vergrößernverkleinern
Nicht zum ersten Mal im Konflikt mit der FIA: Michael Schumacher am Sonntag in Monaco © imago

Die Bestrafung Michael Schumachers in Monaco erhitzt die Gemüter. Die Rennleitung verwirrt die Teams mit widersprüchlichen Signalen.

Von Julian Meißner

München - Das Wochenende in Monaco hatte gut begonnen für das deutsche "Nationalteam" Mercedes GP, es endete mit einem Debakel 237749(DIASHOW: Das Rennen).

Noch im Freien Training am Donnerstag trumpften Nico Rosberg und Michael Schumacher auf und weckten Hoffnungen auf den ersten Sieg der neuen Silberpfeile.

Doch schon am Samstag, als sich die beiden im Qualifying nach einem Timing-Fehler der Crew gegenseitig behinderten, waren die Chancen dahin.

Der Tiefpunkt kam dann im Rennen am Sonntag: Schumacher wurde für sein spektakuläres Überholmanöver gegen Fernando Alonso kurz vor Schluss bestraft und beendete das Rennen außerhalb der Punkteränge. Rosberg machte so immerhin noch einen Platz gut und wurde Siebter (DATENCENTER: Der Monaco-GP).

Pikante Randnotiz: Unter den Stewards befand sich Schumachers Ex-Rivale Damon Hill.

Geringe Erfolgsaussichten

"Dass ich am Ende auf Platz zwölf zurück versetzt wurde, ist enttäuschend", meinte Schumacher: "Ich verstehe vollkommen, dass wir dagegen Berufung einlegen. Nach unserem Verständnis bedeutete die Nachricht 'Safety Car kommt rein, Strecke frei', dass wir wieder unter Rennbedingungen fuhren, also gab ich Gas und überholte Fernando."

Wann der Einspruch des Mercedes-Teams vor dem Berufungsgericht des Automobil-Weltverbandes FIA verhandelt wird, steht noch nicht fest. Die Erfolgsaussichten sind gering.

Rennleitung im Fokus

Sollte die Strafe bestehen bleiben, wäre die Schuld angesichts der klaren Anweisung zunächst einmal beim Team und nicht beim Fahrer zu suchen - doch auch die Rennleitung muss sich Vorwürfe gefallen lassen.

Ross Brawn erklärte: "Wir waren der Meinung, dass das Rennen wieder freigegeben war und nicht hinter dem Safety Car zu Ende gehen würde. Wir sagten unseren Fahrern auf der letzten Runde, sie sollten bis zur Ziellinie voll fahren."

Alonso und Hamilton kontra Schumi

Der überholte Alonso dagegen war sich nach eigener Aussage sicher, dass Schumacher eine Strafe kassieren würde.

Er selbst habe sein Team mehrmals über Funk zur Situation befragt, weil er eine ähnliche Attacke gegen den vor ihm fahrenden Lewis Hamilton plante. Ihm sei jedoch ausdrücklich gesagt worden, dass Überholen verboten sei, so der Spanier.

Hamilton meinte zu dem umstrittenen Manöver nach der Rascasse-Kurve, in der Schumacher 2006 durch die "Park-Affäre" für Aufsehen gesorgt hatte: "Das hätte er nicht tun dürfen. Mir hat mein Team gesagt, dass wir nicht überholen dürfen, wenn das Safety Car reinkommt. Michael hat als einziger Fahrer überholt, sonst niemand."

Rosberg: "Mir wurde auch gesagt, ich soll versuchen zu überholen." Auch das Renault-Team soll seinen Piloten Robert Kubica zur Attacke ermuntert haben.

40.11 oder 40.13?

Offenbar waren die Signale der Rennleitung nicht eindeutig. Nach Artikel 40.11. des Reglements wäre Schumachers Manöver legal, wenn das Rennen vor der Zieldurchfahrt noch einmal freigegeben wurde. Dafür sprechen die grünen Flaggen, die von den Streckenposten in der letzten Runde geschwenkt wurden.

Wurde das Rennen jedoch unter Safety-Car-Bedingungen abgeschlossen, war Schumachers Coup nach Paragraph 40.13 nicht korrekt.

"Bei früheren Rennen, die hinter dem Safety Car beendet worden waren, wurde um die ganze Strecke gelb gezeigt, wie 2009 in Melbourne", beschwerte sich Brawn.

"Diese Dinge wie 40.13. habe ich nicht so abgespeichert" erklärte Schumacher zu seiner Regelfestigkeit: "Aber die groben Dinge sitzen schon."

Surer pro Mercedes

Für Ex-Formel-1-Pilot Marc Surer liegt der Fehler nicht bei Mercedes. "Die Strecke war ja geräumt, das Safety Car war drinnen und das Rennen wieder freigegeben", sagte der "Sky"-Experte: "Ich glaube, die Rennleitung hat einen Fehler gemacht, weil sie Grün gezeigt hat."

Die Rennleitung sei sich selbst wohl nicht sicher gewesen. "So klar war das wohl doch nicht, sonst hätten sie ja keine drei Stunden beraten", sagte der Schweizer und nahm die Mercedes-Strategen ausdrücklich in Schutz: "Ich kann verstehen, dass sie Michael gesagt haben, dass er angreifen soll."

Haug: "Selbstgemachte Probleme"

So oder so: Die Performance des ambitionierten Mercedes-Teams ließ beim wichtigsten Rennen des Jahres schwer zu wünschen übrig, gerade weil der Silberpfeil für mehr gut gewesen wäre.

"In einigen Abschnitten des Rennens konnten wir das Potenzial unseres Autos zeigen", sagte Brawn: "Das war nach den Vorkommnissen im Qualifying eher frustrierend."

Auch Mercedes-Motorsportchef Norbert Haug hatte die Zeitenjagd am Samstag als entscheidend ausgemacht: "Es war schlecht, dass wir im dritten Qualifyingabschnitt mit beiden Autos in Verkehr gerieten und dazu noch selbstgemachte Probleme mit unserer Qualifyingstrategie kamen."

Haugs Fazit: "Das Wochenende war nicht toll, aber es bringt uns auch nicht um."

Nächster Anlauf in der Türkei

Den nächsten Anlauf nehmen die Silberpfeile in zwei Wochen beim Großen Preis der Türkei. Das hochmoderne Otodrom vor Istanbuls Toren ist der krasse Gegensatz zum Leitplankendschungel Monte Carlos - auf dem 2005 eröffneten Kurs dominieren mittelschnelle Kurven.

Und wie sieht Schumacher die Chancen, beim siebten Saisonrennen endlich zuzuschlagen?

"Damit habe ich mich noch nicht wirklich beschäftigt", so der Rekord-Weltmeister am Sonntag.

Zum Forum - jetzt mitdiskutieren!Zurück zur Startseite

teilentwitternteilenE-MailKommentare
Bitte bewerten Sie diesen Artikel