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Nicht mehr der Alte? Schumacher musste in 16 Jahren Formel 1 schon viel Kritik einstecken © getty

Die Kritik an Michael Schumacher wird immer lauter. Der Formel-1-Boss jedoch findet das Comeback "magisch". Ralf fordert Fairness.

Von Julian Meißner

München - Als Michael Schumachers Comeback im Dezember vergangenen Jahres als perfekt gemeldet wurde, war die Begeisterung rund um den Globus einhellig.

Doch nach den ersten vier Saisonrennen, in denen der 41-jährige Rekordweltmeister mit den Top-Piloten der neuen Generation nicht mithalten konnte, werden die kritischen Stimmen immer lauter.

"Ein Desaster", ätzte beispielsweise Formel-1-Veteran und DTM-Neuling David Coulthard über Schumachers Performance beim Großen Preis von China in Schanghai: "Eines der schwärzesten Wochenenden seiner Karriere."

Die Zahlen sprechen Bände: Nach dem ordentlichen sechsten Rang zum Auftakt folgten zwei zehnte Plätze und ein Ausfall, in der WM-Wertung ist Schumacher Neunter.

"Das hat er nicht verdient"

Kein geringerer als Formel-1-Boss Bernie Ecclestone nimmt Schumacher nun angesichts der herben Kritik in Schutz: "Jeder, der Michael kritisiert, macht einen Fehler. Das hat er nicht verdient", sagte Ecclestone der "Sportbild".

"Michaels Mercedes-Comeback ist magisch", gibt sich Ecclestone, der Schumacher angesichts des allgemeinen Reisechaos mit einem Plätzchen in seinem Privatjet zurück nach Europa aushalf, unbeeindruckt von den Expertenmeinungen.

Dem geschäftstüchtigen Briten kommt die Wiederkehr des Superstars und die damit verbundene mediale Aufmerksamkeit natürlich äußerst gelegen.

Ecclestone sagt sogar über die als "Traumehe" gefeierte Liaison zwischen Schumacher und Mercedes: "Ich kenne keine andere Kombination, die einerseits so sehr fasziniert, andererseits das Potenzial hat, extrem erfolgreich zu sein. Vielleicht noch Fernando Alonso und Ferrari."

Fehlt es nur am Fahrzeug?

Für Ecclestone - wie auch für Mercedes-Motorsportchef Norbert Haug - ist das Auto schuld an den mäßigen Vorstellungen Schumachers. "Der Mercedes war in den ersten vier Rennen einfach noch nicht auf dem Niveau des Red Bull und des Ferrari."

Dass Schumacher in bisher 19 von 20 direkten Vergleichen mit seinem Teamkollegen Nico Rosberg den Kürzeren zog, nimmt der 79-Jährige nicht allzu ernst: "Nico ist sehr talentiert. Aber Michael war drei Jahre lange in den Ferien."

Sein Appell: "Unterschätzt Michael nicht! Gebt ihm etwas Zeit, sich an die neuen Autos und Reifen zu gewöhnen. Er ist praktisch wie ein Neuling, der noch lernen muss." Ecclestone ist sicher: "Michael wäre nicht zurückgekommen, wenn er nicht wüsste, dass er es noch draufhat. Er ist nicht als Tourist hier, er ist hier, um zu gewinnen. Das wird er."

Ralf: "Leute, bleibt fair!"

Auch Coulthard, einer der schärfsten Kritiker Schumachers, sagt: "Wer Michael kennt, der weiß, dass er jetzt noch härter an sich arbeiten wird.?

Zur Seite steht Michael sein Bruder Ralf Schumacher: "Leute, geht ein bisschen vom Gas mit Eurer Kritik und bleibt fair", forderte Schumacher, der am Wochenende in seine dritte DTM-Saison startet, in der "Bild"-Zeitung.

"Der Michael hat bisher alles gepackt, und das wird auch diesmal so sein", so der 34-Jährige, der immer wieder selbst mit einem Formel-1-Comeback liebäugelt.

Wenige Test-Kilometer

Ralf Schumacher rechnet damit, dass Michael "seinen Fahrstil noch ein bisschen an das Auto anpassen muss."

Dies würde allerdings Zeit erfordern, da Testfahrten verboten sind und somit nur die Freitagstrainings vor den Rennen bleiben. Und eben der Wettkampf.

Doch der "kleine" Schumacher ist optimistisch hinsichtlich der Chancen seines großen Bruders: "Was die Zeiten angeht, ist er nicht so weit weg wie es von den Punkten her den Anschein hat. Ich halte ein gutes Ergebnis schon bald für möglich."

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