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Ayrton Senna gewann 1985 in Estoril seinen ersten Grand Prix © getty

Mit Bruno Senna ist ein großer Name in die Formel 1 zurückgekehrt. Sein Onkel war einer der besten Fahrer der Geschichte.

Von Nils Reschke

München - Zehn Jahre lang gehörte Ayrton Senna da Silva zu den Größten seiner Klasse. Zehn Jahre, in denen er in der Formel 1 für Lotus, McLaren und Williams an den Start ging ? und oft auch als Erster durchs Ziel. 100323(DIASHOW: Der Magische mit dem gelben Helm)

41 Grand-Prix-Siege, drei Weltmeisterschaften: Zehn Jahre ein Leben auf der Überholspur. Angetrieben durch sein unbändiges Kämpferherz, immer der Schnellste sein zu wollen.

Angespornt, seinen größten Rivalen auch in der Statistik zu überrunden. An jenem 1. Mai 1994 fand diese Aufholjagd in der Tamburello-Kurve von Imola aber ein tragisches Ende. An seinem 50. Geburtstag am Sonntag, den 21. März, lebt Ayrton Senna nur noch als Mythos.

Lauda und Rosberg links liegen gelassen

1960 in Sao Paulo geboren, wuchs Senna als Kind einer wohlhabenden Familie auf. Nachdem er sich bereits in frühen Jahren für den Motorsport begeisterte, nahm er schon als Teenager an ersten offiziellen Kartrennen teil.

1977, gerade einmal 17 Jahre alt, wurde er zum ersten Mal südamerikanischer Kartmeister. Weitere Titel folgten in den Jahren bis 1981. Gleichzeitig begann Senna seine Karriere in Europa voranzutreiben, wo er ab 1981 erste Erfolge in verschiedenen Klassen der britischen Formel Ford sowie der britischen Formel 3 einfuhr. (DATENCENTER: Der Bahrain-Grand-Prix).

Dann der Fingerzeig: Achtung, da bin ich! Als auf dem Nürburgring mit einem Schaurennen die Neueröffnung gefeiert wurde, jubelte der junge Ayrton Senna mit ? und ließ die Altmeister Niki Lauda und Keke Rosberg im wahrsten Sinne des Wortes alt aussehen.

Die Anfänge in der Formel 1

In seiner Debüt-Saison, beim Großen Preis von Monaco 1984, lieferte sich Senna sein erstes haarscharfes Duell mit dem Führenden Alain Prost. Er fuhr die schnellste Runde, landete aber im Endeffekt knapp hinter dem Franzosen.

Doch in Prost hatte er einen Rivalen gefunden, der ihn im Laufe seiner Karriere weiter verfolgen sollte. "Der Professor" gegen "The Magic": Insgesamt vier Weltmeisterschaften entschieden sich nur knapp zwischen Prost und Senna.

"The Magic", wie Senna aufgrund seines rasanten Fahrstils besonders während Regens bei klitschnasser Fahrbahn von seinen Fans getauft wurde, wechselte 1985 frühzeitig und nur durch finanzielles Nachhelfen seines Vaters vom Team Toleman zu Lotus, mit dem er bis zum Jahr 1987 sechs Grand-Prix-Siege erreichen konnte.

Jetzt war das Duell so richtig eröffnet.

Prost! WM Nummer vier für den Franzosen

Ab 1988 fuhr Ayrton Senna dann für McLaren. Kurios: mit Alain Prost in einem Team! 15 Siege gingen in dieser Saison in ihren Rennstall. Doch Teamwork gab es keines.

Den Titel entschied Senna am Schluss für sich allein. Ebenso die Weltmeisterschaften 1990 und 1991. Und damit hatte der Brasilianer im ewigen Duell ausgeglichen. 100323(Diashow: Ayrton Sennas Karriere)

Doch in seiner Abschiedssaison 1993 im Williams-Renault legte Alain Prost, der sich bei seinem Engagement eine "Anti-Senna-Klausel" in den Vertrag hatte schreiben lassen, den vierten WM-Triumph vor.

Seine Karriere war beendet. Sennas ? so dachten alle ? noch lange nicht. 1994 sollte sein Jahr werden.

Das schwärzeste Kapitel der Formel 1

Nun fuhr Ayrton Senna bei Williams, doch die Saison wollte nicht so recht anrollen. Den vierten WM-Titel vor Augen, immer noch Dauerrivale Prost im Kopf, entschied stattdessen der junge Michael Schumacher die ersten zwei Rennen für sich.

Senna hingegen schied in beiden vorzeitig aus. Für das dritte Rennen war Kämpferherz gefragt, standen nun alle Zeichen auf Sieg.

Das verlangte schon der Erwartungsdruck, den Senna von Seiten der Fans und auch aus seinem Team zu spüren bekam. Imola sollte die Wende bringen. Doch Imola schrieb das wohl schwärzeste Kapitel in der Motorsportgeschichte.

Bereits im Training zum Großen Preis von San Marino kam es zu einem schweren Unfall aufgrund eines technischen Defekts, bei dem der Österreicher Roland Ratzenberger tödlich verunglückte. Ayrton Senna brach sein Training daraufhin auf der Stelle ab. Im Sonntagsrennen ging der Brasilianer trotzdem an den Start, führte nach einer Safety-Car-Phase vor Schumacher. 180745(DIASHOW: Teams und Fahrer 2010).

Tragik in der Tamburello

Doch in der sechsten Runde passierte es dann. Sennas Wagen flog aus der Tamburello-Kurve, schoss mit Vollbremsung, aber ohne Lenkbewegung auf die Seitenbegrenzungsmauer. Atemlose Stille!

Wie sich später herausstellte, riss dabei das rechte Vorderrad ab und eine Strebe der Radaufhängung bohrte sich durch Sennas Helm. Nachdem er noch an der Unfallstelle erstversorgt wurde, flog man ihn in eine Klinik im nahe gelegenen Bologna, wo Ärzte noch mehrere Stunden um sein Leben kämpften ? vergeblich.

Am Abend des 1. Mai 1994 wurde Ayrton "The Magic" Senna für hirntot erklärt.

Trauer und Bestürzung

Schneller, als er je gefahren war, verbreitete sich die traurige Nachricht. Nicht nur in seinem Heimatland löste Sennas Tod tiefe Trauer und Bestürzung aus. Brasiliens damaliger Präsident Itamar Franco ordnete eine dreitägige Staatstrauer an.

Michael Schumacher, der während des Rennens dicht auf Sennas Fersen das Unglück aus nächster Nähe mit ansehen musste, sagte einmal: "Ich weiß auch nicht, die Geschichte von Ayrton ist eine Geschichte, die mich immer verfolgt hat. Jedes Mal, wenn ich damit konfrontiert werde, werde ich sehr emotional."

Emotionen posthum

Emotional wurde es posthum auch noch einmal im April 2004, als eine Jury bestehend aus Formel-1-Piloten, Teamchefs, Ingenieuren und Journalisten, Senna zum schnellsten Formel-1-Fahrer aller Zeiten erklärte.

Bei einer Neuauflage dieser Umfrage im Dezember 2006 siegte Ayrton Senna abermals. "Dank unserer Rivalität begannen sich viele Leute erst für die Formel 1 zu interessieren. Aber wir haben nie den gegenseitigen Respekt verloren", verneigt sich auch Alain Prost heute vor einem der besten Rennfahrer aller Zeiten.

Vielleicht sogar dem besten.

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