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Lewis Hamilton fährt seit 2007 für McLaren in der Formel 1 © getty

32 Überholmanöver hat Lewis Hamilton in den ersten Grands Prix gezeigt. Die WM führt dennoch ein anderer an - Teamkollege Button.

Von Marc Ellerich

München - Am besten treffen es wohl die Worte des Teamkollegen, wenn dieser Lewis Hamilton beschreiben soll.

"Dieser Bursche gibt einfach niemals auf. Er ist wie ein Pitbull", sagte Weltmeister Jenson Button über seinen englischen McLaren-Kollegen nach dem Doppelsieg des Teams beim chinesischen Grand Prix in Schanghai.

Und tatsächlich: Hamiltons erstaunliche Fahrt auf Platz zwei sorgte gleichermaßen für Raunen und Begeisterung beim chinesischen Publikum.

Ärger der Rivalen

In den Rennen davor, auf den Tribünen in Melbourne und Kuala Lumpur, war es ähnlich. Jedes Mal war der Weltmeister von 2008 unter Applaus wie entfesselt von weit hinten bis ganz nach vorne - dank eben jener Tugenden, die Button so treffend in Worte fasste. (229973DIASHOW: Rosberg überstrahlt erstes Viertel)

Sagenhafte 32 Gegner hat der Brite mit seinem mutigen Fahrstil in den ersten vier Rennen des Jahres umkurvt. Nicht jedem hat das gefallen, so wie den WM-Rivalen Sebastian Vettel und Fernando Alonso oder der Konkurrenz von Renault, mit denen Hamilton bei seinen Aufholjagden aneinandergeriet.

Glimpfliche Strafen

Während Vettel in China nach einem Rempler bei der Boxen-Ausfahrt Befürchtungen hegte, Hamilton wolle ihm die Hinterräder aufschlitzen, forderte Renault nach dem Malaysia-Grand-Prix offen eine Bestrafung des Engländers, der hinter dem Russen Witali Petrow in Schlangenlinien über den Parcours gewedelt war.

"Es ist enorm wichtig, dass du so etwas im Zweikampf nicht machst", zürnte Petrows Teamkollege Robert Kubica.

Doch bisher kam der McLaren-Star bei seinen ungestümen Fahrten an den Grenzen des Regelwerks mit Verwarnungen durch die FIA-Kommissare davon. Doch lange werde das nicht mehr gut gehen, orakelte Hamiltons früherer Teamkollege Alonso.

Warnung von Alonso

"Lewis hat einige Verwarnungen bekommen, und wenn er im nächsten Rennen etwas anstellt - und sei es noch so gering - dann wird er wegen der beiden letzten Grands Prix bestraft", sagte der Spanier über den Rivalen, der ihn einst zum vorzeitigen Abschied von McLaren trieb.

Hamilton lässt das kalt. "Ich fahre jedes Mal mit viel Herz und immer am absoluten Maximum", sagt er über sich selbst. Bei den Rennkommissaren bedankte er sich für deren glimpfliche Behandlung. "Wir Piloten haben jetzt keine Angst davor, uns auf einen Zweikampf einzulassen. Wir haben nicht die Sorge, eine Strafe zu riskieren. Das ist fantastisch!"

"Er hat den besseren Job gemacht"

Den Briten treibt momentan ohnehin etwas ganz anders um: Nicht er, sondern der wesentlich defensivere Teamkollege Button führt derzeit die WM-Wertung an. Er selbst liegt elf Punkte zurück auf dem dritten Platz. (HINTERGRUND: Reifenflüsterer straft die Kritiker Lügen)

Eine Situation, die dem von Experten vor Saisonbeginn höher eingeschätzten Hamilton kaum schmecken wird. Doch bisher ist er weit davon entfernt, einen neuen Stallkrieg gegen Button vom Zaun zu brechen. "Er hat bisher den besseren Job gemacht", gab der 25-Jährige ziemlich friedlich zu: "Ich hatte einige großartige Rennen, doch Jenson hat die richtigen Entscheidungen getroffen und den einfacheren Weg gewählt."

Er selbst habe hingegen "die härtere Route eingeschlagen".

Angriffslustiger Hamilton

Dass der jüngere der beiden McLaren-Stars sich nun ein Beispiel am erfahrenen Champion nehmen und auf die sanfte Tour fahren wird, ist nicht zu erwarten. Im Gegenteil, Hamilton sprüht vor dem ersten Europa-Rennen der Königsklasse in Spanien am zweiten Mai-Wochenende vor Angriffslust.

"Je besser der Fahrer ist, den du an deiner Seite hast, umso heftiger ist es", klärte Hamilton über das Konkurrenzdenken in seinem Formel-1-Team auf: "Es gibt mehr Druck, das ist definitiv nicht einfach."

Dennoch ist er sicher, er werde im Zweikampf mit Button das bessere Ende für sich haben. Das Blatt werde sich wenden, kündigte Hamilton an - und zwar in aller Freundschaft: "Das Gute an Jenson und mir ist, dass wir uns unbedingt gegenseitig schlagen wollen."

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