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Nico Hülkenberg holte 2009 den Titel in der GP2-Serie © imago

Der Newcomer will die Formel 1 gehörig aufmischen. Er weiß, dass die Messlatte hoch ist, doch Selbstzweifel kennt er nicht.

Essen - Als Nico Hülkenberg auf der Bühne der Essener Motor-Show das Mikrofon ergriff, trauten manche Gäste ihren Ohren nicht.

"Ich hoffe, dass man in ein paar Jahren den Namen Michael Schumacher nicht mehr so häufig hört", rief der 22-Jährige, der gerade erst seinen ersten Formel-1-Vertrag unterschrieben hat, euphorisch in die Menge.

Mit dem Ziel, den Rekord-Weltmeister vergessen zu machen, sind noch nicht viele in der Königsklasse des Motorsports angetreten.

"Jeder Deutsche, der neu in die Formel 1 kommt, wird an Michael gemessen, weil er einfach die Messlatte ist", sagte Hülkenberg: "Aber ich mache mein Ding, und vielleicht bin ich ja irgendwann gut genug, dass mein Name als Messlatte dienen kann."

Eifriger Titelsammler

An gesundem Selbstbewusstsein mangelt es dem künftigen Williams-Piloten wahrlich nicht, sein bisheriger Karriereverlauf gibt ihm auch allen Grund dazu.

Auf seinem Weg durch verschiedene Serien sammelte das äußerlich ein bisschen an Kimi Räikkönen erinnernde Ausnahmetalent aus Emmerich am Niederrhein fleißig Siege und Titel.

So beim Nationen-Weltcup 2006, dem Formel-3-Masters in Zolder 2007 und in der Formel-3-Euroserie 2008.

Als er im September dieses Jahres vorzeitig den Titel in der GP2-Serie gewann, standen ihm in der Formel 1 viele Türen offen. 149801(DIASHOW: Die Formel-1-Wechselbörse)

Sein Manager Willi Weber, der einst schon Schumacher auf dem Weg zu sieben Formel-1-Titeln betreute, bezeichnet ihn als "Irrsinns-Talent".

Starkes Testergebnis

Und Formel-1-Neuling Hülkenberg war am zweiten Tag des Young-Driver-Tests im spanischen Jerez der zweitschnellste Fahrer.

Der 22 Jahre alte GP2-Champion aus Emmerich brauchte im 2009er-Modell seines künftigen Teams Williams 1:19,184 Minuten für seine schnellste Runde bei dem achtstündigen Test für Talente.

Nur DTM-Fahrer Gary Paffett (Großbritannien) im McLaren-Mercedes war schneller (1:18,718).

Hülkenberg ist der einzige der zwölf Fahrer in Jerez, der bereits einen Platz in der Formel 1 sicher hat.

"Ich wollte in die Formel 1"

Für Hülkenberg, den viele Fans in Anlehnung an die berühmte Comicfigur "Hulk" nennen, soll aber der Einstieg in die Königsklasse erst der Anfang sein.

"Ich wollte in die Formel 1, da bin ich jetzt angekommen. Jetzt gilt es, nach vorne zu schauen. Wir wollen langfristig erfolgreich sein, Rennen gewinnen und Weltmeister werden. Auf jeden Fall", sagt er unmissverständlich.

Einen Zeitplan, bis wann das passieren muss, habe er aber nicht, und Prognosen für die kommende Saison fallen im Spätherbst gewöhnlich noch schwer.

Mittelmaß nicht Hülkenbergs Sache

Doch Mittelmaß ist seine Sache nicht.

"Klar ist, dass weder das Team noch ich nur um Rang zehn fahren wollen", sagt Hülkenberg, dessen Teamkollege der WM-Dritte Rubens Barrichello wird, der erfahrenste Pilot im Feld.

"Am liebsten will natürlich jeder immer um Podiumsplätze und Siege mitfahren. Ob das realistisch ist, weiß ich jetzt noch nicht."

Bei den Rookie-Tests in dieser Woche in Jerez fährt Hülkenberg noch den alten Williams mit dem Toyota-Motor aus der abgelaufenen Saison.

"Kann kaum erwarten, dass es losgeht"

Doch Nico, der eigentlich Nicolas heißt, scharrt mit den Hufen und will so schnell wie möglich das neue Modell mit dem Cosworth-Aggregat fahren: "Ich hoffe, dass der Winter schnell vorüberzieht, denn ich kann kaum erwarten, dass es losgeht."

Beinahe hätte er schon im Herbst den Sprung in die Formel 1 geschafft. Nach dem schweren Unfall von Felipe Massa und dem geplatzten Comeback von Schumacher hatte Ferrari auch ihn als Ersatzpiloten auf dem Zettel.

Keine halben Sachen

"Da gab es durchaus Interesse und eine Anfrage", erzählt Hülkenberg: "Einerseits war ich auch ganz geil darauf, das zu machen. Andererseits wären das dann nur zwei halbe Sachen gewesen, sowohl in der Formel 1 als auch in der GP2."

Und weiter: "So konnte ich mich auf die GP2 konzentrieren, habe den Titel gewonnen und kann nun mit der entsprechenden Vorbereitung in die Formel 1 einsteigen. Deshalb ist es wahrscheinlich gut so, dass es damals nicht geklappt hat."

Überhaupt sei sein Weg im Nachhinein genau der richtige Weg gewesen.

"Der Sprung kommt nun genau zur richtigen Zeit", sagt er: "Ich fühle mich bereit und reif für die Formel 1." An Talent und Selbstvertrauen mangelt es ihm ja sowieso nicht.

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