vergrößernverkleinern
Jenson Button startete seine Formel-1-Karriere im Jahr 2000 bei Williams © getty

Kaum ein Formel-1-Kenner traut dem 29-Jährigen zu, gegen Lewis Hamilton anzukommen. Ein Ex-Ferrari-Pilot wählt drastische Worte.

Von Sebastian Binder

München ? Sieht man sich dieser Tage in der Formel-1-Welt um, könnte man fast meinen, dass es außer Michael Schumacher kein anderes Fahrer-Thema gäbe.

Dabei lohnt zum Beispiel ein Blick Richtung McLaren, denn schließlich gehen für das britische Team die Weltmeister der Jahre 2008 und 2009 an den Start. Besonders die Leistungsfähigkeit von Neuzugang Jenson Button entzweit die Meinungen.

"Jenson hat sich in die Höhle des Löwen begeben, ein absoluter Irrsinn von ihm, das zu tun. Er glaubt, dass er seinen Stich wird machen können, das wird aber nicht der Fall sein", sagte der ehemalige Ferrari-Pilot Eddie Irvine gegenüber dem US-Fernsehsender "ESPN".

"Wechsel schlechte Entscheidung"

"Crazy Eddie" hielt mit seiner Meinung, ob er Lewis Hamilton oder den amtierenden Champion für den besseren Fahrer halte, nicht hinter dem Berg: "Button wird ermordet werden. Der Wechsel war die schlechteste Entscheidung, die er hätte treffen können."

Nun sind diese Worte sicherlich übertrieben, doch Irvine ist nicht der einzige Formel-1-Kenner, der Hamilton für die Nummer eins im McLaren-Rennstall hält. Das hängt vor allem mit Buttons Leistungseinbruch in der abgelaufenen Saison zusammen.

Der spätere Weltmeister dominierte in den ersten sieben Rennen 2009 fast nach Belieben und fuhr fünf Siege ein.

Doch nach dem Türkei-Grand-Prix lief bei Button nicht mehr viel zusammen, ein zweiter Platz in Monza und der dritte Rang in Abu Dhabi waren die einzigen Lichtblicke.

Button konzentriert sich aufs Sportliche

Dem Titelträger selbst ist das egal: "Dass mir die Leute nicht sagen, dass ich meinen Teamkollegen zerstören werde, macht mir das Leben deutlich einfacher. Dadurch ist meine Position überaus entspannt", sagte der 29-Jährige gegenüber "PA Sport".

Auf die drastischen Äußerungen Irvines wollte er aber nicht direkt eingehen: "Ich bin nicht der Typ für eine freche Antwort, denn das macht keinen Sinn."

Button konzentriert sich lieber aufs Sportliche: "Ich bin schon ganz aufgeregt, mit Lewis zusammenzuarbeiten. Um konkurrenzfähig zu sein, werden wir beide an einem Strang ziehen."

Wer wird "Teamleader"?

McLaren hält sich indes noch zurück, wer den Titel des "Teamleaders" bekommt. Natürlich heißt es offiziell stets, dass kein Fahrer bevorzugt wird.

Andererseits wissen Formel-1-Kenner, dass diese Devise im Rennalltag nur in den wenigsten Fällen berücksichtigt wird. Für Irvine kann der Top-Pilot nur Hamilton heißen.

Begründung: "Es gab zu wenige Rennen, in denen Button anständige Leistungen abgeliefert hat. Man kann nicht sagen, dass er sich mit Kerlen wie Hamilton auf Augenhöhe bewegt."

Der Nordire sieht Button eher in der Tradition der "zweitklassigen" Fahrer, denn "er ist sogar von Ralf Schumacher und Giancarlo Fisichella geschlagen worden."

"Freue mich auf Michael"

Derartigen Vergleichen schenkt Button allerdings wenig Beachtung. Er misst sich lieber mit Kontrahenten eines anderen fahrerischen Kalibers.

"Auf die Herausforderung mit Michael freue ich mich schon sehr", sagte der Vorgänger des Kerpeners beim jetzigen MercedesGP-Rennstall.

"Ich finde das klasse und rechne es Ross Brawn hoch an, dass er ihn an Bord holen konnte. Ich gehe nicht davon aus, dass es viele Teamchefs oder Teameigner gibt, die es geschafft hätten, Michael in ihr Auto zu setzen."

Wie konkurrenzfähig Schumacher ist, müsse sich aber erst noch zeigen: "Ich gehe davon aus, dass er ein paar Tests braucht, um wieder in den alten Rhythmus zu finden." Dennoch werde der Rekordweltmeister "zum ersten Rennen voll da sein", ist sich der Brite sicher.

Duell mit Hamilton

Für Button wird es zu Beginn der Saison aber zunächst einmal darum gehen, sich im teaminternen Duell mit Hamilton zu behaupten.

Als amtierender Weltmeister wird er unter besonderer Beobachtung stehen, und sollte er gegen den Champion von 2008 den Kürzeren ziehen, würden sich die zahlreichen Button-Kritiker erfreut die Hände reiben.

Auch Button selbst weiß, dass er sich auf kein einfaches Unterfangen eingelassen hat, wie er gegenüber der "Daily Mail" zugibt: "Es ist eine gewaltige Herausforderung für mich, in das Team zu kommen, in dem Lewis schon seit Jahren fährt."

Letztlich wird der Saisonauftakt in Bahrain zeigen, wer der wahre Leitwolf im "British Dream-Team" ist.

Zurück zur Startseite Alle Termine zu sportlichen Highlights finden Sie hier.

teilentwitternteilenE-MailKommentare
Bitte bewerten Sie diesen Artikel