährige aus Wersau bekannt. "Der Schritt wirkt vielleicht mutig", sagte Glock: "Es sprechen aber sehr viele Argumente für das Team. Für mich als Fahrer war es zum Beispiel wichtig, dass man mir zugesichert hat, dass ich die Entwicklungsrichtung klar mitbestimmen kann. Das ist eine großartige Herausforderung."

Kompetenter Neuling

Zuletzt wurde der "Kampfdackel", so Glocks Spitzname, als künftiger Renault-Pilot neben dem Polen Robert Kubica gehandelt 149801(DIASHOW: Das Fahrerkarussell).

Bei den Franzosen ist der Verbleib in der Königsklasse allerdings mit großen Zweifeln behaftet. Glock und sein Manager Hans-Bernd Kamps entschieden sich daher lieber für den Manor-Rennstall, der als kompetentester der vier Neulinge gilt.

Neben Manor kommen noch das spanische Campos-Team mit dem Brasilianer Bruno Senna, Neffe des 1994 tödlich verunglückten dreimaligen Weltmeisters Ayrton Senna, sowie das aus Malaysia finanzierte Lotus-Team und USF1 aus den USA neu in die Königsklasse.

Alle fahren mit Motoren von Formel-1-Rückkehrer Cosworth, der auch Williams beliefern wird.

Viel Erfahrung

Manor verfügt an seinem Sitz in Oxford über einen hochmodernen Simulator und entwickelt sein Auto nicht klassisch im Windkanal, sondern in einem dreidimensionalen Projektionsraum im Ingenieurbüro des britischen Technik-Direktors Nick Wirth, von dem Glock eine hohe Meinung hat.

"Nick Wirth hat viel Erfahrung und einen sehr guten Ruf in der Szene. Man sollte sich mal den Acura ARX-02a anschauen. Dieser Prototyp hat in der American Le Mans Serie auf Anhieb viele Erfolge eingefahren - ohne jemals eine Stunde im Windkanal gestanden zu haben", sagte Glock.

Wirth hatte in den 90er Jahren in der Formel 1 zunächst das Simtek-Team gegründet und danach auch für Benetton gearbeitet. Außerdem konstruierte er die Siegerautos der Indy Racing League der Jahre 2004 und 2005.

"Hatten anderen Plan"

Manor gilt zudem als gut finanziert. Voraussichtlich wird in Kürze auch der britische Milliardär Sir Richard Branson einsteigen und zumindest Anteile des Teams erwerben, vielleicht sogar die kompletten Namensrechte. Branson hatte in diesem Jahr noch das Weltmeister-Team Brawn unterstützt.

"Ursprünglich hatten wir einen anderen Plan. Wir hatten uns zum Ziel gesetzt, im dritten Jahr mit Toyota um die Weltmeisterschaft zu fahren. Aus bekannten Gründen findet das nun nicht statt", sagte Glock, der nach eigener Aussage "mehrere Optionen für 2010" hatte: "Einige davon bei etablierteren Teams. Aber der Weg, auf dem ich Erfolg haben will, ist der, Teil eines Aufbauprozesses zu sein und eine Schlüsselrolle bei der Entwicklung des Autos zu spielen."

Zwei Mal Zweiter

Zudem fühlt sich Glock bei Manor an das iSport-Team erinnert, mit dem er 2007 GP2-Champion wurde und damit den Sprung zurück in die Formel 1 schaffte. Seine ersten vier Grand Prix hatte er 2004 für Jordan absolviert und gleich in seinem ersten Rennen in Montreal zwei WM-Punkte geholt.

Nach dem Umweg über die US-Cart-Serie (2005) und die GP2 (2006 und 2007) bestritt Glock dann in den Jahren 2008 und 2009 insgesamt 32 Rennen für Toyota und holte dabei 49 Punkte.

Seine besten Platzierungen waren zweite Plätze 2008 in Budapest und 2009 in Singapur. Die letzten drei Rennen dieses Jahres hatte Glock wegen der Folgen seines Unfalls im Qualifying in Suzuka verpasst.

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