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Michael Schumacher wurde im Freien Training am Donnerstag Fünfter © getty

Die britische Presse prügelt auf Michael Schumacher ein, weil er sich nicht für die Rascasse-Affäre von 2006 entschuldigen will.

Von Julian Meißner

München/Monte Carlo - "Ihr langweilt mich!"

Mit diesen Worten fuhr Michael Schumacher bei der Vorstellung des neuen Mercedes-Motorhomes in Monaco (Quali, Sa., 13.45 Uhr im LIVE-TICKER) einige britische Journalisten an, die mit dem Deutschen über die Rascasse-Affäre von 2006 sprechen wollten.

Schumacher hatte in seiner letzten Saison vor dem Comeback seinen Ferrari im Qualifying von Monte Carlo in Turn 18 des Stadtkurses so abgestellt, dass er unter anderem dem folgenden Renault-Rivalen Fernando Alonso seine letzte schnelle Runde verbaute.

Die Rennkommissare bewerteten die Aktion damals nach über siebenstündiger Beratungszeit als vorsätzlich sowie grob unsportlich und versetzten Schumacher auf den letzten Startplatz.

Gereizte Reaktion

Die Park-Affäre schlug hohe Wellen, Keke Rosberg bezeichnete Schumacher gar als "Drecksack", der sich besser aus dem Formel-1-Geschäft zurückziehen sollte 236636(DIASHOW: Das Freie Training).

Nico Rosberg, Kekes Sohn, heute Mercedes-Teamkollege Schumachers und 2006 einer der Leidtragenden, forderte damals den Abtritt des Rekordweltmeisters von der Spitze der Fahrervereinigung GPDA.

Dass die Affäre nun bei Schumachers Rückkehr an die Cote d'Azur wieder ausgegraben wird, ist nicht verwunderlich. Dennoch reagiert Schumacher, mittlerweile 41-Jahre alt, dünnhäutig. "Ihr habt diesen Tag zu einem Tiefpunkt gemacht, ihr Journalisten, einige von euch", herrschte er die Fragesteller an: "Lasst uns nach vorne schauen und nicht zurück."

Keine Entschuldigung

Anstatt die Situation mit Humor zu nehmen oder sich gar tatsächlich zu entschuldigen - denn das war es, worauf die Briten heraus wollten - sagte Schumacher einfach, dass er gar nichts sagt: "Ihr könnt es gerne weiter versuchen, aber ich spreche nicht mehr über 2006. Es ist genug gesagt worden, und ich glaube nicht, dass ich näher darauf eingehen muss."

Das Schlagzeilen-Gewitter auf der Insel ließ nicht lange auf sich warten.

"Er konnte nicht dazu gebracht werden, das eine Wort zu sagen, das die Formel 1 so gern gehört hätte: Sorry", schrieb "The Times", und im "Mirror" hieß es: "Der arrogante Schumacher wollte sich nicht entschuldigen, er zeigte keinerlei Reue."

Ein echtes Eingeständnis ist Schumacher nie über die Lippen gekommen. 2006 hatte er nur nach langen Hin und Her gesagt: "Ich wollte mit Sicherheit nicht Alonsos letzte Runde zerstören. Wenn es so ausgesehen hat, entschuldige ich mich dafür."

Hamilton: Sorge ums Image?

Der Brite Lewis Hamilton vom McLaren-Team hat unterdessen in Monaco betont, dass er "als fairer und sauberer Fahrer in Erinnerung behalten werden möchte."

"Als einer, der immer mit Herz gefahren ist und durch dick und dünn gekämpft hat, um Punkte und Weltmeisterschaften zu gewinnen", so Hamilton gegenüber "Reuters".

Der Weltmeister von 2008, dessen einstiges Saubermann-Image durch das eisenharte Stallduell mit Alonso 2007 und die Lügen-Affäre von 2009 beträchtlich gelitten hat, zur Rascasse-Affäre: "Die Karriere von so etwas überschattet zu wissen, wäre für mich wirklich niederschmetternd. Das sind Dinge, für dich ich definitiv nicht in Erinnerung behalten werden möchte."

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