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Michael Schumacher liegt derzeit mit zehn Punkten auf WM-Platz neun © imago

Michael Schumacher steht vor dem Spanien-GP unter Druck. Schumi dreht erste Runden im neuen Auto und räumt seine Defizite ein.

Von Marc Ellerich

München - Michael Schumacher und sein Mercedes-Team stehen vor dem Europa-Auftakt der Formel 1 beim Spanien-Rennen in Barcelona unter gewaltigem Druck (Training, Fr. ab 10 Uhr LIVE und live auf SPORT1).

Der Rennstall will seinem Vorzeige-Fahrer beim fünften Grand Prix des Jahres unbedingt ein konkurrenzfähiges Auto mit auf den Weg geben, mit dem der Rückkehrer endlich das erste richtige Erfolgserlebnis der noch jungen Saison einfahren kann.

Dass Barcelona die "letzte Chance für Schumacher" ist, wie das seriöse Fachportal "auto, motor und sport" titelt, darf getrost bezweifelt werden, doch machen derartige Überschriften deutlich, wie kritisch die Öffentlichkeit das Comeback des Rekord-Weltmeisters mittlerweile beurteilt. 50681(DIASHOW: Schumachers Karriere in Bildern).

Alonso lästert

Landet Schumacher auf dem Circuit de Catalunya erneut auf der Hinterbank, wie zuletzt beim chinesischen Grand Prix, dürften viele Fans den Wiedereinstieg ihres früheren Lieblings nach nur fünf Rennen als gescheitert betrachten.

Bereits jetzt fallen viele sogenannte Experten, vor allem Rennfahrer aus der Steinzeit des Motorsports, öffentlich über den deutschen Star her. Die englische Rennlegende Sir Stirling Moss behauptete etwa, Schumacher habe seinen "Zenit überschritten" (Spott-Regen über Schumi).

Und auch Fahrerkollegen wie Ferrari-Star Fernando Alonso sticheln mittlerweile gegen den einst Unantastbaren.

Foto-Fahrt in England

Um Schumacher eine Bruchlandung in der öffentlichen Gunst zu ersparen, hat Mercedes alle Hebel in Bewegung gesetzt. Der MGP-W01 wurde in den drei Wochen generalüberholt, um den Silberpfeil maßgeschneidert an die Bedürfnisse seines Piloten anzupassen.

Verlängerung des Radstands, ein neues Chassis und diverse Aero-Spielereien, so lautete der Arbeitsnachweis der Mercedes-Ingenieure.

Und - wie praktisch - auf einem vom Team lange zuvor beantragten Werbetermin durfte der Superstar im englischen Rockingham dieser Tage die ersten Kilometer im generalüberholten Renner drehen.

Auf der Insel soll Schumacher laut "dpa" einhundert Kilometer im Mercedes abgespult haben. Derlei PR-Foto-Fahrten sind ganz offiziell vom Testverbot in dieser Saison ausgenommen.

"Weniger guter Lauf"

Schumachers Auftrag für die nächsten Rennen ist nach der großen Renovierung klar: "Ganz an die Spitze des Feldes zu kommen", wie es Motorsportchef Norbert Haug formulierte.

Dass ihm dies gelingen wird, daran lassen die Mercedes-Verantwortlichen vordergründig keinen Zweifel zu. "Michael hatte in den ersten vier Rennen - meist ohne sein Verschulden - einen weniger guten Lauf. Ich bin überzeugt, dass sich das alsbald ändern wird", formulierte Haug.

Der Angesprochene selbst gab sich zuletzt zurückhaltender. "Wir haben ein großes Potenzial", stellte Schumi fest, aber dennoch: "Wir werden in Barcelona einen größeren Schritt machen, als das in den Übersee-Rennen möglich war. Doch es wäre nicht realistisch, uns gleich im Kampf um die Spitze zu erwarten."

Probleme mit der "neuen" Formel 1

Und in einem Interview mit der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" schilderte Schumacher offen seine Schwierigkeiten mit den Arbeitsbedingungen in der "neuen" Formel 1: "Die schmaleren Vorderreifen, die Reifen für trockene Pisten und die Regenreifen kannte ich aus meiner Vergangenheit nicht. Jeder Fahrer muss lernen, wie sie sich unter den sich verändernden Bedingungen verhalten. Da haben die Kollegen einen gewissen Vorsprung", sagte der 41-Jährige.

Vor allem, das Verhalten der schmaleren Reifen zu lesen, bereite ihm derzeit Schwierigkeiten: "Früher war es für mich selbstverständlich, vorausplanen zu können, eine Ahnung zu haben, wie das Feintuning auszusehen hat. Da habe ich momentan noch ein Manko."

Es gebe "definitiv Bereiche, in denen ich am Anfang stehe, wo ich dazulernen muss, weil ich die nötige Erfahrung in den letzten drei Jahren nicht machen konnte", fügte Schumacher hinzu.

"Nicht an Zielstrebigkeit verloren"

Vorwürfen, er lege nicht mehr den Arbeitseifer von früher an den Tag, widersprach der Wahl-Schweizer: "Ich habe ja nicht an Fokus oder Zielstrebigkeit verloren. Ich gehe das nach wie vor seriös an, ich arbeite nach wie vor sehr hart an mir. Da hat sich nichts geändert." Seine zuletzt - trotz mäßiger Resultate - zur Schau gestellte Entspanntheit erklärte Schumacher mit einem inneren Wandel.

"Ich glaube, die Leute merken, dass das extrem Verbissene, das ich früher hatte, einer Lockerheit gewichen ist, die ich früher nur manchmal zeigen konnte", berichtete der siebenmalige Champion. Die "ganzen negativen Begleitumstände" der Formel 1 "haben in mir gearbeitet und mich sicherlich auch zermürbt".

Regen-Sieg 1996 mit Ferrari

Für den Grand Prix ist übrigens Regenwetter angesagt. Vor seiner dreijährigen Karrierepause hatte Schumacher das Wetter-Geschenk dankend aufgenommen. 1996 feierte er in Barcelona im unterlegenen Ferrari bei Nässe seinen ersten Sieg für die Scuderia.

Ob Schumacher derlei nun zu wiederholen vermag, wird eines der spannendsten Themen des spanischen Rennwochenendes sein.

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