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Jenson Button führt die WM-Wertung mit 60 Zählern an © imago

Mit seinem zweiten Sieg im vierten Rennen punktet Jenson Button in der WM - und im Duell gegen seinen Teamkollegen Hamilton.

Von Marc Ellerich

München - Für Jenson Button gab es nicht einen Hauch von Zweifel. "Das war mein bester Sieg", strahlte der englische McLaren-Star im Presseraum von Schanghai. (DATENCENTER: Das Rennergebnis)

Warum? "Man denkt jedes Mal, dass ein Grand-Prix-Sieg der beste ist", erläuterte Button: "Aber dieser war etwas ganz besonderes, denn es waren harte Bedingungen." (BERICHT: Doppelsieg von McLaren)

Was nur die halbe Wahrheit ist. Es stimmt, der Weltmeister hatte beim hektischen Regenrennen in der chinesischen Metropole fast alles richtig gemacht, vor allem er hatte seine Rivalen im Reifen-Poker ordentlich düpiert. Als fast das gesamte Feld in der Startphase des Grand Prix auf Intermediate-Pneus wechselte, behielt Button die Nerven und seine Slicks am Auto. Treffer!

"Das war kein Glück"

Auch im weiteren Rennverlauf zog der smarte Engländer stets die richtige Reifen-Karte. Und vor allem wegen dieser klugen Entscheidungen weigerte er sich danach von einem glücklichen Sieg zu sprechen. "Das war kein Glück", betonte Button: "Wir haben einfach alles richtig gemacht." (226242Bilder des Rennens)

Seinen Ruf als "Reifenflüsterer" hat Button mit dem stolzen Triumph in Asien weiter untermauert. Doch die eigentliche Befriedigung verschaffte dem ehemaligen Brawn-Piloten etwas, worüber er in Schanghai natürlich kein Wort verlor.

Brillanter Hamilton

Zum zweiten Mal binnen vier Rennen hat Button nun seinen Teamkollegen hinter sich gelassen. Lewis Hamilton führte auf dem Shanghai International Circuit ein Regenrennen vor, das man ohne Zweifel in die Rubrik "brillant" einordnen muss. An Button jedoch kam er nicht heran, eineinhalb Sekunden trennten die beiden zum Schluss.

Dem Sieger und neuen WM-Führenden wird diese Winzigkeit ziemlich schnuppe sein, Hauptsache Erster, "the winner takes it all". (DATENCENTER: Der WM-Stand)

2:0 nach Siegen

Für Button waren die 25 Sieger-Punkte eminent wichtig, denn welch harten Kampf er im englischen Renommier-Team zu bestehen hat, wurde auch am Tag nach seinem Sieg deutlich.

2:0 nach Siegen steht es nun für ihn, auch im Qualifying-Duell hat er mit 3:1 die Nase vorne, doch noch immer muss Button mit Schlagzeilen wie jener in der Londoner "Times" leben: "Jenson muss immer noch viele seiner Zweifler überzeugen", stand in der Zeitung zu lesen.

"Absoluter Irrsinn"

Doch das ist längst kein Vergleich mehr zu den Prognosen vieler Experten vor dem Saisonbeginn, die den Wechsel des 30-Jährigen ins vermeintliche Hamilton-Team als "absoluten Irrsinn" einordneten, so wie der frühere britische Rennfahrer Eddie Irvine.

So war der Tenor: Egal, wer gefragt wurde, die Antwort war stets dieselbe: Button sei ein Zufalls-Weltmeister und chancenlos gegen den ungleich begabteren Kollegen.

Button nahm es cool hin, und inzwischen hat der Sonnyboy, der bis zu seinem Titelgewinn im Vorjahr als verlorenes Talent galt, viele Skeptiker für sich eingenommen.

Whitmarsh: Keine Überraschung

"Der Titelverteidiger macht alles richtig", lobte der "Independent". "Jenson Button ließ wieder erkennen, dass er und nicht Lewis Hamilton bei McLaren glänzen wird", gratulierte die "Daily Mail". Und die Experten staunen mittlerweile - oder schweigen längst.

Seinen Teamchef Martin Whitmarsh hat der Weltmeister ebenfalls überzeugt, wenn er es denn jemals musste. "Fantastische Arbeit", lobte er Button.

"Jeder, der das gesehen hat, wird sagen, dass die Siege mehr als verdient waren", pries er den Champion: "Das waren Siege des Fahrers. Rennen, in denen der Pilot den Unterschied machen musste - und genau das hat er dann auch getan."

Eine Überraschung sei Buttons Turbo-Start ins Jahr jedenfalls nicht.

Eine Woche Urlaub

Nun entspannt sich der Weltmeister erst einmal im einwöchigen Kurzurlaub, wie er noch in Schanghai ankündigte.

Danach will er wieder angreifen. Aber nicht seinen Teamkollegen, sondern vielmehr das Red-Bull-Duo Sebastian Vettel und Mark Webber.

Vor allem den Deutschen fürchtet der Brite im Moment offenbar mehr als den eigenen Kollegen.

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