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Michael Schumacher liegt in der WM gleichauf mit Adrian Sutil auf Platz neun © imago

Michael Schumacher gibt sich in der Nachbetrachtung des China-Grand-Prix selbstkritisch. Ein Ex-Kollege verrät intime Details.

Von Julian Meißner

München - Während Michael Schumacher den Katastrophen-Auftritt von Schanghai abhaken will, verstummen die Kritiker des Mercedes-Piloten nicht - ganz im Gegenteil.

Ein ehemaliger Teamkollege des Rekord-Weltmeisters plauderte nach der enttäuschenden Performance in China aus dem Nähkästchen.

Der Ex-Pilot der Scuderia Ferrari, der namentlich nicht genannt werden will, wird vom britischen "Independent" zur Verfassung Schumachers zitiert:

"Er war immer sehr verletzlich, wenn er verloren hat, wann auch immer ich ihn geschlagen habe. Es war, als bräuchte er danach eine Umarmung. Man konnte sehen, dass er seinen Kopf hängen ließ nach vier Rennen, in denen Rosberg schneller war. Er ist das einfach nicht gewöhnt."

Ehrgeiz auch auf der Piste

Sogar beim traditionellen Ferrari-Ski-Event in Madonna di Campiglio habe Schumacher immer der Schnellste sein müssen.

"Wenn er das nicht war, verlangte er eine weitere Fahrt, bis er vorne war. So besessen war er", erklärte der geheimnisvolle Informant, der sich nicht vorstellen kann, dass der Rekord-Champion noch die Kurve kriegt: "Nach der Prügel, die er am Sonntag kassiert hat, bei Bedingungen, in denen der alte Michael Schumacher glänzte, glaube ich nicht, dass er je wieder zu seinem alten Level zurückfindet."

Schumi selbstkritisch

Schumacher ging schon direkt nach dem Rennen offensiv mit der Situation um und gab sich selbstkritisch. Genauso in der Nachbetrachtung: "Das war eines der Rennen, die man schnell vergessen möchte, und das gilt für das ganze Wochenende", schrieb Schumacher auf seiner Homepage: "Es war nicht gut für mich und nicht gut von mir."

Schumacher, der im Qualifying Rang neun und im Rennen Platz zehn erreicht hatte, weiter: "Ich akzeptiere es als eine weitere Erfahrung, auch wenn es enttäuschend war, dass ich meine Reifen nicht besser zum Funktionieren brachte.

Rückendeckung vom Chef

Auch seine Strategie sei "nicht sehr beeindruckend" gewesen: "In den letzten zehn Runden kamen mir meine Reifen mehr wie Slicks vor als wie Intermediates." In der Schlussphase wurde der einstige Regenspezialist sogar von Formel-1-Neuling Witali Petrow im Renault überholt.

Während sich die Fans langsam echte Sorgen um den einstigen Überflieger machen, bekommt Schumacher aber auch eine Menge Rückendeckung.

"Keine Angst, er hat das Autofahren nicht verlernt", wiegelte Mercedes-Motorsportchef Norbert Haug ab: "Wir haben ihn und das Fahrzeug noch nicht so zusammengebracht. Spätestens in Barcelona werden wir das klären. Ich denke aber, an diesem Auto ist etwas. Das müssen wir allerdings erst noch untersuchen. Das kann man bei den Überseerennen nicht in den Griff kriegen, weil die Autos nicht zurückgeflogen werden."

Flug-Chaos ebbt ab

Nun ist die erste Überseephase vorbei und das Formel-1-Equipment nach den vulkanbedingten Turbulenzen auf dem Weg in die Heimat.

Noch am späten Donnerstag werden die Frachtmaschinen der "Formula One Management" auf europäischem Boden erwartet, die letzten Team-Mitarbeiter dürften wenig später folgen.

Eine Verzögerung, die die Teams trotz der dreiwöchigen Pause zwischen den Rennen in China und Spanien am 9. Mai zusätzlich unter Druck setzt.

Rosberg obenauf

Nico Rosbergs Stimmung ist trotz aller logistischer Probleme verständlicherweise auf einem Hoch. Und der WM-Zweite sieht noch großes Steigerungspotenzial bei der Silber-Crew.

"Ich glaube nicht, dass uns diese Strecke besonders entgegenkommt, sondern wir haben echte Fortschritte gemacht", erklärte der 24-Jährige nach dem Rennen in China: "Mit so einem großen Schritt hätten wir gar nicht gerechnet."

Im Schanghai hatten die Silberpfeile mit einem neuen Heckflügel die Distanz zur Konkurrenz verringert und den ominösen F-Schacht für einen Einsatz am MGP-W01 zumindest getestet.

Entwicklungsplan "sehr ermutigend"

"Der Heckflügel ist nur ein Teil davon, aber besonders für die nächsten Rennen erwarten wir zahlreiche technische Neuerungen", sagte Rosberg, für den der Entwicklungsplan "sehr ermutigend" ist: "Wenn ich sehe, wie nahe wir an Red Bull dran waren, dann bin ich für die nächsten Rennen guter Dinge. Natürlich ist es nicht einfach, denn die anderen pushen auch wie verrückt, aber wir wollen es noch besser machen und den Abstand verkürzen. Vier Zehntel sind nicht viel."

Rosberg nimmt die Spitze ins Visier: "Ferrari haben wir schon fast eingeholt. Danach kommt nur noch Red Bull."

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