vergrößernverkleinern
Fernando Alonso hat sich seine Daumen für 10 Millionen Euro versichern lassen © getty

Fernando Alonso bringt sich vor dem Spanien-Grand-Prix in Stimmung: Er lästert gegen Schumi und würde Massa wieder rempeln.

Von Marc Ellerich

München - Fernando Alonso hat sich dieser Tage schon einmal in Stimmung gebracht für den wichtigen Spanien-Grand-Prix in Barcelona.

Jedenfalls gab der Ferrari-Star aus Oviedo eine knappe Woche vor seinem Heimrennen verbal schon mal ordentlich Gummi. Opfer seines Spotts wurde ausgerechnet sein früherer WM-Rivale Michael Schumacher.

"Schumacher zu überholen, ist eine so großartige Sache, dass man noch eine Woche lang darüber spricht", ließ sich der Weltmeister von 2005 und 2006 im "Corriere de la Sera" zitieren. Schumachers Rückkehr in die Eliteklasse des Motorsports habe ihn überrascht: "Er hätte doch ein ruhiges Leben führen und auf eine gute Vergangenheit zurückblicken können", stichelte er.

Hochmut oder Frust?

Und - um den Tifosi der Scuderia Zucker zu geben - setzte Alonso noch einen drauf. "Die Art und Weise, wie er Ferrari verlassen hat, hat es mir einfach gemacht, Fuß zu fassen", kommentierte er Schumachers Abschied von Ferrari zu Mercedes, der bei vielen italienischen Fans nicht gut ankam. (Alonso: "Moment der Wahrheit")

Böse Worte. Doch spiegeln Alonsos Attacken am Ende vielleicht gar nicht den Hochmut des Unangreifbaren wieder - Alonso ließ Schumacher in den ersten vier Rennen drei Mal hinter sich?

Es könnte auch eine gehörige Portion Frust im Spiel sein, weil es für den Spanier bisher noch nicht so rund läuft wie erwartet. Denn nicht nur Schumacher steht vor dem Europastart der PS-Liga am Wochenende unter großem Druck, auch Alonso muss ganz vorne mitmischen, um im WM-Rennen nicht weiter an Boden zu verlieren.

Brundle sieht Stallkrieg

Zwar rettete Ferraris Neuzugang beim chaotischen Regenrennen in China als Vierter was zu retten war, vor allem den dritten Platz in der WM-Wertung elf Punkte hinter dem Führenden Jenson Button (McLaren). (DATENCENTER: Der WM-Stand)

Doch der Grand Prix bescherte dem Vorfahrer nicht nur positive Kommentare, nachdem er seinen Teamkollegen Felipe Massa mit einem rüden Manöver bei der Einfahrt in die Boxengasse aus dem Weg geräumt hatte. (Alonso und Massa: Machtprobe in Runde 19)

Der frühere englische Rennfahrer Martin Brundle sieht nicht nur wegen dieser Aktion den Stallkrieg bei Ferrari längst entbrannt. "Ich sehe durchaus etwas Spannung in dieser Beziehung und weiß, dass Massa nicht gerade erbaut war über das Boxenmanöver von Alonso", sagte Brundle der "BBC": "Da darf man sicherlich eine Reaktion erwarten."

Zwei kaputte Motoren

Hinzu kommen die Motoren-Probleme der Roten, die Alonso in Malaysia zwei Runden vor Schluss aus dem Rennen warfen und das Team wiederholt zu unplanmäßigem Austausch der Aggregate zwangen.

Dass man die Probleme gelöst habe, wie Alonso wiederholt beteuerte, glaubt nicht jeder. Brundle geht deshalb sogar noch weiter: "Ich verspüre im Ferrari-Lager und bei den Piloten generell eine gewisse Frustration und auch eine Unzufriedenheit."

Davon jedoch ist Alonso öffentlich nur wenig anzumerken. Vor Publikum macht er unverdrossen auf Schön-Wetter. So schmierte er seinem Team und dessen Anhängerschar wieder einmal einen ganzen Eimer voller Honig ums Maul: Für Ferrari zu fahren, sei noch besser als er erwartet, Ferrari sei "eine Leidenschaft, eine Philosophie, ein Lebensstil", er selbst sei ganz ergriffen davon.

"Ferrari ist der Favorit"

Und fürs WM-Rennen mache er sich ohnehin keine Sorgen. "Red Bull ist stärker im Qualifying und sehr schnell. Aber wir können im Rennen aufholen", bekräftige er: "McLaren weiß, wie man ein Auto sehr schnell entwickelt, aber wir können das auch. Alles in allem: Ferrari ist der Favorit auf den Titel."

Als Beleg für Ferraris hohes Tempo im diesjährigen Entwicklungsrennen mag Alonso die fieberhafte Arbeit seines Teams am ominösen F-Schacht-System dienen.

Kommt der F-Schacht?

In Training für den Spanien-GP wollen die Roten die nächste Stufe des Aero-Tricks zünden, nachdem Testpilot Giancarlo Fisichella am Wochenende auf der Strecke in Vairano erste Erfahrungen mit einem aktiven F-Schacht gesammelt hatte.

Ob die neue Version, die den Ferrari auf der Geraden schneller machen soll, bereits im Rennen zum Einsatz kommen wird, ist laut "Motorsport aktuell" allerdings immer noch offen. Gleichwohl wird die Fortentwicklung des roten Renners daheim bereits als F10 Evo gefeiert.

Bliebe als weitere Baustelle noch das Binnenklima. Er genieße die Arbeit mit Massa, versuchte Alonso seine Attacke auf den eigenen Kollegen herunterzuspielen. (227871DIASHOW: Legendäre Duelle der Formel 1)

"Ja, absolut!"

"Felipe und ich ergänzen uns", beteuerte Alonso: "Er hat das, was mir in den Kurven fehlt, ich bin dafür woanders schneller" Voneinander zu lernen sei das Geheimnis.

Gleichzeitig machte sich der Spanier keine Mühe, mit seiner wahren Meinung zu dem umstrittenen Manöver hinter dem Berg zu halten. Ob er so ein Manöver in einer ähnlichen Situation wieder auspacken würde, wurde er gefragt. Die Antwort: "Ja, absolut!"

Reue? Fehlanzeige. Fernando Alonso, so viel steht fest, ist längst in Stimmung für seinen Heim-Grand-Prix.

Zum Forum - jetzt mitdiskutieren!Zurück zur Startseite

teilentwitternteilenE-MailKommentare
Bitte bewerten Sie diesen Artikel