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Michael Schumacher liegt in der WM mit 38 Punkten auf Platz neun © imago

Die dicke Luft zwischen Michael Schumacher und Rubens Barrichello ist noch nicht bereinigt. Gerhard Berger kann Schumi verstehen.

Von Marc Ellerich

München - Michael Schumacher hatte sich für sein hartes Manöver gegen Rubens Barrichello im Finale des Ungarn-Grand-Prix entschuldigt. Für den Williams-Piloten ist die Angelegenheit damit aber offenbar noch nicht erledigt.

Barrichello, bekanntlich einst Kollege des Rekord-Weltmeisters bei Ferrari, legte knapp zwei Wochen nach dem zwölften Grand Prix des Jahres am Rande eines Kartrennens nach. "Ich habe noch keinen Anruf von ihm bekommen", sagte er brasilianischen Medien.

Allzu großen Wert scheint der 38-Jährige, der zu Ferrari-Zeiten stets in Schumachers Schatten stand, auf eine Aussöhnung gar nicht zu legen. Ein Vier-Augen-Gespräch würde "keine Lösung sein", wurde er zitiert. (270014Bilder: Schumis harte Seite - seine Affären)

"Wenig Lust, sein Freund zu sein"

Vielmehr kündigte Barrichello eine unveränderte Gangart für die Zukunft an. "Ich bereue nichts", soll er gesagt haben: "Jetzt geht es einfach weiter. Klar, ich habe meine Meinung, aber ich bin lieber ruhig."

Die gemeinsame Ferrari-Vergangenheit dürfe allerdings nicht zu Feindseligkeit auf der Rennstrecke führen, so Barrichello: "Sonst tun wir uns irgendwann noch gegenseitig weh."

Zwar habe er großen Respekt vor Schumachers Erfolgen, beteuerte der Pilot aus Sao Paulo gegenüber "Agencia Estado", "aber ich habe wenig Lust, sein Freund zu sein. Im Leben geht s um Respekt gegenüber anderen und um Vergebung."

Wobei Barrichellos Aussagen nicht so klingen, als würde er seine eigenen Worte beherzigen.

Berger: Wir fuhren brutaler

Unterdessen hat sich ein weiterer früherer Ferrari-Pilot zu Schumacher und seinen Schwierigkeiten in dessen Comeback-Saison zu Wort gemeldet. Gerhard Berger zeigte ein gewisses Verständnis für das ruppige Verhalten des Deutschen auf der Zielgeraden des Hungarorings. (Barrichello: "Eines seiner schrecklichsten Manöver")

"Wir fuhren härter und brutaler", behauptete der Österreicher: "Dreimal pro Runde fuhren wir uns in die Kiste, ohne dass wir uns beschwert haben. Das gehörte einfach dazu. Bei uns wäre eine Aktion, wie die von Michael gegen Barrichello gar nicht aufgefallen."

Schumacher, der seine Karriere vor vier Jahren zwischenzeitlich beendet hatte, habe die neue Formel 1 noch nicht verinnerlicht, vermutete Berger. "Heute sind die Spielregeln eben anders. Das ist für Michael nur schwer zu verstehen", sagte er.

"Muss nein sagen"

Schumachers Rückkehr hält Berger trotz aller Schwierigkeiten im ersten Jahr im neuen Mercedes-Team für "sehr sinnvoll. Ein Mann wie Schumacher hat der Formel 1 über Jahre soviel gegeben, dass er das Recht haben sollte, noch einmal in einen Boliden zu steigen."

Das Image des Superstars leide darunter keineswegs, so Berger bei "tt.com", weil dessen Rekorde weiter bestünden.

Einen achten Titel traut Berger dem Mercedes-Piloten jedoch nicht mehr zu. "Vor der Saison hätte ich diese Frage mit einem klaren Ja beantwortet. Heute muss ich nein sagen. Sein Teamkollege Nico Rosberg hat die Nase klar vorne. Und man merkt Schumacher mittlerweile die Jahre an."

Lauda: Auf Stärken konzentrieren

In diesem Punkte erntete Berger Widerspruch von seinem Landsmann Niki Lauda. Schumacher werde den bis dato deutlich erfolgreicheren Rosberg in der kommenden Saison in den Griff bekommen.

Er habe in seiner Karriere gegen den jüngeren Shootingstar Alain Prost Ähnliches erlebt. "Der war schneller als ich. Und ich brauchte ein halbes Jahr, um das zu kapieren. Dann konzentrierte ich mich ganz auf meine Stärken. Und die Lagen darin, das Auto optimal aufs Rennen abzustimmen."

Berger meinte zu diesem Thema. "Es liegt nicht am Auto, mit dem man im Moment nicht gewinnen kann. Es ist vielmehr Nico Rosberg. Michael versucht, die jugendliche Unbekümmertheit Nicos mit dem Griff in die Erfahrungs-Trickkiste zu kontern."

Das funktioniere aber nicht. "Das sein Teamkollege schneller ist, kennt er nicht. Damit umzugehen, muss er jetzt lernen."

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