vergrößernverkleinern
Adrian Sutil liegt mit zehn Punkten auf Platz neun der Fahrer-WM © imago

Nicht nur Sebastian Vettel und Nico Rosberg zeigen in Malaysia ein starkes Rennen. Auch bei Adrian Sutil platzt der Knoten.

Von Marc Ellerich

München - Wenn Adrian Sutil in seinen Force-India-Rennwagen steigt, dann kämpft er nicht allein gegen seine Gegner auf der Strecke. Für ihn ist jeder Grand Prix auch ein Kampf ums eigene Image.

Den Deutschen, der in Starnberg geboren ist, begleitet das hartnäckige Vorurteil, er sei einer, der in den entscheidenden Momenten sein Nervenkostüm nicht im Griff hat.

Vor den großen Namen

Zu oft schon in seinen vier Jahren in der höchsten Rennserie des Motorsports fiel Sutil in der heißen Phase eines Rennens zurück, verspielte eine bessere Position oder wurde unfreiwillig gestoppt - von der anfälligen Technik seines indischen Renners oder von ungestümen Kollegen. (220861Die Bilder des Rennens)

Am Sonntag allerdings hat Sutil beim Kampf ums Fremdbild einen großen Sieg errungen.

Beim dritten Grand Prix des Jahres in der Hitze Malaysias wurde er Fünfter - vor berühmten Namen wie den Ferrari-Stars Felipe Massa und Fernando Alonso, dem Weltmeister Jenson Button oder seinem legendären Landsmann Michael Schumacher, der freilich in seinem Mercedes früh ausschied. (DATENCENTER: Das Rennergebnis)

Duell mit Hamilton

Es war das zweitbeste Ergebnis seiner Karriere, im Vorjahr war er in Monza schon einmal Vierter. Aber wichtiger dürfte Sutil ohnehin die Art und Weise gewesen sein, wie er die schöne Platzierung eroberte.

Zwanzig Runden vor dem Ende war Lewis Hamilton zu ihm aufgeschlossen, einstiger Begleiter in den Nachwuchsserien des Motorsports, Ex-Weltmeister und der einzige Pilot, den Sutil im Fahrerfeld einen Freund nennt.

"Auf der Strecke gibt es keine Freundschaft", sagte Sutil später, und viele hätten darauf gewettet, dass Hamilton das auch so sehen und rasch vorbeiziehen würde.

"Er hatte keine Chance"

Sutil jedoch hielt dem stürmischen Briten stand, er parierte alle Angriffe des McLaren-Stars und wurde zum unüberwindbaren Hindernis in Hamiltons furioser Aufholjagd vom zwanzigsten Startplatz weg bis ins Vorderfeld.

"Der Kampf war gut, er hatte keine Chance", fasste der Deutsche nach der Zieldurchfahrt das spannende Kräftemessen mit dem vermeintlich überlegenen Gegner zusammen: "Ohne Fehler wäre er nicht vorbeigekommen."

Neues Selbstvertrauen

Aber Sutil machte keinen Fehler, auch sein Auto machte keinen; kein Defekt wie beim letzten Grand Prix in Australien, keine Schwäche wie beim Saisonauftakt in der Wüste von Bahrain.

"Dieses Ergebnis habe ich gebraucht, darauf können wir stolz sein", kommentierte Sutil später sein beachtliches Resultat. Das Selbstvertrauen, welches er vor Saisonbeginn auch im Sport1.de-Interview gezeigt hatte, ist nach den beiden Nullern zuvor wieder da.

Vorwärts mit kleinen Schritten

Dass er fortan als Siegfahrer einzustufen ist, wird der immer freundliche und zuvorkommende Sohn eines Konzert-Geigers nun dennoch wohl kaum von sich behaupten.

Er will sich stattdessen weiter in kleinen Schritten durchs Feld nach vorne arbeiten, denn, so lautet die Formel-1-Regel, die er Sport1.de verriet: "Je näher man rankommt, desto enger wird es. Man muss immer extremer und besser arbeiten."

Rivale Renault

Nach den zehn WM-Punkten von Malaysia gebe es nichts an den eigenen Perspektiven zu korrigieren: "Die Ziele bleiben gleich: Wir wollen konstant den dritten Qualifying-Durchgang erreichen und auch konstant Punkte holen", sagte Sutil.

Hauptrivalen seien derzeit beide Renault mit dem schnellen Polen Robert Kubica, der das Ziel als Vierter erreichte, und dem Russen Witali Petrow, der sein Können in Malaysia aufblitzen ließ, ehe er ausschied.

Aber wenn für das indische Team einmal mehr drin ist, als die Plätze fünf bis zehn, dann will der starke Regenfahrer Sutil diese Chance natürlich nutzen. "Es ist auch schön, dass wir gegen die großen Teams kämpfen können", hielt der Deutsche nach dem Hitzerennen auf dem Sepang International Circuit zufrieden fest: "Das ist zwar nicht einfach, klappt aber ab und zu."

Dreimal in den Punkten

Der 201402VJM03, wie Sutils Renner heißt, kann inzwischen mithalten, er wird seit dem vergangenen Jahr von schnellen Mercedes-Motoren angetrieben und auch mit Knowhow der Stern-Marke aufgepäppelt. Das hat sich ausgezahlt, zum dritten Mal beendet Force India einen Grand Prix in den Punkterängen. (DATENCENTER: Der WM-Stand)

Und auch Sutil kann das inzwischen, das hat er ja nun unter Beweis gestellt. Und, wer weiß, vielleicht geht sein größter Wunsch für dieses Jahr ja sogar früher in Erfüllung, als gedacht.

"Hoffentlich ist auch mal ein Podium dabei", hatte Sutil vor dem Start in die neue Saison im Sport1-Gespräch gesagt: "Das wäre grandios."

Zum Forum - jetzt mitdiskutieren! Zurück zur Startseite

teilentwitternE-MailKommentare
Bitte bewerten Sie diesen Artikel