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Michael Schumacher liegt in der Fahrer-WM mit 22 Punkten auf Rang neun © getty

Über die Rolle Michael Schumachers bei Mercedes driften die Meinungen auseinander. Sein Ex-Chef sieht gravierende Fehler beim Team.

Von Julian Meißner

München - Michael Schumacher und sein MGP-W01: Eine Liebesbeziehung ist es auch nach dem mit Spannung erwarteten Auftakt der Europarennen am Sonntag in Barcelona nicht.

Schumacher fuhr zwar mit dem umgebauten Mercedes Platz vier und damit sein bestes Ergebnis nach dem Comeback ein, doch richtig zufrieden war er nicht. "Die Lücke zur Spitze ist zu groß, als dass ich glücklich sein könnte", so der 41-Jährige.

Dabei waren doch die Änderungen am Auto auf Schumachers Fahrstil zugeschnitten - oder nicht? Schumacher wehrt sich gegen die Berichte, wonach der Silberpfeil speziell nach seinen Wünschen angepasst wurde.

"Egal wo und wann ich für ein Team gefahren bin, das Team hat eigentlich nie ein Auto speziell für mich gebaut", sagte Schumacher in Barcelona.

Rosberg ratlos

Auch Teamchef Ross Brawn beteuert, die Änderungen seien weder zugunsten des einen noch des anderen Piloten vorgenommen worden.

Fest steht: Nico Rosberg, bis dato Zweiter in der WM, kam das ganze Wochenende nicht mit dem neuen Auto klar, beendete den Grand Prix als 13., stürzte in der WM-Wertung auf Rang fünf ab - und war ratlos über die Gründe.

Schumacher sagte: "Wir haben beide die gleichen Probleme. Wir haben auch die gleichen Vorstellungen, wie sich Dinge entwickeln müssen. Nico und ich harmonieren sehr gut. Damit bringen wir das Team nach vorne."

Jordan: Taktik ist falsch

Einige seiner ehemaligen Weggefährten sehen das Verhältnis der beiden nicht ganz so harmonisch.

Eddie Jordan, Schumachers erster Teamchef in der Formel 1, sagte der "tz": "Machen wir uns nichts vor: In der Ära Ross Brawn gab es im Prinzip immer nur ein Ein-Piloten-Team. Wer Schumachers Teamkollege war, hat doch nie eine Rolle gespielt."

Der Brite hält die vermeintliche Taktik, eher auf den erfahrenen Schumacher als auf den jungen Rosberg zu setzen, schlicht für falsch.

Jordan: "Das ist ein Fehler. Die ersten vier Rennen haben doch ganz klar gezeigt, wer in der Lage ist, mit der neuen Fahrergeneration wie Sebastian Vettel oder Lewis Hamilton mitzuhalten: nämlich Nico Rosberg!"

Schumacher statt Button

Der 24-jährige Wiesbadener und Wahl-Monegasse war vor der Saison vom Williams-Team gekommen, leistete seine Unterschrift noch zu einem Zeitpunkt, als von Schumachers Comeback noch keine Rede war.

Noch bei der Teampräsentation im Januar in Stuttgart erklärte Rosberg, er habe mit Jenson Button als künftigem Teamkollegen gerechnet.

Nachdem Schumachers sensationelles Comeback feststand, wurden die Warnungen laut, er könne neben dem Rekord-Weltmeister zu kurz kommen.

Rosberg beseitigte mit seinen starken Leistungen in der ersten Saisonphase zunächst alle Zweifel. Bis zum Absturz von Barcelona.

Brawn: "Fortschritt nicht groß genug"

Nicht wenige Experten und auch Fans hoffen nun, dass Rosbergs Schwierigkeiten ein einmaliger Ausreißer nach unten waren, und dass Mercedes nicht zu Lasten des Youngsters auf die Karte Schumacher setzt.

Jordan ist sich sicher: "Es ist ein Denkfehler, so vorzugehen. Schumacher kommt zwar jetzt besser mit dem Auto zurecht, aber der Abstand zu Red Bull ist viel größer geworden."

Brawn musste nach dem Rennen in Spanien, als Mark Webber in einer eigenen Liga fuhr, zugeben: "Unser Fortschritt ist für die gewünschten Ergebnisse nicht groß genug." Im Qualifying betrugen die Rückstande von Schumacher und Rosberg auf die Zeit des Pole Setters Webber weit über eine Sekunde.

Schumacher dämpft Erwartungen

Schumacher blickt nun voraus auf Monaco, wo bereits ab Donnerstag wieder gefahren wird: "Wir hoffen, dass die Charakteristik des Stadtkurses unserem Auto besser liegt als die Strecke in Barcelona am vergangenen Wochenende."

Doch der Kerpener, der den prestigeträchtigen Großen Preis im Fürstentum bereits fünfmal gewann, dämpft im gleichen Atemzug die Erwartungen: "Andererseits sollten wir nicht zu viel erwarten, denn wie wir in Spanien gesehen haben, liegt noch viel Arbeit vor uns."

Neuer, alter Silberpfeil

Nick Fry, Geschäftsführer von Mercedes GP, bestätigte, dass die Silberpfeile in Monte Carlo wieder mit der Version mit kürzerem Radstand ins Rennen gehen werden.

Brawn erklärte: "Die Strecke in Monaco verlangt nach einer ganz besonderen Abstimmung. Deshalb fahren wir zwar mit unserem neuen Aerodynamikpaket, aber wir benutzen das Aufhängungssystem unserer früheren Spezifikation. Die ermöglicht uns in den engen Kurven einen besseren Lenkeinschlag."

Im Klartext: Mercedes rüstet den Boliden zurück zur wendigeren Version.

Nächste Runde im Schlagabtausch

Mit Spannung darf erwartet werden, wer mit dem "Silberpfeil 3.0" besser klarkommt: Rosberg, der in Monaco sein Heimrennen absolviert, oder Schumacher, der den Kurs durch die engen Gassen an der Cote d'Azur so gut kennt wie fast kein zweiter Fahrer im Feld.

Nur Rubens Barrichello, der Routinier in Diensten von Williams, hat mehr Formel-1-Rennen auf dem Buckel als Schumacher. Dazu zählen auch sechs Jahre als Schumis Teamkollege bei Ferrari.

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