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Lewis Hamilton holte in der Formel 1 bislang 17 Pole Positions und 12 Siege © getty

Lewis Hamilton strotzt nach seinem ersten Saisonsieg vor Selbstvertrauen. Für Kanada hievt er sein Team in die Favoritenrolle.

München - Nach seinem ersten Saisonsieg beim Großen Preis der Türkei, nach dem ein mysteriöser Funkspruch des McLaren-Teams hohe Wellen schlug, bläst Lewis Hamilton erneut zur Bullen-Jagd.

Der Brite will beim Kanada-GP in Montreal nachlegen und dem Red-Bull-Duo Sebastian Vettel und Mark Webber erneut ein Schnippchen schlagen.

"Es wird schwierig sein, nicht während des ganzen Flugs nach Montreal breit zu grinsen. Ich bin überzeugt davon, dass wir hervorragend aufgestellt sind. Das Auto läuft zuverlässig und schnell, und der Kurs ist wie maßgeschneidert dafür", sagte der britische McLaren-Pilot in einem Interview mit dem Fachmagazin "Speedweek".

Zuletzt in Istanbul hatten Hamilton und sein zweitplatzierter Landsmann und Teamkollege Jenson Button davon profitiert, dass Webber und Vettel in Führung liegend bei einem Überholversuch des Heppenheimers 243334kollidiert waren. Vettel schied aus, WM-Spitzenreiter Webber fiel hinter das McLaren-Duo auf Rang drei zurück.

Fehleinschätzung des Chef-Ingenieurs

Hamilton und Weltmeister Button hatten sich später in einem Zweikampf um die Spitze ebenfalls berührt, waren aber beide im Rennen geblieben.

Nach dem Duell der beiden Teamkollegen, in dem Button Hamilton zunächst überrumpelte und dann seinerseits überholt wurde, waren Spekulationen über eine versteckte Teamorder aufgekommen. Auf der offiziellen Formel-1-Website war der Funkverkehr veröffentlicht worden. Darin hörte man, wie die Crew Hamilton in Sicherheit wiegt.

"Kurz nachdem man Lewis gesagt hatte, dass Jenson ihn nicht überholen werde, zog Jenson an ihm vorbei", erläuterte Teamchef Martin Whitmarsh in einer Telefonkonferenz am Dienstag.

Chef-Ingenieur Phil Prew habe nur "seine Meinung darüber geäußert, was Button wohl tun werde. Whitmarshs Erklärung: "Er lag damit falsch. So einfach ist das."

Topspeed ist gefragt

Bei der Formel-1-Rückkehr nach Montreal, wo der Kurs auf der Ile de Notre-Dame im St.-Lorenz-Strom vor allem durch die langen Geraden geprägt wird, wollen die McLaren Konkurrent Red Bull auch aus eigener Kraft bezwingen.

Schon in Istanbul freute sich Hamilton darüber, im Rennen den "Red Bulls gehörig die Hölle heiß machen" zu können.

F-Schacht als X-Faktor

Auf dem Circuit Gilles Villeneuve rücken die McLaren wegen ihrer überlegenen Höchstgeschwindigkeit dank des von ihnen erfundenen und perfekt funktionierenden Luftschaftsystems in die Favoritenrolle.

Vor dem 8. von 19 WM-Läufen (Freies Training, Freitag, 16 Uhr LIVE im TICKER und im TV auf SPORT1) liegt Hamilton mit 84 Punkten in der Fahrer-WM hinter Webber (93) und Button (88) auf Platz drei.

Vettel ist mit 78 Punkten Fünfter. Ohne seinen Ausfall in Barcelona kurz vor Ende des Rennens, als er auf Platz zwei lag, wäre Hamilton WM-Spitzenreiter vor Webber - und läge auch vor Button, der für viele überraschend nach seinem Wechsel von Brawn zu McLaren den besseren Saisonstart erwischt hatte als der im Team etablierte Hamilton.

"Hart, aber fair"

Das gewonnene Duell mit dem neuen Kollegen hätte ihm in Istanbul "den Sieg versüßt", gab Hamilton offen zu: "Es war ein klassisches Rad-an-Rad-Duell, und wenn du dabei die Nase vorn behältst, ist das immer ein schönes Gefühl. Es hat Spaß gemacht. Es war hart, aber fair."

Das soll auch in Zukunft so bleiben, wünscht sich Hamilton.

"Wir wollen beide fair bleiben, auch wenn es hart sein darf. Ich freue mich darauf, weil es Spaß macht, gegen Jenson zu kämpfen", so Hamilton. Allerdings werde auch "erneut der Tag kommen, dass wir uns um das gleiche Stück Rennstrecke beharken. Das ist unvermeidlich."

Lob für Button

Dabei gibt es keine Feindseligkeiten zwischen den Champions der letzten beiden Jahre. "Wir dürfen uns beide Formel-1-Weltmeister nennen. Das hat Druck von uns beiden genommen", sagte Hamilton, der Button in den letzten sechs Monaten besser kennengelernt habe, weil man auch abseits der Strecke viel Zeit miteinander verbracht habe.

"Jenson hat viel positive Energie ins Team gebracht", sagte Hamilton, für den sein zwölfter GP-Sieg in Istanbul eine große Erleichterung war.

"Ich habe mir das ganze Jahr den Hintern abgearbeitet für diesen ersten Saisonsieg, ihn endlich eingefahren zu haben, empfinde ich als Segen", sagte 25-Jährige: "Ich hatte eine Durststrecke von zehn Rennen hinter mir, das kam mir so unendlich lang vor. Dabei gibt es ja viele Piloten, die erst nach 50 oder sogar nach mehr als 100 Rennen überhaupt zum ersten Mal einen Grand Prix gewinnen. Ich kann mir gar nicht vorstellen, wie das ist."

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