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Robert Kubica liegt nach sechs Rennen in der WM gleichauf mit Lewis Hamilton © getty

Robert Kubica passt eigentlich nicht in die Glamourwelt der Formel 1. Doch der Pole ist einer der begehrtesten Fahrer überhaupt.

Von Julian Meißner

München - Ein Freund großer Worte ist Robert Kubica nicht.

"Copy" tönt es kurz und blechern im Funk, wenn der schlaksige Pole Anweisungen vom Renault-Kommandostand entgegennimmt. Dann setzt er seine rasende Fahrt fort.

Doch der Mann aus Krakau überzeugt auch ohne lange Reden. Am Sonntag stellte er in den engen Straßen Monacos einmal mehr unter Beweis, dass er zu den Ausnahmekönnern unter den besten Rennfahrern der Welt gehört.

Zwar wurde er von Sebastian Vettel im Red Bull beim Start düpiert, doch was folgte, war aller Ehren wert: Über die kompletten 260 Kilometer setzte Kubica den Vizeweltmeister - der immerhin im schnellsten Auto des Feldes sitzt - unter Druck und fuhr den dritten Platz sicher nach Hause.

Teamchef Eric Boullier bejubelte ein "fantastisches Rennen" und ein "exzellentes Ergebnis". Für Kubica war es nach dem sensationellen zweiten Platz von Melbourne die nächste Podiumsplatzierung in dieser Saison, vor der niemand Renault so richtig auf der Rechnung hatte 237749(DIASHOW: Das Rennen).

Klare Nummer eins

In kaum einem Team gibt es eine klarere Rollenverteilung als bei den Franzosen: Kubica ist mit nur 25 Jahren der Meister, der gleichaltrige Russe Witali Petrow der Lehrling.

Beim Platzhirschen wird man den Eindruck nicht los, er passe eigentlich nicht in die Glamourwelt der Formel 1. Seine Hobbys, die er auf seiner Homepage wie jegliche private Details verschweigt, sind Snooker, Poker und Bowling.

"Das passt überhaupt nicht zur Formel 1, und das ist der Grund, warum ich diese Beschäftigungen mag", sagte er einmal: "In meinem Beruf verbringe ich viel Zeit mit viel Action, Tempo und Lärm. Poker und Bowling sind ein ruhiger Kontrast und erfordern auch keine große Anstrengung. Vor allem beim Bowling kann ich meinen Kopf ausschalten und entspannen. "

Kart-Meisterschaft als Meilenstein

Ganz offensichtlich funktioniert diese Art der Fokussierung im Adrenalin-Zirkus Formel 1, wo andere Fahrer sich die Zeit mit dem Jetski (Nico Rosberg) oder dem BMX-Bike (Alex Wurz war sogar Weltmeister) vertreiben.

Dass Kubica, mit 1,83 Metern Körpergröße einer der Längsten im Feld, es im Motorsport weit bringen würde, war früh abzusehen.

Als Meilenstein bezeichnet er noch heute den Gewinn der Italienischen Kart-Meisterschaft 1998 bei den Junioren, damals war Kubica 13 Jahre alt und der erste Ausländer, dem dies gelang

Renault-Test als Belohnung

Es folgte der steinige Weg durch zahlreiche Junior-Serien, der Lohn für den überlegenen Titelgewinn in der Renault World Series im Jahr 2005 war ein Test im Formel-1-Boliden des französischen Herstellers - dem damaligen Weltmeisterauto.

Kubica überzeugte an diesem 1. Dezember 2005 in Barcelona auf Anhieb und heuerte wenig später als Test- und Ersatzfahrer bei BMW-Sauber an. Renneinsätze ließen dank der damaligen Formkrise Jacques Villeneuves nicht lange auf sich warten.

Schon in seinem dritten Grand Prix, dem Großen Preis von Italien in Monza 2006, schaffte Kubica es auf das Podium.

Heidfeld lässt den Vortritt

Am 8. Juni 2008 erledigte er für BMW-Sauber, was Nick Heidfeld in 70 Rennen mit Weiß-Blau nicht vergönnt war: Kubica holte beim Großen Preis von Kanada den ersten und einzigen Sieg für das bayerisch-schweizerische Team.

Und das ausgerechnet in Montreal, wo er im Vorjahr den schwersten Unfall seiner Karriere nur mit viel Glück beinahe unverletzt überstanden hatte.

Spekulationen um Ferrari-Deal

Angesichts dieser schillernden Vita, zumindest im sportlichen Bereich, liegt es nahe, dass Kubica hartnäckig mit jenem Team in Verbindung gebracht wird, für das alle Piloten während ihrer Karriere einmal fahren wollen: Ferrari.

Angeblich, so lauten jedenfalls Gerüchte, hat der mit Fernando Alonso befreundete Kubica schon einen Vorvertrag mit der Scuderia abgeschlossen, wo der Vertrag von Felipe Massa nach der laufenden Saison endet.

Er selbst schweigt zu den Spekulationen über seine Zukunft.

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