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Jenson Button begann seine Formel-1-Karriere 2000 bei Williams © getty

Nach seinem missglückten Debüt steht der Weltmeister bei McLaren unter Druck. Ausgerechnet sein Ex-Chef gießt Öl ins Feuer.

Von Rainer Nachtwey

München - Die Experten hatten es kommen sehen, und nach dem Bahrain Grand Prix dürften sie sich bestätigt fühlen.

Lewis Hamilton hatte Jenson Button beim Auftaktrennen der Formel 1 um Längen hinter sich gelassen.

Nicht nur, dass der Weltmeister von 2008 sowohl im Qualifying als Vierter sowie im Rennen als Siebter vier Plätze vor seinem Nachfolger lag, er nahm ihm auch 0,4 Sekunden bei der Vergabe um die Startplätze ab (Hamilton sticht Button aus).

Irvine warnt Button

"Jenson hat sich in die Höhle des Löwen begeben, ein absoluter Irrsinn von ihm, das zu tun. Er glaubt, dass er seinen Stich wird machen können, das wird aber nicht der Fall sein", hatte der ehemalige Ferrari-Pilot Eddie Irvine kurz nach Buttons Vertragsunterschrift vorausgesagt 214240(DIASHOW: Das Fahrerzeugnis vom Bahrain-GP).

Nach dem Rennausgang dürfte sich Irvine bestätigt fühlen.

"Schreibt doch was ihr wollt"

Doch während sich die Szenekenner ihren Triumph genießen, wichen Button und McLaren einer eindeutigen Antwort aus.

"Wenn ihr das schreiben wollt, dann schreibt das eben", gab sich Button den Journalisten gegenüber dünnhäutig. "Es ist doch ganz normal, dass ich am Anfang Probleme habe, den Speed mitzugehen. Lewis ist schließlich schon mehrere Jahre hier und hat Erfahrung, mit dem Team zu arbeiten."

Fry setzt Button unter Druck

Diesen Rückstand gilt es für Button schnellstmöglich aufzuholen. Ausgerechnet Nick Fry, letztes Jahr noch Buttons Chef bei Brawn GP und jetzt Geschäftsführer bei Mercedes GP, gießt Öl ins Feuer.

"Zwischen Lewis und Jenson gibt es einen offensichtlichen Zeitabstand. Diese Lücke muss er schließen", setzt Fry seinen ehemaligen Piloten unter Druck.

Ausreden gesucht?

Button und McLaren wiegeln ab, manche Entschuldigung klingt allerdings wie eine Ausreden.

Der Titelverteidiger legte sich darauf fest, dass das missratene Qualifying ihn um eine bessere Rennplatzierung gebracht hatte.

Nach seinem einzigen Boxenstopp, wodurch er Mark Webber kassiert hatte, war er hinter Michael Schumacher hängengeblieben. Auch weil er eine Runde nach Schumacher gestoppt hatte (213022DIASHOW: Bilder des Rennen).

Dass er womöglich zu spät gestoppt hatte, davon sprach Button nicht.

Überholen kaum möglich

Stattdessen klagte er viel lieber über die Regelreform. "Diese eine Runde scheint bei den neuen Regeln einen großen Unterschied auszumachen", analysierte Button und kritisierte, dass Überholmanöver - vor allem zu Beginn mit viel Gewicht aufgrund der Benzinmenge - kaum möglich sind (SERVICE: Das Rennergebnis).

"Ich konnte zwar zu Michael aufschließen, hatte mich aber in den letzten 15 Runden hinter ihm festgefahren."

Drehender Wind

Auch für den Zeitunterschied seiner beiden Stars im Qualifying hatte McLaren eine Erklärung parat. Angeblich hatte der Wind sich auf Buttons schnellsten Runde gedreht und ihn dadurch eingebremst. Aufgrund der "eigenartige Veränderungen" hätte er vor den Kurven etwas mehr Gas weggenommen.

Hamilton, der zur gleichen Zeit auf der Strecke war, verspürte allerdings keine Probleme und raste so zu Platz vier (McLaren: Warten auf den großen Knall).

Und laut Teamchef Martin Whitmarsh kam ein weiterer Faktor hinzu: "Lewis hatte halbwegs freie Fahrt, bei Jenson war das anders."

Kompromiss zwischen Qualifying und Rennen

Einigkeit demonstrierten Team und Fahrer im Zusammenhang mit der Leistung des MP 4-25. "Das Gute ist, dass die Performance des Autos grundsätzlich stimmt. Das haben wir im Rennen deutlich gesehen", sagte Button

"Im Moment haben wir Probleme, ein Setup für eine Runde zu finden", führte der Weltmeister aus. Mit dem geringen Qualifying-Gewicht gibt es große Probleme mit der Balance.

Und auch Whitmarsh sah hier noch Verbesserungsmöglichkeiten. "Wir mussten mit dem Setup Kompromisse eingehen", sagte der Teamchef: "Man muss immer sehen, dass man das Auto für das Rennen mit zu Beginn 150 Kilogramm Benzin gut hinbekommt. Darunter kann dann schon mal das Qualifying leiden."

Whitmarsh und Button optimistisch

Dennoch waren sich beide einig: Beim Großen Preis von Australien am kommenden Sonntag (Qualifying, Sa. ab 6.45 Uhr LIVE) wird die Performance der McLaren noch einmal gesteigert.

"Die Abstimmungsprobleme werden wir mit der Zeit immer besser in den Griff bekommen", ist Whitmarsh optimistisch, und auch Button ist sich sicher, dass "wir im nächsten Rennen einen weiteren Schritt nach vorne machen werden."

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