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Michael Schumacher gewann in seiner Karriere bisher 91 Formel-1-Rennen © getty

Michael Schumacher ist froh über seine Rückkehr, fit und heiß auf den Titel. Mit ihm beginnt bei Mercedes eine neue Ära.

Aus Stuttgart berichtet Julian Meißner

Stuttgart ? Michael Schumacher ist zurück: Am Montagvormittag wurde der siebenmalige Formel-1-Weltmeister von seinem neuen Team Mercedes GP in Stuttgart vor 600 Gästen, darunter 200 Medienvertreter, offiziell vorgestellt.

"Endlich geht die Formel 1 wieder los", erklärte der gut gelaunte Rekordchampion, der nächste Woche in Valencia den neuen Silberpfeil MGP W01 testen wird:

"Ich kann es jetzt kaum abwarten ins Auto zu steigen." 180745(DIASHOW: Teams und Fahrer 2010)

Der 41-Jährige wird an der Seite des deutschen Youngsters Nico Rosberg in die Saison gehen, die am 14. März in Bahrain beginnt.

Im Interview spricht Schumacher über seine Ambitionen in der WM, körperliche Fitness und Duelle mit den jungen Fahrern um Sebastian Vettel.

Frage: Herr Schumacher, viele erwarten von Ihnen den Gewinn der WM. Ist das realistisch?

Michael Schumacher: Ich denke, wir haben alle Zutaten, die man braucht. Aber es sind zwei verschiedene Sachen, ob man alle Zutaten für ein schönes Gericht beisammen hat, oder ob man damit ein gutes Resultat erzielt. Ich glaube, mit der Erfahrung von Ross Brawn, dem Know-How des Mercedes-Teams und nicht zuletzt mit mir selbst kann es nur ein Ziel geben. Ob wir das erreichen, steht auf einem anderen Blatt.

Frage: Sind Sie körperlich fit genug?

Schumacher: Ja, da ich bin mir sicher, ich bin einfach heiß. Unsere Verhandlungen begannen im November. Jetzt musste ich so lange warten, das bin ich nicht gewohnt und hat mir schon viel zu lange gedauert. Wir freuen uns jetzt sehr auf nächste Woche. Ich habe absolut keine Bedenken, nachdem ich den GP2-Test und eine Menge Checks absolviert habe.

Frage: Angesichts der Mercedes-Historie: Was bedeutet es Ihnen, für dieses Team zu fahren?

Schumacher: Nun, ich habe ja schon eine gemeinsame Geschichte mit dem Team, für das ich in den frühen Neunziger Jahren gefahren bin. Selbstverständlich freuen wir uns darauf, diesen Kreis irgendwann in der Zukunft zu schließen.

Frage: Ist es heute mit den jungen Fahrern wie Sebastian Vettel und Lewis Hamilton schwieriger, erfolgreich zu sein?

Schumacher: Es geht darum, zu gewinnen. Ob die Gegner jung oder erfahren sind, spielt keine Rolle. Wenn du im Auto sitzt, dann schaust du nicht, wer das ist oder wie alt er ist. Du guckst nur, dass du besser bist.

Frage: War es schwierig für Sie, Ihrer Familie zu erklären, dass sie wieder Rennen fahren?

Schumacher: Natürlich hatte ich eine Diskussion mit meiner Frau. Das war auch gut so. Sie ist sehr bodenständig und sieht die Dinge aus einer gewissen Distanz. Sie hat sehr leicht die Pros und Contras aufgeführt. Am Ende lag die Entscheidung bei mir, aber das hat mir sehr geholfen.

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Frage: Was waren die Contras?

Schumacher (lacht): Das bleibt geheim.

Frage: Mit der Unterschrift bei Mercedes kommen Sie zurück nach Hause. Aber fühlt es sich nicht komisch an, kein Ferrari-rotes Hemd zu tragen?

Schumacher: Es ist ein Fakt, dass ein großer Teil meiner Geschichte und ein Teil meines Herzens rot sind. All die guten Momente, die wir zusammen hatten, kann ich nicht vergessen. Ich freue mich auch sehr, meine Freunde wiederzusehen, mit denen ich in regelmäßigem Kontakt stehe. Stefano (Domenicali, Anm. d. Red) hat mich gerade zum traditionellem Ski-Wochenende eingeladen, das ist eine sehr private Angelegenheit der Ferrari-Familie. Wir werden gegeneinander antreten, aber das heißt nicht, dass man die Vergangenheit vergisst.

Frage: Als Ross Brawn Sie im November kontaktierte - wussten Sie, was Sie erwartet?

Schumacher: Ja. Schon als er zur Honda ging, hat er angedeutet, dass es eine Möglichkeit gäbe. Aber ich war nicht bereit. Wir haben immer Kontakt gehalten ? mal hat er im Ernst, mal im Spaß gefragt. Auch in Abu Dhabi hat er das Thema angeschnitten. Als er dann zu dieser Jahreszeit anrief, war klar, was seine Frage sein würde.

Frage: Dieter Zetsche sprach von einer "deutschen Nationalmannschaft" bei Mercedes. Was denken Sie darüber?

Schumacher: Nun, vielleicht sollten wir Angela Merkel tatsächlich überzeugen, die deutschen Farben in Schwarz, Rot und Silber zu ändern.

Frage: Haben Sie sich verändert in den letzten vier Jahren?

Schumacher: Ich denke schon. Das liegt in der Natur, wenn man erfahrener wird. Manche Dinge sehe ich aus einem anderen Blickwinkel. Ich hoffe, die Veränderung ist zum Positiven.

Frage: Kommen Sie zurück, um zu beweisen, dass das Alter keine Barriere ist?

Schumacher: Nein. Ich muss niemandem etwas beweisen, was das Alter angeht. Ich will nur mir selbst etwas beweisen. Ich tue dies, weil ich einfach heiß bin, auf höchstem Motorsport-Level zu fahren.

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