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Michael Schumacher startet am 12. März in seine 17 Formel-1-Saison © getty

Fast die Hälfte der Deutschen glaubt an einen erneuten WM-Gewinn des Rückkehrers. Italiens Presse sieht das Comeback kritisch.

München - Rückkehrer Michael Schumacher will mit Mercedes erneut Weltmeister werden, fast jeder zweite Deutsche traut ihm das auch zu, und selbst in Italien und England freut man sich auf das Comeback des erfolgreichsten Piloten der Geschichte.

"Das ist die große Frage, die wir uns alle stellen - wie schnell sind wir im Verhältnis zur Konkurrenz?", sagte der 41 Jahre alte Kerpener bei der Team-Präsentation in Stuttgart (Video: Großer Bahnhof im Ländle).

Er fiebert daher schon dem kommenden Montag entgegen, wenn der erste echte Silberpfeil seit 55 Jahren fertig sein und bei Testfahrten in Valencia erstmals einen Vergleich mit den Rivalen erlauben wird. 180745(DIASHOW: Teams und Fahrer 2010)

"Bis jetzt wurde viel geredet, vorbereitet und trainiert - ohne wirklich Resultate zu sehen. Wenn wir mit der Konkurrenz auf der Strecke sind, haben wir einen kleinen Anhaltspunkt, was uns dieses Jahr erwartet", sagte Schumacher.

Deutsche Formel-1-Nationalmannschaft

Die Fans der neuen deutschen Formel-1-Nationalmannschaft, wie Daimler-Chef Dieter Zetsche Schumacher und Nico Rosberg bezeichnete, haben großes Vertrauen, dass der von "Superhirn" Ross Brawn gebaute Bolide ähnlich stark wie sein weltmeisterlicher Vorgänger wird.

In einer Repräsentativ-Umfrage durch das Dortmunder Meinungsforschungsinstitut "promit" glauben 49 Prozent der insgesamt 1209 Befragten, dass Schumacher schon 2010 nach seiner dreijährigen Pause auf Anhieb zum achten Mal Weltmeister werden kann.

Ziel ist die Weltmeisterschaft

"Mit der Kombination Mercedes, Ross und meiner Erfahrung können wir nur ein Ziel haben: Das ist, die Weltmeisterschaft zu gewinnen", sagte Schumacher mit dem Selbstbewusstsein des Rekordweltmeisters und beeindruckte über die Grenzen hinaus.

"Es ist, als wäre er nie weg gewesen. Breite Zuversicht und die Prahlerei eines Champions, der für seine 41 Jahre erstaunlich fit aussieht und es den anderen noch einmal zeigen will", schrieb die "Londoner Times".

"In den Augen ein vielversprechendes Leuchten und aus jeder Pore Selbstvertrauen - so schritt Michael Schumacher zurück auf die Weltbühne", meinte der "Guardian".

Selbstbewusster Auftritt

Der "Daily Mirror" erinnerte schon einmal vorsorglich an frühere Verfehlungen des einstigen Lieblings-Feindbildes: "Der Deutsche hatte 1994 einen zweifelhaften Zusammenstoß mit Damon Hill. Und 1997 wurden ihm nach einem Crash mit Jacques Villeneuve die Punkte aberkannt."

Die "Sun" wertete Schumachers selbstbewussten Auftritt als Warnung für das neue englische Dream Team mit Lewis Hamilton und Weltmeister Jenson Button bei McLaren, die am Freitag ihr Auto vorstellen.

"Die Liebesgeschichte ist zu Ende"

Die italienischen Gazetten verabschiedeten sich endgültig vom einstigen Ferrari-Star. "Es ist, als wäre man zur Hochzeit der Ex-Ehefrau eingeladen, von der du gedacht hast, sie sei die große Liebe deines Lebens gewesen. Die Liebesgeschichte ist zu Ende", schrieb "Tuttosport", zeigte allerdings auch ein wenig Verständnis:

"Im Sport gibt es längst keine Fahnentreue mehr, daher darf man nicht von Skandal reden. Seit gestern ist Schumacher ein Deutscher in einem deutschen Auto, der eine deutsche Fahne trägt."

Ähnlich kommentierte die "Gazzetta dello Sport" Schumachers Farbwechsel: "Schluss mit dem leeren Gerede von Verrat und Gewissen. Ferrari hatte kein Auto für Schumacher, und er hat gut daran getan, sich einen neuen Rennstall zu suchen. Ab einem gewissem Niveau sind keine Sentimentalitäten mehr zugelassen."

"Lebendig" und "kämpferisch"

Für "Corriere dello Sport" ist der "alte Löwe" Schumacher "alles andere als ein Museumsstück, er scheint lebendig und kämpferisch wie noch nie zu sein". Für den "Corriere della Sera" ist das Team Schumacher/Mercedes allerdings nur ein Remake früherer Ferrari-Tage.

"Michael hat die Rolle schon gespielt und sieben Mal den Oscar gewonnen", schrieb die Zeitung und schob noch ein paar Sticheleien hinterher:

"Schumachers Comeback ist das Resultat einer Niederlage. Eigentlich hatte er sich zum Rücktritt entschlossen, aber er ist im Bild des ewigen Wunderknaben gefesselt. Er ist und bleibt ein gefeiertes und gehätscheltes Wunderkind."

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