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Augen zu und durch? Michael Schumacher derzeit WM-Zehnter © getty

Der Countdown für Michael Schumacher läuft nach einem holprigen Saisonstart. Der Mercedes-Star hofft auf ein großes Update.

Von Marc Ellerich

München - Es sind noch 33 Tage, aber für Michael Schumacher hat der Countdown mit der Abreise aus Malaysia begonnen.

33 Tage noch: Am 9. Mai beginnt mit dem Grand Prix in Barcelona die Europa-Saison der Formel 1, und dann muss der große Wurf des Rekord-Weltmeisters kommen. Kommt er nicht, werden viele die Rückkehr des 41-Jährigen in den Elite-Zirkel des Motorsports als gescheitert betrachten.

Bereits nach drei Grands Prix mit recht bescheidenen Resultaten wird die Öffentlichkeit zunehmend ungeduldig. Sechster in Bahrain, Zehnter in Australien, nun das unverschuldete Aus in Malaysia, das Murren in den Medien wird lauter. (BERICHT: Vettel voll im WM-Rennen)

"Voll im Fahrplan"

Schumacher spürt das natürlich auch, aber noch lächelt er die Probleme bei seiner holprigen Wiedereingliederung weg. Er ja auch gute Argumente auf seiner Seite. "Ich bin eigentlich voll im Fahrplan", sagte er nach seinem Ausscheiden beim Grand Prix am Wochenende in Malaysia, und: "Es ist definitiv ein Aufwärtstrend zu erkennen." (INTERVIEW: "Bin voll im Plan")

Dass seine Saison bisher noch nicht recht zu strahlen vermag, dafür kann Schumacher nur bedingt etwas. Er selbst führte seinen neunten Platz in der Fahrer-WM nicht auf seine persönliche "Entrostungsphase" zurück, sondern auf das mangelnde Leistungsvermögen des silbernen Renners: "Das Auto ist nicht ganz im Fahrplan." (DATENCENTER: Der WM-Stand)

Blick nach Spanien

Der Fahrplan. Es wird wohl kaum so sein, dass der deutsche Starpilot die Tage bis zum Beginn der europäischen Saison herunterzählt, doch in Malaysia blickte er demonstrativ nach Spanien und nicht in Richtung des nächsten Rennens, das in knapp zwei Wochen in China stattfindet.

"In Barcelona kommt noch einiges dazu", kündigte Schumacher auf dem Sepang International Circuit an: "Es kommen noch einige gute Sachen für uns."

Ein großes Technik-Update soll den MGP-W01 endlich aufs Niveau der schnelleren Konkurrenz heben - und Schumacher endlich bessere Schlagzeilen bescheren. "Wir arbeiten hart daran, Michael so schnell es geht, ein siegfähiges Auto hinzustellen", sagte Mercedes-Teamchef Ross Brawn in Kuala Lumpur.

Ende der Schonfrist

"Wir hoffen, dass unser Schritt größer ist, als der der Konkurrenz", sagte Schumacher. Er weiß: Beim Spanien-Rennen endet seine Schonfrist. Findet dort kein Durchbruch statt, gehen ihm und dem Team mit dem Stern allmählich die Argumente aus.

Bislang kann Schumacher mit dem Fahrverhalten des silbernen Boliden argumentieren, das nicht zu seinem Stil passt. "Michael gewöhnt sich noch ein", erklärte Brawn die Schwierigkeiten seines langjährigen Vertrauten: "Es wird ein paar Rennen dauern, bis er genau versteht, wie er die Reifen nutzen muss und wie diese Autos funktionieren."

Und bisher stellen sich nicht nur Brawn und Mercedes-Motorsportchef Norbert Haug vor den berühmten Formel-1-Rückkehrer. "Michael ist stark wie immer", sagte der Schwabe nach dem Australien-Rennen.

Haugs Entschuldigung

Nach dem technischen K.o. in Malaysia entschuldigte er sich im Namen des Teams bei seinem Vorfahrer. "So etwas sollte nicht passieren", kommentierte Haug den unvermittelten Verlust einer Radmutter, der das Rennen für Schumacher beendete: "Wir werden hart arbeiten, um das abzustellen."

Auch Schumis um Jahre jüngere Nachfolger in der PS-Liga haben die Formel-1-Legende noch längst nicht abgeschrieben. "Michael wird sich in kürzester Zeit noch massiv steigern und ein extrem schwerer Gegner für uns alle", vermutete Ex-Champion Lewis Hamilton im "Welt"-Interview.

Sein McLaren-Teamkollege, Weltmeister Jenson Button, sagte: "Michael ist schnell, genau wie erwartet. Ich schreibe Mercedes für die Weltmeisterschaft sicher noch nicht ab."

Rosberg aus dem Schatten

Einer jedoch tritt von Rennen zu Rennen immer mehr aus dem langen Schatten Schumachers: Teamkollege Nico Rosberg.

In allen drei Qualifyings der noch jungen Saison war der Weltmeister-Sohn schneller als sein 17 Jahre älterer Kollege, auch in den Rennen lag Rosberg dann stets vor Schumacher.

Und beim Grand Prix am Sitz des Titelsponsor war er es, dem mit seiner Fahrt auf den dritten Platz ein historisches Resultat für die neuen Silberpfeile gelang.

Trost vom Jüngeren

Inzwischen muss sich Schumacher von Rosberg sogar tröstende Worte anhören. "Dass er Schwierigkeiten haben würde, war doch klar", sagte der Jüngere vor dem Malaysia-Rennen: "Er ist drei Jahre nicht gefahren, das ist verdammt lange. Michael wird noch stärker werden." (Rosberg redet Schumi stark)

Schumacher muss in Barcelona also nicht nur der Welt beweisen, dass er noch mithalten kann, sondern auch seinem Team.

Kann er das nicht, wird er bei Mercedes fortan nur noch als Nummer zwei geführt. Und diese Rolle hat Michael Schumacher in seiner strahlenden Karriere noch nie besetzt.

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