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Niki Lauda startete 171 Mal in der Formel 1 und gewann 25 Grand Prix © getty

Der dreimalige Weltmeister traut dem deutschen Red-Bull-Piloten 2010 den Titel zu. Schumacher und Ferrari sieht er kritisch.

Von Marc Ellerich

München - Niki Lauda hat Sebastian Vettel noch längst nicht abgeschrieben.

In einer Bilanz vor dem Neustart der Formel 1 nach der Sommerpause nannte der dreimalige Weltmeister den Red-Bull-Piloten als ersten Favoriten auf den WM-Titel in diesem Jahr.

Der Heppenheimer, der nach zahlreichen Tücken und eigenen Fehlern in der Fahrer-Wertung mit zehn Punkten Rückstand auf seinen führenden Teamkollegen Mark Webber auf Platz drei liegt, sei für ihn der herausragende Pilot des bisherigen Saisonverlaufs, sagte Lauda in einem Interview auf "formula1.com".

"Jeden deklassiert"

"Was er im Qualifying von Budapest in Sachen Speed gezeigt hat, deklassiert jeden - besonders seinen Teamkollegen und Renn-Sieger Mark Webber, der dasselbe Material hat", sagte Lauda.

Vettel sei nach wie vor sein Tipp für die Meisterschaft, so der 61-Jährige: "Aber er muss das natürlich erst einmal nach Hause bringen."

Der Wiener sieht Vettel, der in dieser Saison nach zahlreichen technischen Defekten, Missgeschicken aber auch eigenen Fehlern zwar sieben Pole-Positions, aber nur zwei Siege auf seinem Konto hat, in einem Lernprozess. "Er wird sich sicher ärgern", vermutete Lauda. "Aber er ist jung genug, um diese Dinge sehr schnell hinter sich zu lassen." (Vettel: "War nie ein Problem für mich")

Lob für Webber

Trotz seiner Sympathie für den jungen Deutschen fand Lauda zugleich lobende Worte für dessen australischen Teamkollegen Webber. Der Pilot habe die WM-Führung verdient, urteilte er.

"Der Fahrer mit den meisten Siegen hält den Spitzenplatz, so einfach ist das. Mark hat vier Rennen gewonnen, seine Verfolger Lewis Hamilton, Sebastian Vettel, Jenson Button und Fernando Alonso nur zwei", sagte der frühere Formel-1-Fahrer: "Ein Rennen zu gewinnen, bedeutet, dass du in der Lage warst, jede Situation zu deinem Vorteil zu nutzen. Manchmal ist Glück im Spiel. Aber es gibt das Sprichwort, dass das Glück mit dem Tüchtigen ist."

Er habe immer an Red Bull geglaubt, betonte Lauda. "Sie haben das schnellste Auto, und ich wusste, dass es nur eine Frage der Zeit sein würde, bis sie sich durchsetzen und mit menschlichen und technischen Fehlern klarkommen würden."

Schumacher-Comeback "sehr durchwachsen"

Mit Rekord-Weltmeister Michael Schumacher und der italienischen Formel-1-Legende Ferrari ging der heutige TV-Experte in dem Gespräch härter ins Gericht.

Schumachers Comeback-Saison beurteilte Lauda als "sehr durchwachsen, um es vorsichtig zu sagen. Nico Rosberg ist konstant besser als er. Das ist etwas, woran er wirklich arbeiten muss. Es wird sehr interessant sein zu sehen, welchen Weg er geht, um wieder aufs Podium zu kommen." (Schumi: Auto wurde uns in die Hände gedrückt)

Dem Mercedes-Team von Schumacher und Rosberg empfahl er, das Jahr abzuhaken und sich auf 2011 zu konzentrieren. "Ich glaube nicht, dass wir in den letzten sieben Rennen noch deutliche Verbesserungen erwarten dürfen. Es ist zu spät, um wirklich grundlegend etwas zu ändern." (Berger versteht Schumi: "Wir fuhren brutaler")

Mit der bisherigen Leistung in diesem Jahr werde der deutsche Rennstall gewiss nicht zufrieden sein, vermutete Lauda.

Alonso kein Schumacher

Ferraris Vorgehen vor der Sommerpause sieht Lauda ebenfalls kritisch. Was der italienische Rennstall beim Deutschland-Grand-Prix in Hockenheim geboten habe sei "gegen alle Regeln" gewesen. (Alonso: Es gibt keine Nummer eins)

"Was sie gemacht haben, war falsch", urteilte der Formel-1-Kenner. Der Weltverband werde dem Team, das mit einer Stallorder zugunsten des Spaniers Fernando Alonso für Aufruhr in der PS-Liga gesorgt hatte und mit einer Geldstrafe belegt wurde, auch nachträglich "eins überbraten", vermutete Lauda. (270014Bilder: Schumis harte Seite - seine Affären)

Ferrari verärgert Fans

Es gebe zwei Wege, wie ein Team in der Formel 1 vorgehen könne, übte Lauda deutliche Kritik am roten Rennstall. So wie Red Bull, das beide Piloten gleich behandle und Mann gegen Mann fahren lasse. Oder wie Ferrari, das politisch agiere und die Fans mit einem abgekarteten Spiel verärgere.

Die Formel 1 jedoch sei deshalb eine Massen-Attraktion, weil das Publikum die besten Fahrer in den besten Autos gegeneinander antreten sehen wolle.

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