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Michael Schumacher kehrte nach drei Jahren Pause in die Formel 1 zurück © getty

Die Schonfrist für den Mercedes-Star ist offenbar vorbei. Michael Schumacher muss schon nach dem zweiten Rennen rechtfertigen.

Von Marc Ellerich

München - Platz zehn, auch diese Platzierung ist Michael Schumacher nach einer langen Karriere in der Königsklasse längst bekannt gewesen.

Denn der deutsche Rekord-Weltmeister hat während seiner vielen Einsätze in der Elite-Klasse des Motorsports nicht nur große Siege eingefahren - auch die harten Hinterbänke hat er - wenngleich nicht allzu oft - in 252 Grands Prix durchaus besetzt.

Er war sogar schon mal Zwölfter, 2004 in China.

Schumi: Positives Zeugnis

Von einem zehnten Platz beim Australien-Grand-Prix lässt sich einer wie Schumacher also längst nicht mehr aus der Ruhe bringen, im Gegenteil.

Schumacher wertete das zweite Rennen nach Beendigung seiner Renn-Rente - ganz anders als die nervöse Öffentlichkeit vom Boulevard ("Wann vergeht Schumi das Lachen?") - sogar als Fortschritt. (INTERVIEW: "Die Jungs geben Gas")

"Ich glaube, ich darf mir alles in allem ein positives Zeugnis ausstellen", bilanzierte Schumi nach dem australischen Wochenende fröhlich: "Ich bin insgesamt nicht unglücklich mit dem Rennen. Wir sind auf einem guten Weg."

Kollision mit Alonso

Klingt nach Zweckoptimismus, doch der Mercedes-Star hat einige Argumente auf seiner Seite.

Zum einen war da der chaotische Rennbeginn. Als Siebter gestartet, wurde der Deutsche bereits in der ersten Kurve von Fernando Alonso gerammt und von der Strecke geschubst. Dabei ging Schumachers Frontspoiler zu Bruch.

Schon nach den ersten Minuten fand der Rekord-Weltmeister sich daher auf dem letzten Platz wieder. "Von da an war mein Rennen mehr oder weniger gelaufen, danach konnte ich nicht mehr viel ausrichten, was die vorderen Plätze angeht." Allerdings setzte sich sein Unfall-Gegner Fernando Alonso im Ferrari nach vorne ab und wurde schließlich Vierter. (218468DIASHOW: Alonso rempelt Schumi an)

"Die Jungs geben Gas"

Auch dass er sich beinahe über die gesamte Distanz mit Jaime Alguersuari im Toro Rosso duellierte und erst in der 54. Runde am Spanier vorbeikam, beunruhigte Schumacher nach eigenem Bekunden nicht.

"Man muss über eine Sekunde schneller sein, um zu überholen", so Schumi: "Aber ich hatte kaum Chancen dazu, weil der Toro Rosso über einen sehr guten Top-Speed verfügt. Diese Jungs geben auch richtig Gas."

Haug: Das Tempo ist da

Einen Fortschritt in Sachen Geschwindigkeit will Schumacher auch beim Silberpfeil erkannt haben: "Wir waren ja teilweise schneller als die Spitze." Die Statistik gibt ihm Recht: Sie wies bei den schnellsten Rennrunden die Plätze zwei und vier für die Silberpfeile aus. (218418DIASHOW: Bilder des Rennens)

Für Schumachers Vorgesetzten Norbert Haug Grund zur Zufriedenheit: "Unser Speed war heute ein deutlicher Schritt nach vorne", urteilte der Mercedes-Motorsportchef.

Hinzu kommt der fünfte Platz vom zweiten Mercedes-Piloten Nico Rosberg, der Schumacher womöglich schmerzen wird, vom Team mit dem Stern allerdings durchaus erfreut zu Kenntnis genommen wurde. "Nico war super unterwegs. Noch ein paar Runden und ein Podium wäre drin gewesen", urteilte Haug. (DATENCENTER: Das Renn-Ergebnis)

Häme aus dem Ausland

Das australische Wochenende mag bei Mercedes GP also durchaus für Zufriedenheit sorgen, doch was nützt es dem deutschen Prestige-Projekt, wenn die Etappen-Erfolge öffentlich falsch gedeutet werden? Wenn das böse Wort vom "Schleich-Schumi" die Runde macht?

Die Urteile über den Rekord-Champion nehmen schon an Schärfe zu, besonders aus dem Ausland kamen vernichtende Schlagzeilen, die sich ein Wettrennen in Sachen Häme lieferten.

Vielleicht auch deshalb zog Schumacher tags darauf auf seiner Homepage nochmals eine öffentliche Bilanz. "Natürlich zeigt sich das nicht auf den ersten Blick, aber wenn man das Wochenende genauer analysiert, haben wir uns gut verbessert und können zufrieden sein."

Turmhohe Erwartungen

Bei einer weniger konservativen Abstimmung hätten er und sein Teamkollege "zwei bis drei Positionen besser" abschneiden können. Das hätte bedeutet, " dass wir um das Podest hätten fahren können."

Hätte, wäre, wenn, Schumacher weiß so gut wie seine Arbeitgeber, dass die Erwartungen des nervösen Publikums turmhoch sind und nur schnelle Siege dauerhaft Frieden garantieren werden.

"Müssen ein besseres Auto bauen"

Doch genau hier gerät der silberne Renner derzeit an Grenzen - noch. "Unsere Rundenzeiten sind noch nicht so gut wie die von Red Bull."

Abhilfe soll schnell geschaffen werden. "Wir müssen ein besseres Auto bauen", kündigte Teamchef Ross Brawn umgehend an.

Doch auch Schumachers engster Verbündeter versuchte vor allem Ruhe auszustrahlen: "Wir sind überzeugt, dass wir bald da sind, wo wir sein wollen."

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