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Sebastian Vettel hat in seiner Karriere fünf Grands Prix gewonnen © getty

Sebastian Vettel geht voller Zuversicht in den Australien-Grand-Prix. Die Konkurrenz blickt beeindruckt auf den Deutschen.

Von Marc Ellerich

München - Sebastian Vettel redet nicht lange um den heißen Brei. "Liz ist schnell", sagte der junge Deutsche, als er nach seinen Chancen für das zweite Saison-Rennen in Australien (Qualifying, Sa. ab 6.45 Uhr LIVE) gefragt wurde. Liz, so nennt der Red-Bull-Youngster salopp seinen rot-blauen Renner, der offiziell als RB6 firmiert (VIDEO: Die Strecke von Melbourne).

Seinen ärgerlichen Zündkerzen-Defekt beim Auftakt-Grand-Prix, der ihn zeitweilig 70 PS und so den sicher geglaubten Sieg in der Sakhir-Wüste von Bahrain kostete, hat Vettel nach eigenem Bekunden abgehakt: "So etwas passiert nur ganz selten, vielleicht alle zehn Jahre mal."

Haushalten mit den Reifen

Für Vettel überwiegen vor dem Australien-Wochenende die vielen positiven Botschaften, die ihm seine Liz in Manama sendete. "Wir können erhobenen Hauptes nach Melbourne reisen. Wir wissen, dass wir ein gutes und konkurrenzfähiges Auto haben", sagte er und präzisierte dann: "Man hat gesehen, dass unser Auto im Qualifying sehr gut funktioniert, aber auch im Rennen. Wir waren zu jedem Zeitpunkt schneller als die Ferraris."217499 (DIASHOW: Vettel an Bumerang und Didgeridoo)

Tempo ist das eine, doch Vettel sieht noch einen weiteren Pluspunkt für den Red-Bull-Renner: "Wir haben einen unheimlichen Schritt gemacht, was das Haushalten mit den Reifen angeht. Ich glaube, das wird dieses Jahr sehr wichtig sein."

Hamilton ohne jede Chance

Ob Taktik oder nicht, beeindruckt geben sich auch Vettels Konkurrenten um die WM-Krone von der Leistungsstärke des Deutschen (214240DIASHOW: Fahrerzeugnis des Bahrain-Grand-Prix).

Der Red Bull sei um so viel schneller als die anderen Rennwagen, dass es beinahe lächerlich sei, gab McLaren-Pilot Lewis Hamilton zu Protokoll. Obwohl der Engländer in seinem "Schnorchelpfeil" in Sachen Top-Speed um fast 15 km/h schneller war als Vettel im Red Bull, war er im Rennen ohne jede Chance gegen das rot-blaue Kraftpaket. (Sport1.de-Teamcheck: Red Bull)

Dass er schließlich als Dritter doch um einen Platz vor Vettel beendete, verdankte er dessen Motoren-Problemen. Hamilton wusste das: "Vettel und Webber haben bei weitem das schnellste Auto. Unter normalen Umständen liegen sie weit vorne." (Red Bull: Kalter Motoren-Krieg mit Mercedes)

Komplimente von Alonso

Und auch aus dem Mund des Bahrain-Siegers Fernando Alonso gab es warme Worte für den Widersacher aus dem hohen Norden. "Die Red Bull sind verdammt schnell", räumte der Spanier sein, seine Freude am ersten Sieg für Ferrari wollte er sich deswegen allerdings nicht verderben lassen: "Natürlich hätte er den Sieg verdient gehabt, aber so ist der Rennsport."

Vettel gab derlei Komplimente gerne zurück. Vier Teams gelte es in Melbourne zu schlagen, davon geht er aus, doch ganz oben auf der Liste hat er Ferrari stehen: "In Bahrain haben sie sehr konkurrenzfähig ausgesehen, schneller als jeder andere. Aber auch schon im Winter waren sie die ganze Zeit sehr, sehr stark."

Gleichwohl - ein wenig Vorsicht muss sein - hält er Zeitpunkt nach dem Saisonstart für zu früh, um wirklich verbindliche Aussagen zu treffen: "Wir sind erst ein Rennen gefahren, das ist der einzige Erfahrungswert. Wir müssen noch etwas warten."

Haug: Australien wird schwierig

Dem "deutschen Nationalteam" Mercedes GP räumten die Rivalen im Ballyhoo vor dem zweiten Grand Prix des Jahres lediglich eine Nebenrolle ein. Immerhin, wenn Alonso von vier Teams und acht Fahrern spricht, die in Melbourne um den Sieg wetteifern würden, dann dürfte seine Prognose auch Mercedes GP einschließen.

Doch auch bei den Silberpfeilen reagiert man defensiv, wenn die Sprache auf das S-Thema kommt.

Zwar orakelte Motorsportchef Norbert Haug, vielleicht werde man den ersten Erfolg viel früher erleben als gedacht, doch fast im selben Atemzug ließ er wieder seine übliche schwäbische Vorsicht walten. Noch sei Mercedes nicht so weit, urteilte Haug: "Australien wird ein schwieriges Rennen für uns werden, weil unsere technischen Verbesserungen noch nicht alle umgesetzt sind."

Rosberg räumt "große Probleme" ein

Seine beiden Piloten übten sich ebenfalls in Understatement. Nico Rosberg räumte in der "Sport Bild" "große Probleme" mit dem Silberpfeil ein. "Aber weil sie so groß sind, wissen wir genau, wo wir das Auto verbessern müssen."

Seinen ersten Sieg peilte er für den Grand Prix in Barcelona an. "Dann können wir das erste Mal auf einem Level mit Red Bull und Ferrari fahren."

Rückkehrer Michael Schumacher hat ohnehin derweil alle Hände voll zu tun, seinen Fahrstil mit den Erfordernissen der neuen Zeit in Einklang zu bringen.

Schlechte Erinnerungen an 2009

Solche Probleme müssen Vettel nicht mehr kümmern, in Sicherheit wird er sich dennoch wohl kaum wiegen.

Denn seine Erinnerungen an das Rennen Down Under dürften - Favoritenbonus hin oder her - nicht die besten sein: Für ihn endete der Melbourne-Grand-Prix 2009 nämlich gänzlich ohne Punkte.

Auf Platz drei liegend kollidierte Vettel mit Robert Kubica im BMW - und schied sang- und klanglos aus.

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