vergrößernverkleinern
Fernando Alonso feierte in Spanien die 55. Podiumsplatzierung seiner Formel-1-Karriere © getty

Fortuna ist Fernando Alonso beim Heimspiel hold, sein Teamkollege verliert den Anschluss. Wird die Zuverlässigkeit Ferraris Trumpf?

Von Julian Meißner

München - Gefragt nach dem derzeit besten Formel-1-Team musste Ferrari-Teamchef Stefano Domenicali nicht lange überlegen.

"Wenn man auf die Meisterschaft schaut, ist klar, dass Red Bull das schnellste Auto hat", stellte der Italiener nach dem Triumphzug Mark Webbers beim Großen Preis von Spanien fest.

"Aber sie sind nur Dritter in der Teamwertung. Das ist ein wichtiger Faktor, denn man darf die Zuverlässigkeit und all die anderen Kleinigkeiten nicht vergessen, die ein gutes Gesamtpaket ausmachen", schränkte der Scuderia-Boss sein Urteil sofort ein.

Profiteur auf den letzten Metern

Dass es Ferraris Nummer eins Fernando Alonso bei seinem Heimspiel am Sonntag auf dem Circuit de Catalunya auf den zweiten Platz schaffte, war passend zu dieser Einschätzung nicht dem überragenden Speed seines F10 zu verdanken, sondern den Problemen der Konkurrenz.

Red-Bull-Pilot Sebastian Vettel zwang die Malaise seiner Bremsen zu einem zusätzlichen Boxenstopp, McLarens Lewis Hamilton flog in der vorletzten Runde nach einem Reifenschaden ab - Alonso nahm die Geschenke dankend an und schob sich in der WM bis auf drei Punkte an den Führenden Jenson Button heran.

"Mittelmäßiges Wochenende"

"Wenn man in den letzten Runden unerwartet ein paar Positionen gutmacht, fühlt sich das toll an. Das schmeckt sogar besser als ein Überholmanöver", frohlockte der Spanier, den die heimischen Fans natürlich standesgemäß feierten (DATENCENTER: Das Rennergebnis).

Doch der Weltmeister von 2005 und 2006 blieb Realist: "Das Wochenende war für uns eigentlich mittelmäßig, das Ergebnis allerdings fantastisch. Wir müssen uns verbessern, das wissen wir."

Alonso: "Aggressiver Entwicklungsplan"

Alonso hat wie sein Boss das Red-Bull-Team als Hauptkonkurrenten im Kampf um den Titel ausgemacht.

"Es wird ein paar Kurse geben, auf denen wir Red Bull näher sein werden, und ein paar Kurse wie an diesem Wochenende, bei denen wir wissen, dass es schwieriger wird", blickte er voraus: "Aber alles in allem denke ich, dass wir für die 19 Rennen ein Paket haben, mit dem wir um die Weltmeisterschaft kämpfen können."

Aufgrund eines "aggressiven Entwicklungsplans" für die kommenden Rennen, die schon dieses Wochenende in Monaco ihren Anfang nehmen, sei er "sehr optimistisch".

Massa verliert den Anschluss

Seinem Teamkollegen Felipe Massa ist dagegen die Zuversicht weitgehend abhanden gekommen. Mit nun 18 Punkten Rückstand in der Fahrerwertung verliert der Brasilianer seinen internen Rivalen langsam aus den Augen.

In Barcelona, wo ihn zusätzlich ein defekter Frontflügel behinderte, kam Massa mit dem Ferrari überhaupt nicht zurecht und hatte das ganze Wochenende lang gegenüber Alonso das Nachsehen.

"Ich bin definitiv nicht zufrieden", klagte er: "Während der Tests war ich noch zu 110 Prozent glücklich mit dem Auto und dem Fahrverhalten." Doch seit Platz zwei beim Saisonauftakt in Bahrain, in dessen Folge Ferrari auf härteren Reifen startete, kämpfe er mit seinem Wagen.

Team in der Pflicht

Domenicali nahm das Team in die Pflicht: "Wir müssen sicherstellen, dass das Auto gut zu fahren ist. Das war an diesem Wochenende zum ersten Mal nicht der Fall."

Massa habe sich - zum ersten Mal in dieser Saison - schon ab dem Training über mangelnden Grip beklagt, und auch Alonso sei zum ersten Mal "nicht so glücklich" mit der Performance des Boliden gewesen.

Sonderfall Monaco

Massas Hoffnung angesichts der Überlegenheit der Red Bull in Barcelona: "Ihr Rennen war beeindruckend. Ich hoffe, dass das nur auf dieser Strecke so zum Ausdruck kommt."

Doch die Strecke in Katalonien gilt als Referenzstrecke für den weiteren Saisonverlauf. Wer hier vorn dabei ist, ist es überall - mit Ausnahme vielleicht des engen Stadtkurses von Monte Carlo.

Es sieht also aus, als müsste Ferrari weiter auf die eigene Zuverlässigkeit und die Fragilität der Red-Bull-Renner setzen.

Zum Forum - jetzt mitdiskutieren! Zurück zur Startseite

teilentwitternE-MailKommentare
Bitte bewerten Sie diesen Artikel