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Funktstille: Jenson Button (l.) und Ross Brawn trennten sich womöglich im Unfrieden © getty

Dem spektakulären Wechsel des Weltmeisters zu McLaren ging offenbar ein Streit voraus. Wird Kimi Räikkönen sein Nachfolger?

Von Sebastian Binder

München - Was ist wirklich passiert beim spektakulärsten Wechsel in der diesjährigen Formel-1-Saison?

Nach und nach drängt sich der Verdacht auf, dass der Wechsel von Jenson Button zu McLaren keineswegs so reibungslos verlief, wie zunächst angenommen.

"Ich bin sehr enttäuscht über die Art und Weise, wie die Dinge mit Jenson zu Ende gegangen sind", sagte sein bisheriger Teamchef Ross Brawn laut "Motorsport-total.com". Auch Geschäftsführer Nick Fry trat nach: "Ich verstehe die Logik nicht, die hinter dieser Entscheidung steht."

Fry drohte dem Champion mit Konsequenzen: "Jenson wird bis zum Ende dieses Kalenderjahres überhaupt nichts für McLaren machen. Wenn doch, dann sehen wir uns das mit finsterer Miene genau an", stellt er gegenüber "Autosport.com" klar.

"Ein gutes Verhältnis"

Der Weltmeister selbst will vom Ärger seines Arbeitgebers angeblich nichts mitbekommen zu haben, denn er meinte in einem Interview mit "BBC Radio 5 live": "Wir haben immer noch ein gutes Verhältnis, denn wir haben viel zusammen durchgemacht." Seinen Wechsel zu McLaren begründet der Brite damit, dass "er nach dem Gewinn des Titels eine neue Herausforderung" suche.

Zunächst war berichtet worden, dass Button hauptsächlich wegen der sehr viel höheren Entlohnung ins McLaren-Cockpit umsteigt. Das wies der 29-Jährige zurück: "Ich verdiene weniger, als ich bei Brawn bekommen hätte. Ich wechsle nicht wegen des Geldes und das weiß auch jeder."

Wahrscheinlich ist, dass es dennoch wegen der Gehaltsfrage zu Verstimmungen zwischen Brawn und seinem Schützling kam, denn Button soll laut "Daily Express" das Angebot ausgeschlagen haben, für umgerechnet neun Millionen Euro im neuen Mercedes-Team zufahren.

Unfreundliches Telefonat

Erste Spannungen gab es offenbar bereits, als öffentlich wurde, dass Button die McLaren-Fabrik in Woking besichtigt hatte.

Daraufhin soll es zu einem Telefonat zwischen dem nun ehemaligen Brawn-Piloten und seinem Chef gekommen sein, dessen Ton alles andere als freundlich war.

Man fühlte sich auf Brawn-Seite durch die Stippvisite wohl hintergegangen. "Wir haben Jenson ein Weltmeisterauto gegeben und er hätte auch für nächstes Jahr ein starkes Auto von uns bekommen", ärgerte sich Fry nach dem Bekanntwerden des Woking-Trips.

Der Geschäftsführer betonte, dass etwas mehr Loyalität seitens Button "nett" gewesen wäre und schickt leicht sarkastisch hinterher: "Ich freue mich für jeden Mitarbeiter, dem es woanders als bei uns besser geht."

"Jenson muss sich steigern"

Button selbst scheint seine Vergangenheit bereits abgehakt zu haben. Der Brite blickt nach dem Wechsel gespannt nach vorne: "Ich habe so viele Jahre bei BAR und Honda verbracht, und es war immer eine emotionale Achterbahnfahrt. Ich musste das jetzt in dieser Phase meines Lebens einfach tun."

Vor allem die britische Kombination im McLaren-Cockpit birgt für den amtierenden Champion einen besonderen Ansporn: "Es hat mich gereizt, gegen Lewis in seinem Umfeld anzutreten. Es wird schwer, aber es reizt."

Fry hat auch darauf eine Antwort parat: "Ich denke, Jenson muss sich steigern, wenn er Lewis Hamilton in dessen Heimatteam bezwingen will."

Attraktives Cockpit

Bei der Suche nach einem Nachfolger für den Weltmeister will sich Brawn nicht unter Druck setzen lassen. "Ich glaube, das freie Cockpit bei uns ist der attraktivste freie Platz auf dem Markt", sagte er "auto, motor und sport". 149801(DIASHOW: Das Fahrerkarussell)

Und weiter: "Es wäre dumm, sich jetzt in eine schnelle Entscheidung treiben zu lassen. Wir werden eine Liste von potenziellen Kandidaten aufstellen und diese genau analysieren. Uns läuft jetzt nichts davon."

"Kimi hat meine Nummer"

Auf dieser Liste dürfte ganz weit oben der frühere BMW-Sauber-Pilot Nick Heidfeld zu finden sein, doch auch für Kimi Räikkönen , der nach seinem geplatzten Einstieg bei McLaren eigentlich ein Jahr pausieren will, scheint der Zug noch nicht abgefahren zu sein.

"Kimi hat meine Nummer", sagte Mercedes-Sportchef Norbert Haug: "Er kann jederzeit anrufen."

Offenbar hat das Räikkönens Management auch getan, wie "Motorsport-Total.com" berichtet.

Auch Robert Kubica, der bei einem möglichen Renault-Ausstieg wieder frei wäre, könnte eine Option sein. Und zum Gerücht, das eine italienische Zeitung verbreitet hatte, Michael Schumacher sei ebenfalls ein Kandidat bei den Silberpfeilen, äußerte Brawn: "Als ich das letzte Mal mit Michael sprach, hatte ich nicht den Eindruck, dass er ein langfristig angelegtes Comeback geben will. Er wollte Ferrari in einer Notlage helfen.

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