vergrößernverkleinern
Jean Todt ist seit Oktober 2009 Präsident der FIA © getty

Der FIA-Boss will den Verkehrsverstößen der Piloten einen Riegel vorschieben. Fernando Alonso hält einen Knigge für übertrieben.

Kuala Lumpur - Sie lassen die Reifen qualmen, fahren bei Rot und halten sich nur selten an ein Tempolimit. Formel-1-Fahrer kennen nur die Überholspur - auf der Rennstrecke, aber zum Leidwesen der strengen Ordnungshüter nicht selten auch im normalen Straßenverkehr.

Damit soll bald Schluss sein. Jean Todt, seit Oktober 2009 Präsident des Automobil-Weltverbandes FIA, will die Rowdys unter den Rennfahrern aus dem Verkehr ziehen.

Der kleine Franzose mit dem Beinamen Napoleon will nach den jüngsten Eskapaden in Melbourne Benimmregeln für Michael Schumacher und Kollegen einführen. Das berichtet die italienische Zeitung "Gazzetta dello Sport".

Hamiltons Wagen in Melbourne beschlagnahmt

In Melbourne hatte Ex-Weltmeister Lewis Hamilton in der Nacht vor dem Rennen für Wirbel gesorgt.

Der Brite hatte unter dem Jubel der Menschen, die ihn in der Innenstadt erkannt hatten, die Räder seines mehr als 500 PS starken AMG-Mercedes durchdrehen lassen. Die Polizei fand das gar nicht lustig und beschlagnahmte Hamiltons Wagen.

Der Zwischenfall beschäftigte in Australien sogar die Politik. Tim Pallas, Verkehrsminister des Staates Victoria, in dem das Tempolimit 100 km/h gilt, hatte Hamilton via Rundfunk beschimpft.

Protokoll mit klaren Regeln

Grand-Prix-Direktor Ron Walker berichtete jetzt, Jean Todt wolle Teams und Fahrer für die Gewohnheiten in den Ländern sensibilisieren, in denen Formel-1-Rennen stattfinden.

"Das Protokoll enthält eine Liste von Dingen, die man tun oder nicht tun darf", sagte Walker.(89211DIASHOW: Land unter Sepang)

Surer: Seitenhieb gegen Mosley

Der frühere Formel-1-Fahrer Marc Surer hält den Rennfahrer-Knigge für keine besonders gute Idee.

"Mir tun die Fahrer heute leid, die dürfen ja überhaupt nichts mehr", sagte der Schweizer und fügte an die Adresse Todts gerichtet hinzu: "Er sollte mal an seinen Vorgänger als FIA-Präsident denken, der hätte auch ein paar Benimmregeln gebraucht."

Alonso hält Pläne für übertrieben

Wie erst jetzt bekannt wurde, hatte sich in Melbourne auch der zweimalige Weltmeister Fernando Alonso nicht an die Verkehrsregeln gehalten.

Der Ferrari-Pilot wurde via Handykamera gefilmt, als er etwas zu schnell fuhr. Dass ihn FIA-Präsident Todt nun einbremsen will, hält der Spanier für übertrieben.

"Ich weiß nicht, was mit Hamilton passiert ist, aber wenn ein 25-Jähriger einen Sportwagen fährt und mit den Reifen etwas Lärm macht, wir eine Woche darüber reden und nun ein Protokoll anfertigen, dann denke ich, dass das übertrieben ist", sagt Alonso. (DATENCENTER: Der WM-Stand)

Persönliche Angelegenheiten

Alonso ist in solchen Fällen auch gegen Sanktionen durch die Fahrervereinigung GPDA. Das alles seien schließlich persönliche Angelegenheiten: "Ich denke, dass wir dazu nichts sagen müssen."

Übrigens gibt es Melbourne-Temposünder Alonso auch bei YouTube zu bestaunen, was der Spanier gar nicht witzig findet: "Das Internet ist eine sehr gute Sache, aber manchmal auch eine sehr schlechte. Es gibt Leute, die es missbrauchen", sagt der 28-Jährige.

Gute Werbung oder schlechtes Benehmen?

Formel-1-Fahrer schlagen im Straßenverkehr immer wieder über die Stränge. Juan Pablo Montoya wurde einst im Diesel-BMW 330d auf französischen Autobahnen mit Tempo 238 geblitzt, erlaubt waren 130.

BMW-Motorsportdirektor Mario Theissen hielt das damals für eine gute Werbung: "Da kann man mal sehen, wie schnell unsere Diesel-Autos sind."

Auch Brawn geblitzt

Ralf Schumacher wurde kurz nach seinem ersten Grand-Prix-Sieg in Imola in seiner Wahlheimat Salzburg von der Polizei gestoppt.

Er war bei Tempolimit 100 mit 170 km/h unterwegs gewesen.

Und auch der stets so ruhig und gemütlich wirkende Mercedes-Teamchef Ross Brawn hat einen Gasfuß. Er wurde letztes Jahr auf einer Landstraße in Devon/England mit 161 km/h geblitzt, erlaubt waren 113 km/h.

Und Formel-1-Neuling Nico Hülkenberg muss 200 Euro FIA-Bußgeld zahlen, weil er am Freitag im freien Training in Kuala Lumpur in der Boxengasse mit Tempo 61 unterwegs war. Erlaubt waren 60 km/h.

Zum Forum - jetzt mitdiskutieren! Zurück zur Startseite

teilentwitternE-MailKommentare
Bitte bewerten Sie diesen Artikel