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Nico Rosberg liegt mit 50 Punkten auf dem zweiten WM-Platz © imago

Nico Rosberg rettet Mercedes in Schanghai vor der Blamage. Er selbst traut sich nun viel zu - sein Team ist noch vorsichtig.

Von Marc Ellerich

München - Im Moment, so sieht es aus, kann Nico Rosberg nichts aus der Ruhe bringen, nicht einmal der berüchtigte isländische Vulkan mit dem unaussprechlichem Namen.

Während sich die komplette Formel 1 den Kopf zerbricht, wie sie nach dem Grand Prix in Schanghai zurück in die jeweilige Heimat kommt, hat Rosberg seinen Plan längst parat: Er wird den Eyjafjallajökull und dessen lästige Aschewolken einfach umkurven, so wie er es am Wochenende in China mit den meisten seiner Rivalen tat. (DATENCENTER: Das Rennergebnis)

Der Mercedes-Pilot, strahlender Dritter beim vorerst letzten Asien-Rennen und frischgebackener WM-Zweiter, gönnt sich nach dem aufreibenden Grand Prix erst einmal eine Woche Urlaub in Thailand - fernab jeglicher Vulkanasche und weit weg von allen Konkurrenten in der Königsklasse.

Aus Schumis Schatten

Entspannung ist garantiert beim Kurztrip ins Urlaubsparadies nach einem grandiosen Start ins Formel-1-Jahr: 50 Punkte hat der Sohn des Ex-Weltmeisters Keke Rosberg in den ersten vier Rennen auf seinem WM-Konto angesammelt, zehn weniger als der derzeit Führende, Schanghai-Sieger Jenson Button. (DATENCENTER: Der WM-Stand)

Und mindestens ebenso wichtig: Er hat den langen Schatten des einstigen Vorfahrers Michael Schumacher längst verlassen. Mehr noch: Rosberg ist derzeit die klare Nummer eins im Team mit dem Stern. (INTERVIEW: "Jetzt bin ich vor ihm")

Lauda: Eine Glanzleistung

"Im Moment passt alles", berichtete Rosberg nach dem turbulenten Rennen im chinesischen Regen (226242Bilder des Rennens). Bei seinem vor dem Saisonstart als vermeintlich übermächtig eingestuften Teamkollegen hingegen scheint derzeit alles schiefzugehen.

Während der frühere Regengott auf nasser Piste absoff, gelang Rosberg ein Triumphzug. In einem Auto, das von Experten nach wie vor als zu langsam eingestuft wird.

"Eine Glanzleistung", schwärmte zum Beispiel der dreimalige Weltmeister und heutige TV-Experte Niki Lauda. Schumacher hingegen habe "eine schwache Leistung im Vergleich zu Nico" dargeboten, "er ist Mittelmaß".

Lob von Haug

Taktisch und - wie schon in den Grands Prix zuvor - auch fahrtechnisch ist Rosberg Schumacher derzeit deutlich voraus.

Auch vom Team erntete der jugendliche Held viel Lob. "Nico hat sich bestens verkauft", pries Mercedes-Motorsportchef Norbert Haug, der alle Hände voll zu tun hatte, dem schwer angeschlagenen Denkmal Schumacher den Rücken zu stärken.

"Michael ist eine Institution", verkündete Haug in Schanghai: "Ich würde nicht zu früh den Stab brechen."

Mehr Freude hingegen, das musste auch der mächtige Mercedes-Funktionär einräumen, bereitet ihm derzeit der Jüngere: "Zwei Podien für Nico - und das in Folge - sind eine großartige Leistung."

Rosberg staunt

Vom vermeintlichen Lehrling zum Hoffnungsträger - der Vielgelobte, so scheint es, reibt sich nach seinem Turbo-Start in die Saison selbst verwundert die Augen. "Vor Saisonbeginn hatte ich gehofft, auf einem Level mit Michael zu fahren. Das wäre für die ganze Saison fantastisch gewesen", staunte er in Schanghai: "Jetzt bin ich vor ihm. Das ist großartig, aber ich denke, dass er schon am nächsten Rennwochenende wieder da sein wird."

Einen Kurswechsel zu vollziehen und ganz auf Rosberg zu setzen, erscheint den Mercedes-Verantwortlichen derzeit viel zu früh. Zum einen, weil sie weiterhin mit Schumacher rechnen (müssen), der zum Europa-Start der Königsklasse in drei Wochen in Barcelona in einem generalüberholten Mercedes sitzen wird. (Schumachers Schonfrist läuft in Europa ab)

Leichte Zweifel

Zum anderen, weil das Team offenbar daran zweifelt, dass sich Rosberg im hart geführten WM-Duell wirklich gegen Rivalen wie das McLaren-Duo Button und Hamilton, Ferrari-Star Fernando Alonso oder auch seinen schnellen Landsmann Sebastian Vettel durchsetzen kann.

Im Moment ist Rosberg bester deutscher Pilot in der PS-Liga. "Das wird vielleicht nicht so bleiben", orakelte Haug in China.

Doch freiwillig wird der 24-Jährige, der in Wiesbaden geboren wurde, längst aber nach Monte Carlo umgezogen ist, das Feld nicht räumen, das machte er in Schanghai deutlich.

"Kann großartige Arbeit leisten"

"Ich bin sehr zuversichtlich, dass ich dieses Jahr großartige Arbeit leisten kann", kündigte Rosberg an und blickte forsch nach vorne.

"Wenn ich sehe, wie nahe wir heute an Red Bull dran waren, dann bin ich für die nächsten Rennen guter Dinge", analysierte er. Den Abstand zur Scuderia Ferrari habe man beinahe ausgeglichen, nur noch Vettels Red Bull Team sei im Moment einen Schritt voraus.

"Unser Entwicklungsplan ist sehr ermutigend", sprach Rosberg also und meinte damit natürlich sein silbernes Auto. Aber auch für ihn gilt ganz gewiss dasselbe.

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