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Michael Schumacher gewann bereits viermal in Hockenheim: 1995, 2002, 2004 und 2006 © imago

Die Euphorie um die Rückkehr Michael Schumachers ist vor dem Deutschland-GP verflogen. Der Mercedes-Star hofft "auf das Beste".

Von Julian Meißner

München - Michael Schumacher kehrt zurück an den Hockenheimring.

Doch nachdem die Verkündung dieser Nachricht vor gut einem halben Jahr Begeisterungsstürme bei den Organisatoren des Großen Preises von Deutschland hervorrief, ist dicht vor dem Ereignis Ernüchterung eingekehrt rund ums Motodrom.

Der Ticketverkauf läuft schleppend, von Euphorie bei dem heimischen Motorsportfans ist wenig zu spüren.

Mit 65.000 Zuschauern wird zwar am Rennsonntag (Training, Fr., 10 Uhr im LIVE-TICKER und LIVE auf SPORT1) gerechnet, doch damit lässt sich allenfalls ein Minus wie in den vergangenen Jahren vermeiden. Der erhoffte Geldregen bleibt aus.

Chancenlos im Titelkampf

Die Gründe hierfür sind schnell gefunden: Das Team Mercedes GP, das erstmals seit 1954 als Werksteam auf deutschem Boden auftritt, fährt hinterher.

Weder Superstar Schumacher noch sein dominanter Teamkollege Nico Rosberg haben Chancen auf den Sieg, geschweige denn die Weltmeisterschaft.

Heißestes Eisen im Feuer ist aus deutscher Sicht Sebastian Vettel vom Red-Bull-Team, der aber mobilisiert noch lange nicht im Stile eines Michael Schumachers zu Hochzeiten die Massen.

Schumacher will "Achtungserfolge"

Beim Altmeister ist angesichts der anhaltenden Erfolglosigkeit Ernüchterung eingekehrt, von Siegen und Titeln derzeit ist keine Rede mehr.

"Ich bin guter Dinge, dass wir noch in diesem Jahr einige Achtungserfolge einfahren können", sagte Schumacher vor dem Heimspiel bescheiden und beteuerte: "Ich bin immer noch motiviert. Das Fahren an sich und das Kämpfen mit den Kollegen macht mir tierisch viel Spaß und hat bislang ja auch gut funktioniert."

Und nach einem Sieg mit einer Promi-Auswahl in einem Benefizspiel sagte Schumacher gegenüber SPORT1: "Ich glaube nicht, dass wir in einer Gewinnerposition sind. Im Moment leider noch nicht." Er hoffe "das Beste" für den Deutschland-GP: "Wir kommen mit einem etwas verbesserten Auton nach Hockenheim und hoffen, für unsere Fans ein gutes Resultat abliefern zu können."

Gemischtes Zwischenfazit

Selbst Berufsoptimist Norbert Haug tut sich schwer mit überbordendem Lob für das neu geschaffene Team im Zeichen des Sterns.

Der Mercedes-Motorsportchef zog passend zur Jahreszeit schon vor dem eminent wichtigen Auftritt nahe dem Firmensitz eine Zwischenbilanz für die Saison der "Nationalmannschaft", wie sich die Crew gerne nennt.

"Sagen wir - im Gegensatz zur Schule zum Sommerzeit-Halbjahreszeugnis: Versetzung nicht gefährdet und viel weiteres Steigerungspotenzial", so Haug gegenüber der Nachrichtenagentur "dpa": "Die ersten Klassenarbeiten hätten durchaus besser ausfallen können, aber alle Beteiligten haben das Zeug, nach intensiver Lernphase in der Oberstufe zu den Klassenbesten zu gehören - und das werden sie auch."

Zu wenig für Fahrer und Team

Die Lernphase dauert jedoch länger als erwartet, für Schumacher wie für das Team. Von der Ankündigung, um Siege mitkämpfen zu wollen, musste man sich erst einmal verabschieden.

"Michael ist im Plan, seine Rennen haben sich nicht immer glücklich entwickelt - und meist ohne einen Fehler von ihm", nahm Haug seinen prominenten Piloten in Schutz: "Michael belegte in den letzten sechs Grand Prix zweimal Platz vier: Wenig für Schumacher - und Mercedes-Maßstäbe, aber viel für das, was bei diesen Rennen möglich war."

Rosberg klar überlegen

Die Eingewöhnungsprobleme Schumachers an die neue Formel 1 und die Defizite des MGP-W01 haben zur Folge, dass der 41-Jährige im Duell mit dem jungen Rosberg klar das Nachsehen hat.

Was Haug nicht unbedingt überrascht. Vielmehr sei Rosberg einfach einer der stärksten Fahrer im Feld, "vielleicht ist er sogar der Beste und Schnellste von allen".

Sollte das stimmen, kann er es momentan nicht zeigen. Doch er ist schneller unterwegs als der siebenmalige Champion und schaffte es 2010 bereits dreimal aufs Podium.

Schumi als Vettel-Fan

Da Schumacher selbst chancenlos ist im WM-Rennen, drückt er nun Vettel die Daumen.

"Es ist so, dass ich mich mit Seb extrem gut verstehe", sagte der Hockenheim-Rekordsieger in einer Telefonkonferenz am Mittwoch: "Er hat schon meine Sympathien und auch die besten Aussichten."

Die eigene Perspektive für das Heimrennen und den weiteren Saisonverlauf ist eher trübe.

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