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Michael Schumacher fuhr in bisher 249 Grands Prix 154 Podiumsplätze ein © imago

Die Gerüchte um Michael Schumachers Comeback bei Mercedes verdichten sich. Dessen Manager gibt sich überrascht von den Berichten.

Von Marc Ellerich

München - Das Formel-1-Comeback von Rekord-Weltmeister Michael Schumacher bei Mercedes ist angeblich so gut wie perfekt 50681(Bilder: Michael Schumachers Karriere).

Nach "Bild"-Informationen haben sich Norbert Haug und Ross Brawn bereits mündlich mit Schumacher auf einen Einjahres-Vertrag geeinigt.

"Die Unterschrift ist jetzt reine Formsache. Schumacher fühlt sich fit und gesund. Die letzten Tests verliefen komplett positiv. Er brennt auf die Rückkehr und kann die erneute Zusammenarbeit mit Ross Brawn nicht mehr erwarten", sagte ein angeblicher Insider dem Boulevardblatt.

Sieben Millionen Euro pro Jahr rief die "Bild" als Bezahlung auf - ohne jedoch eine Quelle oder eine Bestätigung für das faszinierende Gedankenspiel zu nennen.

Es wäre allerdings genau jener Betrag, den der zu McLaren abgewanderte Weltmeister Jenson Button von den neuen Silberpfeilen erhalten hätte.

Auch das Nachrichtenmagazin "Focus" lancierte zuvor einen in diese Richtung gehenden Bericht. 149801(DIASHOW: Die Formel-1-Wechselbörse).

Im August war ein geplantes Kurz-Comeback Schumachers bei Ferrari als Ersatz für den verletzten Brasilianer Felipe Massa allerdings gescheitert, weil er wegen der Nachwirkungen eines schweren Motorradsturzes vom Februar den körperlichen Belastungen in einem Formel-1-Boliden bei Testfahrten nicht standhielt.

Weber überrascht

Mercedes plant nun angeblich, Schumacher als Sport-Botschafter auch langfristig an den Konzern zu binden.

Schumachers Manager Willi Weber gab sich gegenüber dem "Sport-Informationsdienst" überrascht: "Es ist geil, was da passiert. Die Sache verselbständigt sich, obwohl ich immer wieder sage: 'Da ist nichts dran'", sagte Weber: "Ich weiß nichts davon. Ich tappe genauso im Dunkeln wie die Presse. Ich habe weder mit Mercedes gesprochen noch habe ich Termine mit ihnen."

Schumachers Sprecherin wollte die Spekulationen am Samstag nicht kommentieren.

Schumi trainiert "wie wahnsinnig"

Schumacher selbst dementierte die Gedankenspiele, denen er sich seit seinem geplatzten Sommer-Comeback mit Ferrari immer wieder ausgesetzt sieht, zuletzt nicht sonderlich entschlossen.

Sein Vater Rolf ließ sich vom Kölner "Express" mit den Worten zitieren, sein Sohn trainiere "wie wahnsinnig" - und tue dies ganz gewiss nicht ohne Grund.

Beratervertrag mit Ferrari

Ein Mercedes-Sprecher erklärte am Freitag, was das Team seit Wochen gebetsmühlenartig wiederholt, sobald der Name Schumacher fällt: "Es wird immer spekuliert, solange ein Sitz in unserem Team nicht besetzt ist. Und manche Spekulationen sind eben auch Träume, die nicht in Erfüllung gehen."

Zumal Schumacher im September seinen Beratervertrag mit Ferrari bis Ende 2012 verlängert haben soll - per Handschlag mit dem Großen Vorsitzenden Luca di Montezemolo, wie es von Ferrari-Seite heißt. Übersetzt bedeutet das allerdings: Es ist nichts unterschrieben.

Die "Welt" berichtet zudem, der Motorrad-Freizeitpilot habe geplante Tests mit seinem KTM-Team ohne Angabe von Gründen abgesagt. Er fährt stattdessen in seiner Heimatstadt Kerpen am Wochenende ein Kart-Rennen.

Fry: "Interessantes Element"

Was ebenfalls für Schumachers Rückkehr spricht: Am Rande eines großen Formel-1-Meetings in Monte Carlo war Mercedes-Geschäftsführers Nick Fry von der offiziellen Hauslinie ein Stück weit abgewichen.

Ein Comeback des erfolgreichsten Piloten der Formel-1-Geschichte könne nur gut für die Königsklasse sein, stellte Fry fest.

"Egal, ob Michael oder ein anderer früherer Weltmeister - das würde ein sehr interessantes Element hinzufügen. Kann ein 40- oder 41-Jähriger noch mit Fahrern mithalten, die erst 24 Jahre alt sind", sagte der Offizielle: "In anderen Sportarten haben Leute bewiesen, dass sie dazu in diesem Alter noch fähig sind."

Heidfeld träumt

Gleichzeit wollte Fry Gespräche mit dem Deutschen nicht bestätigen und betonte, dass man mit mehreren Piloten in Verhandlungen sei. Vier Fahrer stünden auf der Liste, darunter der frühere BMW-Sauber-Pilot Nick Heidfeld. Auch der Pole Robert Kubica gilt als Anwärter. Sein Schicksal ist allerdings eng mit dem des Renault-Teams verknüpft, das ihn bereits als Fahrer vorgestellt hat.

Heidfeld machte in einem Interview mit der "Rheinischen Post" kein Geheimnis daraus, dass er auf den freien Cockpitplatz neben seinem Landsmann Nico Rosberg hofft - und darin die Chance sähe, nach einer langen Karriere doch noch Weltmeister zu werden.

"Wer sich in der Formel 1 auskennt, dem ist klar, dass Mercedes das freie Cockpit bietet mit den größten Chancen, ganz vorne mitzufahren", so Heidfeld: "Darüber hinaus ist es wohl für jeden Formel-1-Fahrer ein Traum, für dieses Team und diesen Hersteller fahren zu können."

Mercedes will Deutschen

Ob dieser sich erfüllt oder am Ende doch platzen wird, entscheidet sich laut Fry womöglich sogar noch vor Weihnachten.

"Vielleicht können wir vor Weihnachten noch etwas verkünden", sagte der Brite: "Wahrscheinlich aber erst Anfang Januar, wir arbeiten daran."

Das Anforderungsprofil an den neuen Piloten hingegen steht bereits. "Wir haben in diesem Jahr gesehen, dass man zwei Fahrer haben muss, die in jedem Rennen in der Lage sind, Punkte zu holen", sagte Fry, der bereits bei Brawn die Geschäftsführer-Position ausgeübt hatte.

Die Nationalität der Kandidaten spiele keine übergeordnete Rolle, allerdings habe sich Mercedes gewünscht, "dass es schön wäre, einen deutschen Piloten an Bord zu haben".

Keine Anfänger

Ein Punkt also für Heidfeld und Schumacher. Für das deutsche Duo spricht zudem, dass Rookies angesichts der eingeschränkten Testmöglichkeiten im kommenden Jahr wohl keine Chance bei den Silbernen haben werden. "Deshalb ist es klar, dass ganz oben auf der Liste Fahrer mit Formel-1-Erfahrung stehen."

Erfahrung hat Heidfeld, gewiss, auch er hat 167 Rennen hinter sich.

Doch die Liste der Rekorde, die Schumacher in seinen 250 Grands Prix einfuhr, ellenlang: die meisten Grand-Prix-Siege (91), die meisten WM-Punkte (1369), die meisten Führungskilometer (24.130), um nur einen Teil seiner Bestmarken zu nennen, sind beeindruckende Argumente, welche auch die Mercedes-Verantwortlichen auswendig herbeten können.

Und bis zum Tag der endgültigen Entscheidung werden sie auch die Hoffnungen vieler, vieler Fans beflügeln.

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